Daria Pezzoli-Olgiati, ©Universität ZürichVerabschiedung von Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati im Rahmen des 10-Jahre-Jubiläums des Zentrums für Religion, Wirtschaft und Politik

Nach beinahe sechs Jahren als Leiterin des ZRWPs verlässt Daria Pezzoli-Olgiati die Universität Zürich nach München. Nicht ganz freiwillig – muss an dieser Stelle eingeschoben werden. Prof. Dr. Thomas Schlag, Dekan der Theologischen Fakultät Zürich meint: „Unter günstigeren Voraussetzungen wäre der Weggang vermeidbar gewesen. Dieses Kapitel ist kein Ruhmesblatt für die Universität.“ Was sich hinter den Kulissen genau abgespielt hatte, wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren. Klar ist, dass das von Pezzoli-Olgiati mit aufgebaute ZRWP stets um finanzielle Unterstützung bangen musste. „Diese Sparpolitik, dieses Hin und Her, stehen der Leistung von Daria Pezzoli-Olgiati und ihrem Forschungsteam diametral entgegen“, so Thomas Schlag weiter.

Lobende Worte

Daria Pezzoli-Olgiati war eine hervorragende Professorin. Sie brachte den Studierenden Vertrauen und Verständnis entgegen, wie keine andere. Sie versprühte Begeisterung für die Erforschung von Religion und religiösen Phänomenen, zeichnete sich durch erstklassige hermeneutische Fähigkeiten aus, legte grossen Wert auf einen sensiblen Umgang mit Sprache, ging auf in der Interdisziplinarität. Sie förderte und forderte ihre Studierenden, räumte ihnen Freiheiten ein, bestand im Gegenzug auf qualitativ hochwertige Arbeiten. Simone Meinen, eine RWP-Studentin beschreibt Daria Pezzoli-Olgiati als „Anker in Zeiten der Unsicherheit. Sie holt die Studierenden genau dort ab, wo sie stehen und unterstützt sie darin, die eigenen Ideen zu verfolgen.“ Niemand anders hätte den RWP-Studiengang besser personifizieren können, denn Interdisziplinarität stehe zwingendermassen für Dialog. Und ebendieser sei mit Daria Pezzoli-Oliati stets auf Augenhöhe möglich gewesen.

Marie Therese Mäder, © Universität ZürichKolleginnen erlebten Daria Pezzoli-Olgiati als selbstlos, bescheiden, zuverlässig und teamorientiert. „Nie agierte sie alleine, aber stets als Dreh- und Angelpunkt ihres Forschungsteams für Visuelle Medien und Religion, welches sie international platzieren konnte in den vergangenen Jahren“, so Prof. Dr. Antonius Liedhegener.Prof. Dr. Pierre Bühler beschreibt Daria Pezzoli-Olgiati als „Kämpferin in der Löwengrube“ (vgl. Dan 6:1-28), als „Königin der Medien“ (vgl. Darius der Meder), welche ihre Zeit nach der Befreiung mit dem Aufbau der Academia in Monacho vertreiben wird.
Bis die neue Leitung anfangs 2017 ihre Arbeit aufnehmen wird, übernimmt Marie-Therese Mäder die operative Leitung des ZRWPs. Als langjährige Weggefährtin von Daria Pezzoli-Olgiati sagte sie: „Die Forschungsgruppe Medien und Religion zelebriert das freie Denken. Beim Denken können wir jegliche monetären und institutionellen Grenzen hinter uns lassen.“

Unterschwelliger akademischer Sexismus

Als Frau in der Wissenschaft, hatte es auch Daria Pezzoli-Olgiati nicht immer leicht. Davon zeugen beispielsweise die Bemerkungen von Prof. Dr. Georg Pfleiderer. Während er ihr als Abschiedspräsent einen Basler Kirsch überreichte, sinnierte er über mögliche mentale Schäden von Daria Pezzoli-Olgiatis Familie, die durch die berufstätige Mutter entstanden sein könnten. Auch die einsamen Stunden, welche ihr Mann und ihre Söhne alleine zuhause verbracht hätten, schienen Pfleiderers Mitleid erregt zu haben. Was diese Gedanken mit der Übergabe des Kirschs zu tun haben, konnte seinen Ausführungen leider nicht entnommen werden. Doch drängt Frage drängt sich auf, ob er sich ebenso lautstark um die Familie gesorgt hätte, hätte er einen Mann verabschiedet.

Daria Pezzoli-Olgiati selbst hielt eine einfallsreiche Rede, in welcher sie von A wie Ärger bis Z wie Zeit nichts ausliess. Insbesondere das W wie Wiederholung schien es ihr angetan zu haben, denn immer und immer wieder müsse sie betonen, das Interdisziplinarität für die Erforschung von Religion zentral sei. Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, versteht den Wink an die Unileitung unmissverständlich. Und beim Buchstaben F wie Familie konterte sie schlagfertig auf Pfleiderers deplazierte Anspielungen: „Als berufstätige Frau muss ich mich stets entschuldigen, eine Familie zu haben. Dabei kann ich das Familienleben nur empfehlen! Dass meine Familie mental kerngesund ist, ist übrigens einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass ich arbeite!“ Wegen solcher – und vieler anderer – politischer Statements wird Daria Pezzoli-Olgiati fehlen! Ihr Weggang ist ein grosser fachlicher und menschlicher Verlust für das ZRWP und die Religionswissenschaft in Zürich.


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