Janina Karolewski; Nadja Miczek; Christof Zotter (Hg.): RitualdesignBuchrezension: Ritualdesign von Janina Karolewski, Nadja Miczek, Christof Zotter (Hg.)

Rituale unterstehen ständigen dynamischen Prozessen: Sie werden "verändert, angepasst, ergänzt, transferiert, neu eingeführt, abgeschafft, ausgedehnt oder verkürzt." In diesem Zusammenhang entstand auch der Begriff 'Ritualdesign', wobei noch kein Konsens zur konkreten Verwendung oder zur Definition des neologistischen Begriffs gefunden werden konnte. Eine Möglichkeit zur Begriffsklärung bietet der Religionswissenschaftler Gregor Ahn, welcher als Kriterium für Ritualdesign die Intention des Ritualgestalters voraussetzt: Ein Akteur modifiziert unter expliziten Intentionen ein Ritual- und schafft somit ein Ritualdesign.

Exemplarische Einblicke

Neben dem Beitrag von Gregor Ahn wurden im Buch Ritualdesign. Zur kultur- und ritualwissenschaftlichen Analyse «neuer» Rituale elf weitere Artikel von 13 AutorInnen publiziert. Grundlage dafür bot ein Sonderforschungsbereich der Uni Heidelberg, welcher sich während dem Sommersemester 2010 dem Thema mittels Arbeitssitzungen, Referaten und Diskussionen widmete. Das Resultat zeigt einen äusserst heterogenen und bunten Einblick in die Welt des Ritualdesigns: So erfährt der Leser beispielsweise, warum Kaiser Konstantin I durch seine eigene Bestattung als Ritualdesigner bezeichnet werden kann oder wie sich in der Spätantike heidnische Rituale dem sich ausbreitendem Christentum angepasst haben. Exemplarisch für Konvergenzrituale wird ein christlich-islamischer Gottesdienst beleuchtet und es wird anhand des Spielfilms Armageddon“ eine fiktive Trauung untersucht. Selbst Ritualdesign in der Choreographie wird durch die aufgezeichnete Entwicklungsgeschichte der tänzerischen Umsetzung des Sacre Du Primtemps nicht ausgelassen.

Ein wissenschaftlicher Sammelband

Was nun verspielt klingen mag, bleibt getreu der Inhaltsangabe eine streng analytisch-theoretische Reflexion. Obwohl die einzelnen Beiträge ein breites Themenspektrum anbieten, wird der Fokus auf „Ritualdesign“ stets beibehalten und bietet dem Leser dadurch einen Roten Faden durch verschiedenste Epochen und Kulturen. Auch sind die Artikel nach gewohnten Kriterien aufgebaut und somit leicht zu handhaben. Das ausführliche Quellenverzeichnis, welches neben Literatur auch Internet- und Filmquellen aufführt, erleichtert ein vertieftes Studium eines bestimmten Themenbereichs. Durch den exemplarischen Reichtum werden kaum alle 12 Artikel gleichermassen das Interesse des Lesers wecken. Da die Artikel jedoch nicht streng aufeinander aufbauen, können diese auch unabhängig voneinander gelesen werden.


Karolewski, Janina; Miczek, Nadja; Zotter, Christof (Hg.) (2012): Ritualdesign. Zur kultur- und ritualwissenschaftlichen Analyse „neuer“ Rituale, Bielefeld: transcript Verlag.

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