goodbyehelloAusstellungsbericht: "Goodbye and Hello" 17.10.2008-5.7.2009 im Museum für Kommunikation, Bern

Mein Weg zum Jenseits führte durch einen dunklen Vorraum, in dem sich zwei Geister aufhielten und mir das Thema der Ausstellung näher brachten. Beim Weitergehen erschien die Anzeige 'Goodbye', die mir den Eingang zum Jenseits signalisierte: Der Beginn der Ausstellung und sogleich der Beginn einer Reise durch ein thematisches Spannungsfeld. 

Der Fokus der Ausstellung ist auf die Kommunikation mit dem Jenseits und seinen Bewohnern gelegt. Die Künstler setzen sich mit Fragestellungen wie "Auf welche Weise wird mit dem Jenseits in Kontakt getreten?", "Wie wendet sich das Jenseits aktiv zum Diesseits?" und "Ist ein gegenseitiger Austausch zwischen den beiden Welten möglich?" auseinander. Somit geht es primär um den Dialog und nicht, wie möglicherweise von manchen erwartet wird, um verschiedene Jenseitsvorstellungen. Diese können lediglich indirekt erschlossen werden.

Themenvielfalt

Die Ausstellung birgt enormes Entdeckungspotential, wobei sie sich mit Themen wie 'Im Gespräch mit Verstorbenen', 'Arme Seelen', 'Ein Blick ins Jenseits', 'Spuk', 'Spiritismus', 'Diktate aus dem Jenseits' und Lug & Trug' befasst.
Präsentiert werden alltägliche sowie aussergewöhnliche Kommunikationsarten. So verstehen die Künstler Todesanzeigen als eine Form mit Verstorbenen zu kommunizieren. Eine etwas weniger übliche Art der Kommunikation stellen Telefongespräche mit Toten dar, denen der Besucher in der Ausstellung lauschen kann. Des weiteren wird der Besuch am Grab thematisiert. Durch  schwarze Telefonhörer erzählen Angehörige von ihren Erfahrungen am Grab von Verstorbenen.Goodbye & Hello, Telefon

Die in der Schweiz weit verbreitete Tradition, die Verstorbenen auf dem Friedhof zu besuchen, wird in der Ausstellung durch eine etwas modernere Variante ergänzt. Der sogenannte „Telefonengel“ wurde entwickelt, um den Anforderungen einer immer hektischer werdenden Welt zu entsprechen. Der 'Telefonengel' besteht aus einer Box, in der sich ein Handy befindet. Dieses Gehäuse kann beim Verstorbenen vergraben werden. Ist ein Besuch aus zeitlichen oder geographischen Gründen nicht möglich, kann mittels des Telefonengels ein Gespräch mit dem Verstorbenen hergestellt werden.
Ferner wird das Thema Nahtod angesprochen: Eine Historikerin und ein Arzt berichten über ihr Nahtoderlebnis und wie diese Erfahrung ihr Denken bezüglich dem Leben im Diesseits und Jenseits geprägt hat.Goodbye & Hello, Tunnelblick

Im Verlauf der Ausstellung erhält der Besucher zudem eine kurze Einführung in den Spiritismus. Spiritisten sind der Überzeugung, dass Seelen Verstorbener mit Hilfe verschiedenster Mittel, z. B. mit dem sogenannten 'Witchboard' mit der diesseitigen Welt kommunizieren können. Besonders spannend ist die auf Video aufgenommene Séance des deutschen Felix-Zirkels, dessen Mitglieder sich wöchentlich treffen.Goodbye & Hello, Witchboard

Hokuspokus oder faszinierende Realität

Es herrschen unterschiedliche, oft gegensätzliche Meinungen bezüglich aussersinnlichen Angelegenheiten. Die Einen drücken dem Dialog mit dem Jenseits den Stempel 'Hokuspokus' auf, wohingegen Andere den Austausch mit dieser Welt als faszinierende Realität sehen. Der Balanceakt zwischen befürwortender und skeptischer Position ist den Künstlern meines Erachtens gut gelungen. Denn neben bejahenden Erlebnisberichten werden auch kritischen Stimmen Gehör verschafft. So werden in einer Reihe von Fallbeispielen die Schwindeleien von Trickbetrügern aufgedeckt.
Vier Porträts von Zeitgenossen, die in einem Interview ihre persönliche Sicht zum Jenseits kundtun, komplettieren die Ausstellung. Zwei Personen beschäftigen sich in beruflicher Hinsicht mit dem Thema. Einerseits wird ein Medium porträtiert, das mit dem Jenseits in Kontakt tritt und als Lebensberater den Menschen hilft und andererseits ein Neuropsychologe, der sich dafür interessiert, wieso Menschen an „Geister“ und an das Jenseits glauben. Er selbst nimmt dabei eine kritische Haltung ein - dem entspricht auch seine pointierte Aussage: "Der einzige Ort, an dem es spukt, ist unser Kopf." Ausserdem erzählen ein Landwirt und ein Börsenspezialist von ihren paranormalen Erlebnissen.

Dialog mit dem Jenseits – möglich oder nicht?

Auf diese Frage bieten die Künstler keine absolute Antwort, sondern überlassen die Entscheidung dem einzelnen Besucher. Nichtsdestotrotz interessieren sich die Künstler für die Ansichten der Besucher. Aufgrund dessen erstellten sie einen Fragebogen, den die Besucher am Ende der Ausstellung per Computer ausfüllen können. Die Daten werden anschliessend ausgewertet und auf einem Bildschirm für die nachgehenden Besucher präsentiert.

Ein freundliches 'Hello' begrüsste mich dann am Ende der Ausstellung und wies mir den Weg zurück ins Diesseits.

Eine empfehlenswerte Ausstellung

Letzten Endes kann ich den Besuch der Ausstellung Goodbye & Hello nur empfehlen. Die abwechslungsreich gestaltete Ausstellung ist kurzweilig und verschafft einen Überblick über zahlreiche Themenbereiche, ohne eine Reizüberflutung zu verursachen. Zudem ist sie so konzipiert, dass der Besucher nicht nur auf visuellem Weg, sondern auch auditiv Informationen erhält.
Durch die Porträts schwebt das Thema nicht irgendwo abstrakt über den Köpfen der Besucher, sondern bleibt auf konkreter Ebene und zeigt schlussendlich durch die persönlichen Erlebnisse die Relevanz des Themas.


PDF Logo"Goodbye and Hello" 17.10.2008-5.7.2009 im Museum für Kommunikation, Bern

Im Dialog mit dem Jenseits. DRS 1 Doppelpunkt. 13.11.2008

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