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In den `Wilden 60ern` entwickelten amerikanische Psychologen und Philosophen eine spirituell-therapeutische Theorie, die das Erreichen einer grösseren `transpersonalen` Existenz zum Ziel hat. Die Art und Weise, wie das erlangt werden soll, ist vielgestaltig. So vereint die Transpersonale Psychologie bspw. Ansätze der Pränatalpsychologie, der parapsychologischen Forschung, der Psychoanalyse nach C.G. Jung, der Logotherapie nach Viktor E. Frankl, dem Daoismus, den Weisheitslehren aus Ost und West, der Hypnose, der LSD-25-Forschung und dem Sufismus.


Es geht den Transpersonalisten darum, die meist dichotom gedachten Gegensätze zu verbinden: Sowohl Religion und Alltag als auch Spiritualität und Wissenschaft zusammen würden ein grösseres, ganzheitlich verstandenes Weltbild, so heisst es, erzeugen. Als religiöse Gemeinschaft verstand sie sich damals jedoch keineswegs. Obschon spirituelle Weltanschauungen allmählich zum Vorschein gekommen sind, fungiert die Transpersonale Psychologie im heutigen Selbstbild viel eher als ganzheitliche Methode zur Persönlichkeitsentwicklung. Diese soll verwirklicht werden, indem die klassischen Schulen der Psychologie um ein Vielfaches erweitert werden, sodass die Ich-Identität übersteigt werden kann und einem bisher verschlüsselte Bewusstseinszustände zugänglich werden.
Die Gründung der Transpersonalen Psychologie fällt in die Zeit der New Age-Bewegungen. Das ist deshalb relevant, da sie nur eine der damals entstandenen neuen religiösen Bewegungen darstellt, die bewusstseinserweiternde Drogen ausprobierten und an die Ganzheitlichkeit appellierten.


Gründung der Association of Transpersonal Psychology

1967 fand ein Treffen unter namhaften Persönlichkeiten wie dem US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow und dem tschechischen Arzt und Psychoanalytiker Stanislav Grof statt. Alsbald riefen sie die Association of Transpersonal Psychology ins Leben. Allesamt, hatten zum Ziel neben der weitverbreiteten Tiefenpsychologie, dem Behaviorismus und der Humanistischen Psychologie eine vierte Kraft stark zu machen. Denn nach der Vorstellung der Versammelten galt es die moderne Psychologie um bewusstseinserweiternde Erkenntnisse zu erweitern und damit die spirituell-mystische Natur des Menschen zu reaktivieren. Dem vorangegangen war der Aufenthalt vieler am Esalen-Institut in Big Sur, Kalifornien. Dieses Institut ist ein gemeinnütziges Zentrum für humanistisch ausgerichtete interdisziplinäre Studien und Kongresse. Dort tauschten sich die Beteiligten angeregt zu psychologischen, spirituellen, künstlerischen, naturwissenschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Fragestellungen aus. Es wurde sodann ein Konsens erzielt, der durch den Zusammenschluss von Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und spirituellen Disziplinen eine therapeutische Anwendung finden sollte. Zur Entwicklung der Transpersonalen Psychologie bedienten sich die Begründer nicht nur der östlichen Philosophie, sondern auch verschiedensten Meditationstechniken und anderen esoterischen Ideen. Reges Interesse an bewusstseinserweiternden Substanzen wie LSD war der Transpersonalen Psychologie ebenfalls inhärent. Das erstaunt jedoch wenig, betrachtet man die gleichzeitig stattfindende Hippie-Bewegung und das New Age-Zeitalter.

Auch wenn die ausgearbeiteten theoretischen Konzepte der Transpersonalen Psychologie auf keiner bestimmten Lehre fussen, haben sie im Verlaufe der Zeit die Form einer umfassenderen Weltdeutung mit spirituellem Anspruch angenommen. Wie bereits erwähnt wurde, existiert keine einheitliche Lehre, geschweige denn eine übereinstimmende Praxis. Eine spirituelle Tradition, die auf einen Guru zurückzuführen ist, gibt es demnach auch nicht. Vielmehr haben sich Lehrer hervorgetan, die jeweils ihre ganz eigenen Lehrkonzepte pflegen. Demnach zeichnet sich die Transpersonale Psychologie durch eine Reihe von Praktiken und Lehransätzen aus. Eine spirituell-ökologische Perspektive wird miteinbezogen, die ein anderes Verständnis auch bezüglich des eigenen Lebens zulässt. Religiöse Elemente zeigen sich in der Transpersonalen Psychologie mittels des Glaubens an die Reinkarnation sowie an eine kosmische Ur-Ordnung. Denn diese zwei Glaubensinhalte machen die Sehnsucht nach einer über seine personale Identität hinausgehende Sinndimension überhaupt erst opportun, sind also die Motoren innerhalb der Überzeugungen und Werte der Transpersonalisten.
meditation 278793 960 720Wenn also die positivistisch-mechanistische Wissenschaft um eine erfahrungsbezogene, mystische Dimension reicher wird, hätte das auch eine positive Auswirkung auf das praktikzierende Individuum. Denn Methoden aus der Transit-Astrologie und Psychologie nach Richard Tarnas, der integralen Psychologie und Philosophie nach Ken Wilber, den rituellen Körperhaltungen und der ekstatischen Trance nach Felicitas Goodman sollen für eine spirituelle Entwicklung und das Entdecken des vollen eigenen Potentials sorgen. Die wahrscheinlich verbreiteste aller Techniken innerhalb der Transpersonalen Psychologie ist das holotrope Atmen nach Stanislav Grof. Diese vertiefte und musikalisch begleitete Atemtechnik, soll unbewusste Schichten der Psyche erfahrbar machen. Dabei geht es um eine Selbsterfahrung, die einen einerseits von psychischen Leiden befreien und andererseits unterstützende Kräfte der Psyche aktivieren sollen.
Die Zahl der Menschen, die Formate der Transpersonalen Psychologie besuchen, ist tendenziell zunehmend. Genaue Zahlen zu nennen, ist jedoch schwierig, da ein ausgeprägter Institutionalisierungsgrad kaum vorhanden ist. Anstelle einer kirchlichen Institution fungiert die Transpersonale Psychologie vielmehr als ein Label. Angesichts der Nachfrage sind in den 1980er zahlreiche internationale Dachverbände, Vereine und sonstige Organisationen und Institutionen entstanden, die Namen wie «Esoterische Gesellschaft», «Arbeitskreis Reinkarnation» und «Transpersonales Wachstum» tragen. Sämtliche Angebote gibt es auf der ganzen Welt, wobei die Verifizierung der Angebotshäuser keine leichte Aufgabe ist. Denn die Vertreter, oftmals Psychologen oder Philosophen von Haus aus, setzen ihre Schwerpunkte selbst. So verwundert es nicht, wenn die Praktiken und Glaubensinhalte zwar typisch für die Transpersonale Psychologie sind, jedoch stark variieren.

