Christoph Peter Baumann: Humor und ReligionBuchrezension: "Humor und Religion" von Christoph Peter Baumann

Leute, die bei Gesprächen über Geld und Geschäfte gerne einbringen, dass Juden geizig sind oder Menschen, deren Lieblingsthema bei Witzen es ist, sich über Nonnen lustig zu machen, kommen nicht bei allen gut an. Die Grenzen der Pietät und der Blasphemie sind schnell überschritten und das Thema Religion hat viele Fettnäpfchen, in welche man treten kann. Wie sensibel dieses Thema ist, hat uns in jüngster Zeit der Streit über die Mohammedkarikaturen gezeigt.

Doch Christoph Peter Baumann macht in seinem Buch Humor und Religion keine Witze über Religion, auch füttert er keine Klischees, vielmehr schreibt er humorvoll über das heikle Thema und weiss auf eine lustige, aber vor allem interessante Weise, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Religionen und Kulturen aufzuzeigen.

Der Autor ist 1947 geboren, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Religionswissenschaftler hat Religion unterrichtet und ist diplomierter Erwachsenenbilder und hat unter anderem auch Lehrmittel und Bücher wie Knigge der Weltreligionen veröffentlicht. Die Forschungsthemen von Peter Baumann sind der Volksglaube und die Gegenwartsreligion, er ist der Inhaber vom Manava Verlag und Gründer von INFOREL.

Vielfältige Thematisierung 

Die Zielgruppe des Buches ist weit gefächert und ich bin sicher, dass es ein breites Lesepublikum erfreuen wird. Darunter werden nicht nur Religionswissenschaftler oder Gelehrte aus anderen Gebieten sein, sondern vor allem Menschen, die sich für Humor interessieren, gerne lachen und offen für Neues und interessiert an anderen Kulturen sind.

Der Autor untersucht nicht nur die Gemeinde der Gläubigen auf ihren Humor, sondern versucht auch den Humor von Gott, Jesus und den Klerikern zu zeigen. Er zeigt nicht nur beliebte und erlaubte Themen der Witze, wie im Christentum die Hölle, Engel und Petrus, sondern weist auch auf Tabus hin.

Übersichtliche Struktur

Die Struktur des Buches ist sehr übersichtlich. Durch die zahlreichen kurzen und gut gegliederten Kapitel, ist das Buch sehr angenehm zu lesen: Das Buch Humor und Religion beginnt mit einer Einführung in die Begriffe Humor, Humor und Religion, Karikaturen und geht dann ausführlich auf den spezifischen Humor der verschiedenen Religionsgemeinschaften ein.

Jedes Hauptkapitel beginnt mit einer kurzen Einleitung über die jeweilige Religion und ihre Sitten. Der Autor zeigt hierbei positive Beispiele von Humor oder Selbstironie auf, auch aus der Vergangenheit. Im Wandel der Zeit hat sich auch die Definition eines legitimen Humors innerhalb der Religionen gewandelt. Auch vermag Christoph Peter Baumann auf eine leichte Art den Unterschied zwischen Humor und Religion im privaten, sowie beruflichen Bereich aufzuzeigen. Dies tut der Autor immer unter der Prämisse, dass Humor kein Aspekt der Religionszugehörigkeit, sondern des menschlichen Individuums ist. Auch ein Agnostiker oder Atheist kann humorlos sein. Humor ist keine Frage der Religionszugehörigkeit.

"Witze werden nicht gemacht, sie ereignen sich."

Der Autor zeigt anhand seiner Beispiele auf, dass auch immer politische Themen auf den Humor Einfluss hatten. Ebenso dienten die Witze dazu, auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. Auch Minderheiten benutzen Humor immer wieder als Waffe der Selbstironie. Aktuelle Themen wie Genmanipulation oder der Karikaturenstreit werden durch das Medium Humor thematisiert. Auch die Spannungen zwischen Religion und Wissenschaft sind häufig Inhalt von Scherzen.

Der Religionswissenschaftler Christoph Peter Baumann zeigt tiefe Einblicke in die Geschichte des Humors verschiedener Kulturen. Trotz der Leichtigkeit, mit der uns der Autor durch das Buch führt, ist es keineswegs oberflächlich. Auch die Hintergründe zum Thema wie beispielsweise Bibelstellen oder Koranverse in welchen das Wort 'Lachen' vorkommt oder Internetadressen sind zahlreich vorhanden.

Ich möchte das Buch jedem, der gerne lacht, empfehlen, denn Christoph Peter Baumann hat es geschafft, in seinem Buch dem Leser nahe zu bringen, dass Humor nicht statisch ist und nicht erzwungen werden kann. Wie Freud bereits sagte: "Witze werden nicht gemacht, sie ereignen sich." Letzten Endes besteht die Kunst beim Humor darin, das Mass zu finden. Humor dient dazu, etwas zu relativieren und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.


Baumann, Christoph Peter (2008): Humor und Religion: Worüber man lacht - oder besser nicht. Stuttgart: Kreuz.

Religion ist, wenn man trotzdem lacht! Interview mit dem Autor des Buches Christoph Peter Baumann. DRS 2 Perspektiven. 22.6.2008. 

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