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Veranstaltungsbericht: Tagung zum Thema "Islam-Debatten: Schweiz – Europa"

Die SGMOIK, die GRIS und das Berner Institut für Islamwissenschaft luden zur dreitägigen Konferenz zum Thema Islam-Debatten: Schweiz – Europa ein. An der Tagung sollte untersucht werden, auf welche Weise und mit welchen Folgen in der Schweiz und überhaupt in Westeuropa über ‹Islam› und ‹Muslime› debattiert wird.

Wahrnehmung des Islam als Gefahr für die säkulare Gesellschaft

Am Donnerstagabend eröffnete der in Washington lehrende José Casanova mit einem Vortrag zum Islam in der öffentlichen Sphäre Europas die Tagung. Er ging der Frage nach, welche Stellung Religion in modernen, westlichen Gesellschaften innehat. Treffend führte er den zahlreichen Zuhörern – auch anhand seiner eigenen Biographie als spanischer Weltenbummler – vor Augen, inwiefern die Gesellschaften des Westens religiös geprägt sind. So führte der demokratische Aufbau der europäischen Gemeinschaft massgeblich über die christlichen Parteien. Ähnlich wie bei der Skepsis in den USA gegenüber dem Katholizismus sorgte die Ankunft der muslimischen Migranten in Europa heute zum Schluss, dass das demokratische und säkulare Gebäude bedroht ist: u.a. weil die Muslime der als übergeordnet identifizierten islamischen umma untertänig seien. Der Islam wurde – wie schon das Judentum – zur Gefahr für das Säkulare.

Als Lösung bietet sich einerseits der konsequente Laizismus, also die Verdrängung von allem Religiösen aus der Öffentlichkeit, oder andererseits das indische Modell der völligen Gleichbehandlung der Religionen an. Das Überdenken unserer Kategorien ist deshalb von Nöten. Schliesslich bedeutet die Migration vielmehr die Verschiebung der Zentren in der Welt. Casanova fügt an: „Wir waren die Masseneinwanderung“, welche die Welt 500 Jahre lang heimsuchte. Mit der Verschiebung der Zentren wechselt dieser Trend nun – daran muss sich das Denken des Westens anpassen.

Die Islamophobie hat Hochkonjunktur

Forschende aus der Schweiz, aus Deutschland, Dänemark, Österreich und England präsentierten während der wissenschaftlichen Tagung am Freitag ihre Studien. Samuel Behloul stellte für die Schweiz den Trend der Verschmelzung von Islamophobie und Xenophobie fest, während David Tyrer die Islamophobie als Kondensierungspunkt der europäischen Identifikationsfindung in einem post-rassistischen Zeitalter festmachte. Die Analyse von Frank Peter deutete zudem darauf hin, dass Muslime in Europa weiterhin als störendes Ereignis empfunden werden.

Ähnliches wurde bezüglich der Konversion zum Islam festgestellt. Petra Bleisch-Bouzar zeigt gar auf, wie sehr die Islamophobie selbst in der muslimischen Gemeinde verankert ist: So gebe es eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Muslimen. Dies mag daher rühren, dass – wie Leon Moosavi ausführt – konvertierte Muslime als fünfte Kolonne gelten, auch wenn seine Interviews mit englischen Konvertiten das Klischee widerlegen, das Konvertiten besonders radikal seien. Dieses Klischee könnte letztendlich dadurch entstehen, dass Muslim zu werden laut Susanne Leuenberger auch bedeutet, der vertrauten Umwelt fremd zu werden.

Notwendigkeit einer Neudefinition religiöser Kategorien

Im letzten Panel zum Islam als öffentliches Thema wurde anhand von Studien der renommierten Forscher Farid Hafez, Lene Kühle und Matteo Gianni aufgezeigt, dass zwar die staatlichen Akteure zum Islam eine egalitäre (bis apathische) Haltung eingenommen haben, aber gerade im Falle von Dänemark und Österreich die gesellschaftliche Anerkennung der Religion weit hinterher hinkte. Die Schlussrunde, an der auch José Casanova, Reinhard Schulze und Salman Sayyid teilnahmen, ergab erneut, dass die im 19. Jahrhundert konzipierten Kategorien unseres Denkens gegenüber Religion für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts neudefiniert werden müssten.

Am letzten Tag wurden schliesslich in öffentlichen Debatten mit Wissenschaftlern sowie Vertretern öffentlicher Institutionen und religiöser Vereinigungen mit den drei "Baustellen" Recht, Repräsentation und Integration Brennpunkte islamischen Lebens in der Schweiz besprochen.


Tagungsprogramm: Islam-Debatten: Schweiz - EuropaTagungsprogramm

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