Wenn Reigionen und Weltbilder aufeinander treffenVeranstaltungsbericht: Jahreskonferenz EDA Politische Abteilung IV - Menschliche Sicherheit

"Wenn unterschiedliche Religionen und Weltbilder aufeinander treffen, sind Offenheit und Ideen gefragt, wie Spannung abgebaut und das friedliche Zusammenleben ermöglicht werden kann", so Claude Wild in seinem Einladungsschreiben zur Jahreskonferenz des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Im Stade de Suisse in Bern fanden sich gestern zu diesem Thema über 500 Gäste aus Medien, interessierten Kreisen, Organisationen und Institutionen zur ganztägigen Veranstaltung mit Podiumsdiskussionen und Workshops ein. Im Fokus der Diskussionen lag die erklärte Tatsache, dass mit der zunehmenden Globalisierung unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander treffen und damit Konflikte entstehen können. Die Konferenz wollte im Austausch Problemfelder ansprechen und im Gespräch mögliche Konfliktlösungen aufzeigen.

Keine Diskussion über Werte, Religionen, Weltanschauungen

Kurz vor der Podiumsdiskussion am Vormittag erklärte der Moderator Christoph Keller, Redaktionsleiter für Gesellschaft bei Radio DRS2, worum es eigentlich gehen sollte, nämlich nicht um eine Diskussion über Werte, normative Urteile, über Religion an sich oder Weltanschauungen, sondern viel mehr über politische Herausforderungen, die eine Koexistenz verschiedener Weltansichten in einer offenkundig pluralistischen Welt garantieren oder zumindest zum Ziel haben sollen. Auf der Demokratie basierende Rechte sollen im Einklang mit den Menschenrechten ein Miteinander verschiedener Religionen ermöglichen. Jorge Sampaio, Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen für die Allianz der Zivilisationen, betonte den anhaltenden Charakter eines Friedensfindungsprozesses, welcher kaum je abgeschlossen werden könne, sondern eine immerwährende Herausforderung an die Gesellschaft und an die Politik sei: "Peace is never made but always in the making." 

"Dialog der Praxis"

Um sich zumindest in diese Richtung zu bewegen, sei es erklärte Pflicht, die in die Politik involvierten religiösen Akteure und Repräsentanten aktiv in die Lösung von Konflikten einzubeziehen, so zumindest die Zielsetzung des EDA. Dabei müssten konkrete Lösungsansätze und weniger Versprechungen und Motivationen im Zentrum stehen. Die enorm anspruchsvolle Aufgabe besteht nun darin, eine Lösung zu finden, die für alle Weltbilder akzeptabel ist, wofür eine neutrale Methode nötig sei und darauf verzichte, "den Akteuren eine als allgemeingültig angenommene weltanschauliche Interpretation auferlegen zu wollen". Peter Maurer, Staatssekretär beim EDA, sprach vom "globalen Dorf", das Platz für mehr als eine Kirche finden und somit durch die zunehmende Globalisierung und Entwicklung von Kommunikationsmitteln entsprechende Trends und gesellschaftliche Tendenzen berücksichtigen müsse. Die Veränderung der Gesellschaftskonzeption scheint auch eine Veränderung der Rahmenbedingungen zu erfordern.

Islam als unterschwellig-konkretes "Beispiel"

Obwohl die ehrgeizigen Ziele generell gehalten sind und im Grunde genommen jede religiöse Gemeinde miteinbezogen und damit keine Gemeinschaft im Speziellen angesprochen werden sollte, wurde der Islam immer wieder ausführlich thematisiert. Auch die vor einem Jahr angenommene Anti-Minarett-Initiative  und der Karikaturenstreit waren während der ganzen Konferenz Gegenstand kontroverser Auseinandersetzungen und im Rahmen dieser Debatte wohl ausschlaggebend für die Themenwahl  der diesjährigen Konferenz. Die Veranstaltung mit Diskussionen über die Umsetzbarkeit von Frieden, über die Macht der Medien, über internationale Zusammenarbeit und über generelle Konflikttransformation vom Dialog zur Praxis gewährte mit den Podiumsteilnehmern unterschiedlichster Herkunft einen guten Einblick über derzeitige Konfliktpotentiale und ist zugleich Zeitzeuge pochender Bedürfnisse.


Der Einfluss der Medien - Artikel religion.ch 

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