C'est la vie AusstellungsposterAusstellungsbericht: C'est la vie im Naturhistorischen Museum Bern

Zeitgleich mit einer Gruppe Schulkinder betrete ich an einem verregneten Montag das Naturhistorische Museum in Bern. Ich besuche die Ausstellung „C`est la vie“ und habe eigentlich keine genaue Vorstellung davon, was mich unter diesem Namen erwartet.

Das erste Ausstellungsobjekt in der Vorhalle macht es mir nicht leichter: ein Tierskelett tanzt mit einer kostümierten ausgestopften Ziege auf einer sich drehenden Uhr. Aufgemalte Babyschnuller und Sensen bilden abwechselnd die Ziffern.
„...eine zusammengebastelte Ausstellung aus Objekten, die gerade im Lager des naturhistorischen Museums zu finden waren“, so mein erster skeptischer Eindruck.
Schnell merke ich aber, dass man hier auf eine sehr kreative und durchaus lustige Art eine Vielzahl von Ideen umgesetzt hat.

Der Tod gehört auch zum Leben

Da sieht man zum Beispiel einen schwarzen Sarg liegen, mit Guckfenster auf Kopfhöhe. Wagt man es hineinzuschauen, sieht man nicht die erwartete Leiche, sondern einen Bildschirm, der verschieden Bestattungszeremonien der Welt zeigt. Oder man tritt auf eine Markierung am Boden, die besagt, dass der Tod überraschender kommt, als angenommen. Man sieht nach oben und blickt in ein blumengeschmücktes Grabkreuz. Ich frage mich, ob die Schulkinder von vorhin diese etwas makabere Pointe verstanden haben. Oder aber auch die Frage nach der Existenz einer Seele. Vorgestellt werden die Experimente von Dr. Duncan MacDougall, der bei sterbenden Personen das Gewicht vor und nach dem Tod mass. 21 Gramm, so das Resultat seiner Studie, soll eine Seele schwer sein, denn diese Gewichtsreduzierung liess sich nach dem Tod ausmachen.

Weiter geht’s unter anderem mit verschiedenen konservierten Tierleichen in Schaugläsern, einem Schädel samt Axt (aus dem 5.-8. Jh.), einer Videopräsentation, genannt Virtopsy, aus einem Anatomiesaal und einer ausführlichen Präsentation des Zersetzungsprozesses. Dies alles unter dem Motto „Leben und Tod liegen nahe beieinander: Ohne Tod ist kein Leben möglich, er ist notwendig, damit neues Leben wachsen kann.“ Sehr anschaulich wird dies am Objekt „Tiger im Tank“, welches erklärt, wie aus Schlachtabfällen Brennstoffe entstehen oder wie aus toten Lebewesen, sprich Erdöl, Plastik-Kinderspielzeug entsteht.

Ich bin froh, geht es nach all diesen sich um den Tod handelnden Exponaten weiter zum zweiten Teil der Ausstellung: „Tanz der Geschlechter“. Der Übergang könnte nicht kontrastreicher dargestellt sein. Da liegt der tote Napoleon und über ihm erklärt eine Tafel, dass ein Grossteil seiner Soldaten an einer durch Viren übertragene Krankheit gestorben ist. Gleich rechts davon wirbt eine Tafel für Sex – er stärkt das Immunsystem.

Liebesorakel, Balztänze und Babyboom...

In der zweiten Halle geht es denn auch darum, wie das Leben entsteht. Dabei werden Pflanzen genauso wie Tiere und Menschen zum Thema. Vor allem für die Schulklasse dürfte dieser Teil sehr aufschlussreich sein. Ich hingegen staune über die Vielfalt von Ideen, die hier aufgegriffen werden und was sich alles unter dem Begriff „Leben“ einordnen lässt. Witziges Detail ist das Liebesorakel, das einem Herzensfragen beantwortet. Die gestellten Fragen sind zum Teil ausgedruckt und kleben nun an der Wand. „Liebt meine Frau meinen besten Freund?“, steht da etwa. Oder aber auch „Was zum Teufel mache ich hier?“.

Die Welt, wie wir sie im Kopf haben

Ich steige eine Etage höher ins Reich der Sinne. Hier lerne ich zunächst etwas über den siebten bzw. sechsten Sinn: Ein Lachs etwa findet seinen 3000km entfernten Geburtsort alleine dadurch wieder, indem er seiner Nase folgt. Eine Wüstenameise orientiert sich, indem sie ihre Schritte „zählt“. Und Fido und Co. „spüren“ bereits im vornhinein, wenn ihr Herrchen nach Hause kommt.

Beim Menschen werden Emotionen und vage Erinnerungen an etwas Undefiniertes ausgelöst, wenn er eine bestimme Musik hört oder er gewisse Gerüche wahrnimmt. Allzu technische Erklärungen warten in diesem letzten, der Gehirnforschung gewidmeten Teil nicht auf den Besucher. Vielmehr werden Phänomene wie optische Täuschungen und Illusionen präsentiert, die man unter anderem in einem Spiegelkabinett am eigenen Leib erfahren kann. Über die Gehirnforschung an Versuchstieren, zu einem Schwan, der sich in ein Paddelboot mit Schwanenkopf verliebt, bis hinzu Geräusch- und Geruchskästen, die mich an meine Kindheit erinnern, ist ein bisschen von allem etwas dabei. Und wieder muss ich zugeben, dass ich positiv überrascht bin von der ideenreichen und witzigen Umsetzung des Themas. Mein erster skeptischer Eindruck hat sich alles andere als bestätigt, ich verstehe nun sogar das tanzende Ziegenpaar. Fazit: Auch wenn ich neben Schulklassen und Familien eher eine Ausnahme war, so kann ich die Ausstellung an alle Altersklassen weiterempfehlen. Vor allem für verregnete Tage.


C'est la vie vie im Naturhistorischen Museum in Bern, Dauerausstellung seit 30.August 2008.

Videoclips C'est la vie in der Ausstellung C'est la vie  im Naturhistorisches Museum Bern.

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