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Larry Charles ReligulousFilmrezension:"Religulous" von Larry Charles

Die im Buddhismus ihren Ursprung findenden drei Affen auf dem Werbeplakat des Films „Religulous“, der zurzeit in den Kinos läuft, stellen bereits von vornherein eine klare Aussage dar: Die drei monotheistischen Weltreligionen – markiert durch entsprechende Symbole und Halsketten, die diese Affen tragen – wollen weder sehen, hören, noch sprechen. Ganz im Gegensatz zu Bill Maher, seines Zeichens Komiker, Schriftsteller und vor allem zentrale Figur und einer der Produzenten der „Dokumentation“ Religulous.

Verschiedenartige "Kommentierung" religiöser Aussagen

Der Film des überzeugten Atheisten Bill Maher hat zu Beginn nahezu wissenschaftlichen Charakter: Er präsentiert zunächst seine eigene Position, seine bisherigen prägenden Momente, die sein heutiges (areligiöses) Weltbild beeinflusst haben und begibt sich auf den Weg, religiöse Menschen zu treffen, um ihnen unangenehme Fragen bezüglich Ihrer religiösen Überzeugung zu stellen. Die Auswahl seiner Interviewpartner wird nicht dokumentiert und scheint daher zufällig. Maher fragt nach Details in religiösen Erzählungen, lacht über den märchenhaften Charakter heiliger Schriften, respektiert aber hauptsächlich sein Gegenüber und gibt stets höflich aber bestimmt zum Ausdruck, dass er die andere Meinung zwar zur Kenntnis nimmt, aber nicht im geringsten damit einverstanden ist. Die Aussagen von Politikern, von religiösen Führern kommentiert er teilweise meist auf der Rückbank eines Autos weiter, manchmal wird auch nur mit dem Medium des Bilds und mit Filmschnitten  Teilaussagen der Interviewten ins Lächerliche gezogen (zum Beispiel durch Einblendung von passenden und unpassenden Ausschnitten aus Spielfilmen).

Konsequenz statt Inhalt 

Dabei geht es ihm nicht etwa um die Richtigstellung des Hergangs von Wundertaten in etwaigen Bibelstellen, es geht auch nicht darum, seine Interviewpartner vom Glauben abzubringen (obwohl dies offenkundig die Interviewten teilweise auch so äussern und befürchten), sondern um die Darstellung völliger Absurdität, an etwas Überirdisches ohne jeden Zweifel glauben zu können. Im Verlauf des Films wird aber auch klar, dass sich Maher nicht primär an den Glaubensinhalten stört, sondern viel mehr an den daraus resultierenden Konsequenzen: die von religiösen Repräsentanten vielgepredigte vermeintliche Toleranz und Nächstenliebe endet nicht selten in völlig kompromisslosen Geisteshaltungen, die jede andere Meinung nicht gelten lassen und anderen Weltanschauungen a priori feindlich gesinnt sind.

Der Film endet mit einer glühenden und emphatischen „Predigt“ vom Berg herab, mit schnellen Bildwechseln, die Bomben, Krieg, Zerstörung zeigen – die dramatisch stampfende Hintergrundmusik tut ihr Übriges: Maher steht als Prophet da und ermahnt den Zuschauer, religiöse Autoritäten in Frage zu stellen, Zweifel zu hegen und sich vom Glauben abzukehren. Denn Religion und das blinde Vertrauen in religiöse Oberhäupter und religiöse Inhalte seien Keim verschiedenster grundlegender Konflikte.

Zwischen Überzeichnung und Tiefgang

Auch wenn dieser Aufruf in seiner (religiös anmutenden) Entschlossenheit nicht ganz ernst gemeint sein kann und wohl viel eher die Kompromisslosigkeit einiger religiöser Gruppierungen im Auftreten und im Vertreten ihrer exklusivistischen Doktrin karikieren soll: Ein alleiniger Witz ist es auch nicht. Aus einer gewissen Verlegenheit heraus, dem Film eine explizite Botschaft verleihen zu wollen, welche aber nicht völlig ernst transportiert werden kann, da sie sonst im Widerspruch zum bisherigen Filmverlauf stünde und somit nicht ernst genommen werden könnte, ist Maher (und auch dem Regisseur Larry Charles, den man wohl vom Film "Borat" kennt) ein besonders raffinierter Schluss gelungen: Seine fulminante Botschaft wirkt einerseits grotesk, wobei aber das Augenzwinkern nicht übersehbar ist, andererseits besitzt sie gleichzeitig einen Tiefgang, den der Zuschauer mindestens in Form eines Gedankenanstosses mit nach Hause nehmen kann. 

Diese beiden Ebenen zeigen sich bereits auf der Homepage zum Film, als Maher zwar die überaus grosse Angriffsfläche betont, die aus komödiantischem Standpunkt aus Religion bietet, sieht sich aber auch insbesondere durch seine Funktion als Komiker in der Lage, Dinge, die „keinen Sinn“ machen, als solche erkennen zu können: „As a comedian, religion has always interested me – it was the single easiest subject to make jokes about. I think that tells us something: comedians look for things that don’t make sense, that are illogical.” Seinen Film sieht er explizit als Kampf und fordert den Zuschauer auf, daran teilzunehmen: “Join me in the final battle between intelligence and stupidity that will decide the future of humanity.”

Auch wenn hier natürlich bei Quellen dieser Art keine definitiven Aussagen über tatsächliche Absichten festgemacht werden können, da sie ja auch immer einem gewissen ökonomischen Interesse folgen müssen, ist der Film als polemische Meinungsdarstellung (mit entsprechend stereotyper Darstellung religiöser Gemeinschaften) absolut sehenswert!


Religulous. Regie: Larry Charles. Drehbuch: Bill Maher. USA, 2008, 101 Minuten.

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