Simon Pfeiffer

Zweimal Ostern in Syrien

Damaskus, älteste Stadt der Welt, Hauptstadt von Syrien: Ostersonntag 12. April im Christenviertel von Alt-Damaskus:

Mit meiner Reisegruppe besuchte ich die Ostermesse in der Franziskanerkirche. Da wir als Gruppe auffielen, durften gleich zwei von uns in der Prozession mit den Hostien mitwirken und Kerzen und Blumen zum Altar tragen. Der Gottesdienst war zum grössten Teil auf Arabisch. Bloss Worte wie „Allah" oder „Masih" (Messias) konnte man eindeutig zuordnen. Das Evangelium wurde in lateinischer Sprache gelesen, doch uns Protestanten ist das Latein nicht mehr so geläufig. Immerhin kannten wir als kirchliche Gruppe den Inhalt des Ostertextes.

Nach der Messe geht es dann lautstark los. Die katholischen Pfadfinder tragen Fahnen und selbstgebastelte Ostersujets unter Trommelwirbel und Posaunenschall durch das ganze Quartier. Rhythmus und Lautstärke vor Präzision bei den Tönen! Verkehrsstau, Schaulustige, viele mit Fotoapparat oder Videokamera – auch muslimische Zaungäste dabei. Wir fallen also nicht auf und können fotografieren, was das Zeug hält.

Tartous, Hafenstadt in Syrien, letzter Rückzugsort der Kreuzritter: Osternacht, 18./19. April (julianischer Kalender!). Feuerwerk ab den frühen Abendstunden. Eine Hochzeit ist angekündigt. Sie feiern bei uns im Hotel, Männer und Frauen miteinander. Doch das Feuerwerk gehört nicht zur Hochzeit. Auf einem nächtlichen Spaziergang gerät ein Teil unserer Gruppe bei einer orthodoxen Kirche in ein „Feuergefecht": Fackeln brennen, Menschenauflauf, Feuerwerkskörper werden angezündet und wild herumgeworfen. Ein dicker Knallfrosch trifft einen von uns beinahe am Bein. Das Hosenbein blieb, Gott sei Dank, dran. Das Bein auch, wenn auch stellenweise leicht gerötet. In den grossen Städten sei solche Knallerei verboten. Wir glauben, den Grund dafür zu kennen.

Tags darauf wird ausgeschlafen. In Safita, einem von einer starken christlichen Minderheit bewohnten Dorf, sind vorwiegend ältere Leute auf der Strasse anzutreffen. Der Mann mit dem Schlüssel für den bekannten Donjon aus der Kreuzfahrerzeit kommt nicht zur Verabredung und ist auch nicht ans Telefon zu kriegen.

Ostern kann auch wie Fasnacht oder wie erster August sein. Andere Länder, andere Sitten. „DER MESSIAS IST AUFERSTANDEN! – ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!" Amen!

Ist Gott ein Hindu? - Gedanken zur Vielfalt der Re...
Singen vor Steinen

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