Buchezension: "«Religion» lernen in der Schule" von Kuno SchmidKuno Schmid: Religion lernen in der Schule

Mit seinem neuesten Werk «Religion» lernen in der Schule (2011), hat der Luzerner Religionspädagoge Kuno Schmid ein Buch vorgelegt, das auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich des Religionsunterrichts an der öffentlichen Schule reagiert. Aufgrund der Tendenz den Religionsunterricht immer mehr aus der Verantwortung der Kirchen heraus zu lösen und als reguläres Schulfach im Rahmen des Bildungsauftrages der Volksschule zu etablieren, will Schmid damit Anstösse an Fachdidaktische Überlegungen zum bekenntnis- unabhängigen Religionsunterricht anregen und allgemeine Überlegungen für die didaktische Gestaltung dieses Faches vorlegen.

Im ersten Teil beschreibt Kuno Schmid den Religionsunterricht unter den Prämissen der Kompetenzorientierung sowie dem konstruktivistischen Lernparadigma. Wenn der Unterricht losgelöst vom Bekenntnis einer Kirche gestaltet werden soll, muss Religion nach Schmid als Gegenstand eines Sachunterrichts verstanden werden, der wie die Inhalte aller Schulfächer aus einer fachwissenschaftlichen Perspektive heraus bearbeitet wird. Nicht das Bekenntnis oder die gelebte Religiosität der einzelnen Schülerinnen und Schüler steht somit im Vordergrund, sondern Ziel dieses Lernens von Religion muss nach Schmid sein, dass Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben, "um in der auch religiös geprägten pluralen Gesellschaft zurechtzukommen, um mit religiösen Fragen und Traditionen umgehen und ihr Leben nach reflektierten Werten gestalten zu können". Idealerweise kann dies durch eine Unterrichtsgestaltung nach den Prämissen des konstruktivistischen Lernverständnisses geschehen.

Vergleichsgrösse Grossbritannien

Der zweite Teil des Buches besteht aus Beiträgen von Monika Jakobs. Sie führt am Beispiel Grossbritannien die Ansätze des Teaching in ReligionTeaching about Religion und Teaching from Religion aus und überträgt diese auf den bekenntnisunabhängigen Religionsunterricht in der Schweiz. Für Jakobs soll dieser grundsätzlich ein Teaching about Religion sein, der also den "phänomenologischen Zugang (oder auch religionskundlich genannten) Zugang zu allen relevanten Glaubensrichtungen" betont, dennoch bleibt der Ansatz des Teaching from Religion wichtig, insofern er eine "grundsätzlich positive Haltung gegenüber Gläubigen, dass sie eine Ressource zu einem friedlichen Miteinander darstellen", beinhaltet. Zudem beschreibt sie verschiedene Herausforderungen, die sich im Schulunterricht zeigen. Es sind dies jedoch allgemeine Spannungsfelder des Unterrichts, die den Schulalltag prägen und nicht spezifisch nur den Religionsunterricht betreffen.

Erste Fragen und Anstösse

Das Buch Kuno Schmids legt verständlich und wissenschaftlich fundiert dar, wie und weshalb sich der schulische Religionsunterricht an der Entwicklung von Kompetenzen und am kognitiv-konstruktivistischen Lehr-Lern-Verständnis orientieren muss. Es wird klar, dass der Religionsunterricht ein wichtiger Beitrag zur Allgemeinbildung und zur Entwicklung von sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler leistet sowie zur eigenen Reflektiertheit und einer toleranten, differenzierten aber auch kritischen Haltung gegenüber dem religiös Anderen beiträgt, indem fundiertes Wissens über Religion, Religionen, Traditionen und Kulturen vermittelt wird. Allerdings lässt sich kritisch anmerken, dass die von Schmid ausgeführten didaktischen Überlegungen keineswegs neu sind und sich auch nicht nur spezifisch für den schulischen Religionsunterricht anstellen lassen. Als neu für den Religionsunterricht können sie nur insofern betrachtet werden, als das Fach in einer bekenntnisunabhängigen Form an sich noch jung ist. Kuno Schmids Buch richtet sich an Lehrpersonen, die dieses Fach unterrichten sowie an fachdidaktisch interessierte PädagogInnen, die damit sicherlich einen ersten Anstoss zu Fragen der Gestaltung eines bekenntnisunabhängigen Religionsunterrichts erhalten. Fachdidaktische Diskussionen, die mit Blick auf die teils existenziellen Themen des Faches, Fragen der Unterrichtsgestaltung oder der Lehrerrolle miteinschliessen, werden angeregt und hoffentlich nachhaltig befruchtet.

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