Mirjam von Arx: Virgin TalesFilmrezension: "Virgin Tales" von Mirjam von Arx


Mit einem Ring soll das Gelöbnis der 14-jährigen Kameryn zur Keuschheit bis zu ihrer Hochzeit besiegelt werden. Im Beisein von Familie und Freunden hat sie gelobt rein zu bleiben, auf Sex vor der Ehe zu verzichten und geduldig zu warten, bis der von Gott für sie vorgesehene Mann bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten wird.

Die weibliche Unbeflecktheit ist das Thema des neusten Filmes der Zürcher Filmemacherin Mirjam von Arx. Während zwei Jahren hat sie eine in evangelikalen Kreisen einflussreiche Familie, die Wilsons und ihre sieben Kinder in Colorado Springs, USA, über zwei Jahre immer wieder besucht. Daraus ist ein eindrücklicher Dokumentarfilm entstanden, der das Leben und die Weltanschauung einer Familie zeigt, in der sich vieles um das Warten, das Heiraten und die eigene Reinheit dreht.

Reiner Kampf

Reinheit, das zeigt sich im Verlauf des Filmes stark, wird dabei nicht nur als körperliche Unbeflecktheit verstanden, sondern ist genau so geistiger Kampf im Glauben wie auch politische Aktivität. So erklärt etwa Vater Ryan, er fühle sich verantwortlich dafür, dass moralische Werte der Bibel wie etwa die Familie als Grundlage der Gesellschaft verteidigt werden. Während für die Töchter Reinheit mit dienender Demut und Häuslichkeit verbunden wird, hängt für Sohn Logan die Vorstellung eines geistigen Kampfes mit dem Wunsch zusammen, als Soldat für Amerika kämpfen zu können.

Mirjam von Arx: Virgin Tales, purity ball

Ryan Wilson ist der Erfinder verschiedener Rituale zur Zelebrierung der Reinheit, wie das Fest rund um das eingangs beschriebene Versprechen Kameryn's. Ein weiteres Ritual stellen die sogenannten Purity Balls dar, die bereits in 48 amerikanischen Staaten und mittlerweile auch in einigen europäischen Ländern durchgeführt werden. An diesen Bällen für Väter und Töchter können diese zwischen viel Glimmer und Glamour vertraglich festhalten, dass sie die weibliche Unbeflecktheit bewahren und verteidigen wollen.

Keuschheit - auch in der Schweiz ein Thema

Das Phänomen des Verzichts auf Sex oder gar auf den ersten Kuss vor der Ehe findet nicht nur in den USA immer mehr Anhänger. Auch in der Schweiz wird dies in evangelikalen Kreisen zunehmend als gottgewollter Wert verteidigt. Aktuell kann dies etwa in der Diskussion rund um den Sexualaufklärungsunterricht in den Schulen beobachtet werden. In den USA machen evangelikale Gruppen allerdings einen viel grösseren Teil der Gesellschaft aus und stellen eine schnell wachsende religiöse Richtung dar, wodurch deren Weltanschauungen und Werthaltungen stärker in der medialen Öffentlichkeit und damit verbunden im politischen Geschehen auftauchen.

Wenn Mirjam von Arx in ihrem Film Virgin Tales die Familie Wilson mit ihrem Anliegen der persönlichen und gesellschaftlichen Reinheit darstellt, so schafft sie es, diese nicht als ein befremdendes Randphänomen zu präsentieren, sondern zeigt eine gesellschaftliche Realität auf, die als solche wahrgenommen werden soll und weitere Diskussionen anstossen wird.


Virgin Tales. Regie: Mirjam von Arx. USA, 2012, 98 Minuten.

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