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Adrian Loretan, Quirin Weber und Alexader Morawa:Freiheit und ReligionBuchrezension: "Freiheit und Religion" von Adrian Loretan, Quirin Weber und Alexander H. E. Morawa

In der Schweiz leben rund 433.000 Personen, die einer islamischen Glaubensgemeinschaft angehören (Stand 2012). Es gibt eine wachsende Anzahl Buddhisten, Hindus und Aleviten. Wie können diese Glaubensgemeinschaften ihre Beziehung zum Staat regeln? Sollen sie, wie die etablierten Landeskirchen, eine öffentlich-rechtliche Anerkennung anstreben? Eine Autorengruppe um Adrian Loretan, Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Universität Luzern, legt nun eine Arbeit vor, die eben dieses Thema behandelt: „Freiheit und Religion – Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften in der Schweiz“ ist eine Studie zur Anerkennung von weiteren – in erster Linie islamischen – Religionsgemeinschaften in der Schweiz.

Öffentlich-rechtliche Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften?

Die Autoren nähern sich dem Thema zunächst auf der Basis des Religionsverfassungsrechts der Schweiz und richten dabei besonderes Augenmerk auf die Bedeutung von öffentlicher bzw. öffentlich-rechtlicher Anerkennung sowie auf die Kriterien zur Erlangung derselben. Diese Kriterien lassen sich kurzgefasst mit den Begriffen Rechtsstaatlichkeit, demokratische Organisationsform sowie finanzielle Transparenz umschreiben. Im zweiten Teil des 8 Kapitel umfassenden Buches erfolgt die Betrachtung des Themas in völkerrechtlichem Kontext mit Schwerpunkt auf der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK); hierzu werden vor allem Einzelfallbeispiele aus verschiedenen europäischen Ländern aufgeführt.

Abschliessend machen die Autoren deutlich, dass die Frage der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von islamischen Religionsgemeinschaften sowohl von rechtlichen Faktoren, als auch von der gesellschaftlichen Akzeptanz und von nötigen Anpassungen der islamischen Religionsverbände an die Schweizer Verhältnisse abhängt. In Bezug auf Letzteres gilt es vor allem, das „Repräsentationsproblem“ zu lösen: Dieses ist aufgrund der starken Fragmentierung des Islam in der Schweiz vorhanden und bedarf einer dringenden Lösung, weil der Staat auf muslimischer Seite einen repräsentativen Ansprechpartner benötigt um beispielsweise islamischen Religionsunterricht an Schweizer Schulen zu implementieren. Als weitere erforderliche Anpassungen von Seiten des Islam werden die Annäherung der Mitglieder an die demokratische Partizipation sowie die Akzeptanz finanzieller Transparenz genannt.

Gleiches Recht für alle Religionsgemeinschaften

Gleichwohl ist es der Autorengruppe wichtig, dass die Schweiz gleiches Recht für alle gewährt und somit auch weiteren religiösen Gemeinschaften die Anerkennung ermöglicht.
Das vorliegende Buch ist aufgrund seiner sehr guten sprachlichen Verständlichkeit und der Tatsache, dass Fachbegriffe konsequent erläutert werden, auch für Laien gut zugänglich. Der religionsverfassungsrechtliche Aspekt wird eher etwas zu ausführlich dargelegt; kennzeichnend hierfür sind z.B. häufige Wiederholungen wenn es um Kriterien der öffentlich-rechtlichen Anerkennung oder um das duale System im Religionsverfassungsrecht der Schweiz geht. Als störend kann das häufige Zurückgreifen auf zuvor genannte Fallbeispiele im zweiten Teil empfunden werden, da es häufiges Zurückblättern und Nachschlagen erfordert.

Dialog durch einen gleichberechtigten, demokratischen Austausch

Insgesamt bietet die Studie jedoch einen guten Überblick über die Situation der Anerkennung von weiteren Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Die Argumentationsführung ist durchweg
schlüssig; das Buch behandelt die Thematik auf solider, wissenschaftlicher Grundlage und ist sehr gut recherchiert.
Die gut begründete Schlussfolgerung ist gleichsam eine Empfehlung an die Islamorganisationen. Die Autoren sind der Meinung, dass aufgrund der gesellschaftspolitischen und demographischen Entwicklungen ein kontinuierlicher Dialog zwischen allen Religionsgemeinschaften unabdingbar ist. Nur wenn alle religiösen Gemeinschaften an einem gleichberechtigten, demokratischen Austausch interessiert sind, ist dauerhafter Dialog möglich.

Um die Akzeptanz des Islam zu erhöhen, empfehlen die Autoren den kantonalen islamischen Organisationen die Einführung der dringend notwendigen Ausbildungsstrukturen (beispielsweise für islamischen Religionsunterricht), die Durchführung von Pilotversuchen in geeigneten Kantonen und anschliessend die Einreichung des Gesuchs um öffentlich-rechtliche Anerkennung.


Loretan, Adrian; Weber, Quirin; Morawa, Alexander H.E. (2014): Freiheit und Religion. Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Münster: LIT (ReligionsRecht im Dialog, Band 17).

Eine frühere Version dieser Rezension ist erschienen in: "Pfarrblatt" - Wochenzeitung der röm.-kath. Pfarreien des Kantons Bern, alter Kantonsteil Nr. 20, 104. Jahrgang.

Kontakt

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