Woche der ReligionenWoche der Religionen: In der Moschee der Solothurner Gemeinde Bellach finden am Dienstag 5. November beinahe 60 Jugendliche unterschiedlicher Religionen zum Workshop "Hey, was glaubst Du eigentlich?" zusammen.

Der Workshop fand im Rahmen der Woche der Religionen 2013 (3. bis 9. November), mit welcher die interreligiöse Arbeitsgemeinschaft IRAS COTIS die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit fördert und ein gegenseitiges Verständnis ermöglicht. Der Verein WissensWert Religionen führte den Workshop gemeinsam mit der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und der Plugin2 Jugendarbeit der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn aufgegleist wurde, gibt Jugendlichen verschiedener Glaubensbekenntnisse einen Raum zur Reflexion der eigenen Religiosität und zum Dialog untereinander.

"Hey, was glaubst du eigentlich?"

"Unser Ziel ist es, durch das Auffüllen von Wissenslücken Vorurteile abzubauen. Zudem möchten wir den Jugendlichen einen Zugang zur Religion vermitteln, welcher zum Dialog mit Andersgläubigen ermutigt", sind sich die Religionswissenschaftsstudentinnen Annina Schlatter und Madlaina Pestalozzi, die den Workshop leiten, einig. Anhand von diversen religiösen Gegenständen sammeln die interessierten Teilnehmenden dafür ihr Wissen über verschiedene Religionstraditionen. Dabei haben sie die Möglichkeit, allfällige Fragen miteinander und mit den politisch und konfessionell unabhängigen Workshopleiterinnen zu klären. "Zwei Dinge fallen besonders auf: Zum einen geht das Vorwissen der Jugendlichen oft stark auseinander, zum anderen sind auch bei informierten Jugendlichen meistens Wissenslücken in Bezug auf andere religiösen Traditionen vorhanden", erklärt Madlaina. "Wir haben beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass der Anteil an Muslimen in der Schweiz oft stark überschätz wird." So teilen die Jugendlichen im Workshop den muslimischen Glaubensgemeinschaften häufig einen mehr als 20-prozentigen Anteil der Schweizer Bevölkerung zu und sind erstaunt, wenn sie erfahren, dass gemäss Bundesamt für Statistik nur 4.5 Prozent der Schweizer dem Islam angehören und ein Fünftel der Bevölkerung konfessionslos ist.

Woche der ReligionenUmgang mit religiösen Konflikten

Nachdem die Jugendlichen die Schweizer Religionslandschaft und anhand vom leicht verständlich adaptierten Religionsbegriff von Fritz Stolz eine mögliche Antwort auf die Frage der Definition von Religion kennengelernt haben, reflektieren sie für sich selbst und im Gespräch mit anderen Teilnehmenden die eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen. Anschliessend beschäftigen sie sich mit bestehenden und denkbaren religiösen Konflikten in der Schweiz: In Kleingruppen lesen sie die Beschreibung eines Konflikts durch und tauschen sich untereinander über mögliche Lösungsansätze aus. "Uns ist es wichtig, ein Verständnis für unterschiedliche Perspektiven zu fördern und den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Komplexität des Sachverhaltes mitzugeben", meint Annina. Tatsächlich diskutieren die Jungen intensiv über Konfliktsituationen wie beispielsweise das aufgehängte Kruzifix in einem öffentlichen Schulgebäude oder das Problem, innerhalb der Schule einen geeigneten Ort für die muslimische Gebetspraxis zu finden. Dabei gelingt es den Jugendlichen immer wieder, bei Wissenslücken einzugreifen und Sachverhalte aus einer persönlichen Perspektive zu erläutern. Ein junger Muslim kann beispielsweise den christlichen Teilnehmenden in seiner Gruppe erklären, dass in seinem Glauben zu bestimmten Tageszeiten gebetet werden sollte und damit den Konflikt für alle verständlich machen. So können sich die Jugendlichen untereinander kennenlernen und lernen, mit anderen Religionen und Kulturen sinn- und respektvoll umzugehen. Dies, so meint Annina, ist in der heutigen Zeit besonders wichtig, denn "gerade heute ist der mediale Dialog über das ‚Fremde’ stark religiös geprägt. Dadurch werden die Religionen zu einem Mittel der Abgrenzung. Deshalb ist nötig, dass miteinander über Religionen gesprochen wird, denn es gibt sicherlich Unterschiede zwischen den Traditionen, aber diese verunmöglichen nicht das Zusammenleben."

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