Transpersonale Psychologie als lebenspraktische Universallehre

In der Schweiz verhält es sich dementsprechend ähnlich. Die Angebotshäuser, zählen sich zwar zu den Transpersonalisten, nennen sich aber nicht alle gleich. Sie tragen verschiedene Namen wie «freiraum-institut – Existenzielle Trancetherapie und Transpersonale Psychologie» von Jörg Fuhrmann oder «Ralph Wilms – Transpersonale Psychologie», die beide ein eigenes ausgefeiltes Programm gegen Entgelt anbieten. Die Arbeitsschaffenden dort verstehen sich als ganzheitliche Therapeuten, die sehr oft einen Hochschulabschluss in Psychologie haben. Ihr Angebot wird nicht nur von Privatpersonen aufgesucht, sondern auch Firmen zeigen Interesse daran. Verlass betreffend der ursprünglichen Idee ist aber auf die European Transpersonal Association (EUROTAS) mit Hauptsitz in Wien, da sie bestrebt ist das Erbe konzeptuell beizubehalten.

Indem die Transpersonale Psychologie sich als lebensphilosophische, spirituelle Universallehre versteht und die Transformation eines Jeden befürwortet, liegt es nahe, dass es wenig um Gemeinschaft geht. Zwar verkehren die Praktizierenden bei Workshops und anderen Versammlungen in Gruppen, jedoch sind sich diese einander oft fremd. Insbesondere Akademiker nehmen an den Versammlungen teil, um gelegentlich erweiterte Bewusstseinszustände zu erlangen Der Einsatz von LSD und anderen bewusstseinserweiternden Drogen wurde durch das gesetzliche Verbot wesentlich vermindert. Aus diesem Grund stehen nun insbesondere spezielle Atemtechniken als Praktik im Vordergrund. Grundgedanke der Lehre ist, dass die Erreichung erweiterter Bewusstseinszustände eine distanziertere Wirklichkeitsanalyse ermöglichen, die eine allmähliche positive Veränderung des Individuums begünstigen. Workshops, Kurse und Retreats sind unverbindlich und werden gegen Entgelt bezogen. Dementsprechend funktionieren auch die Tagungen und Konferenzen, die von den grösseren Dachverbänden organisiert werden. Zu Beginn der International Transpersonal Association (ITA) fanden die Konferenzen ausschliesslich in Kalifornien statt. Mit der Zeit aber veranstaltete die Organisation an den entlegensten Orten (Manaus, Brasilien, oder Davos, Schweiz) Tagungen, die gut besucht wurden und auch mal einen «Stargast» wie Mutter Theresa auf dem Programm hatten.
Literatur


Anonym. Transpersonale Psychologie, online unter: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/transpersonale-psychologie/15710 (eingesehen am 18.06.2018)

Haller, Michael 1983. «Wir steigen in den Himmel auf», in: Spiegel (41), online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14023235.html (eingesehen am 18.06.2018)

Fuhrmann, Jörg. Transpersonale Psychologie & Spiritualität, online unter: https://freiraum-institut.ch/philosophie-ethik/transpersonale-psychologie-spiritualitaet/ (eingesehen am 18.06.2018)

Schweizerische Vereinigung für holotrope Atemtherapie (SVHA). Was ist holotropes Atmen?, online unter: https://www.holotropes-atmen.ch/Was_ist_holotropes_Atmen.html (eingesehen am 1.07.2018).

Süss, Joachim 2003. Transpersonale Psychologie/Transpersonale Bewegung, in: Klöcker & Tworuschka (Hg.), Handbuch der Religionen, 7. EL, München: Olzog, S. IX-15 1-7.

Wilms, Ralph. Ralph Wilms. Transpersonale Psychologie Akademie, online unter: https://mindchange.ch/ (eingesehen am 1.07.2018)

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