Krishna Premarupa das

Yoga - indische Turnübung oder mehr?

Yoga ist heutzutage ein Begriff, den jeder kennt. Unzählige Yoga-Schulen schiessen wie Pilze aus dem Boden. Ob Prem-Yoga, Power-Yoga oder Yoga für die Hausfrau; für jeden ist was da. Yoga überall! In den letzten Jahren begegnet man Yoga auch immer öfters in der Werbung. Im Tram zum Beispiel: „Wege zu Stressabbau und Entspannung im hektischen Zürich". Vier Abbildungen zeigen verschiedene Yogastellungen; der Lotussitz, der Embryositz, der Hahnsitz und der... Tramsitz! Oder : „Milch gibt starke Knochen". Swiss Yoga Übung 1 bis 3 zeigen eine Kuh (!) in Yogastellungen. Yoga ist `in`, Yoga ist trendig. Aber was versteht man eigentlich unter Yoga?

Das Wort "yoga" kommt von der Sanskritwurzel yuj, "verbinden". Etymologisch betrachtet ist Yoga gleichbedeutend mit dem lateinischen Wort religio, was sich auf das Verb religare - sich rückverbinden - zurückführen lässt.
Religion und Yoga haben also ein- und dasselbe Ziel: die Verbindung oder Vereinigung mit Gott. Im asthanga-yoga wird der Körper als Tempel der Seele betrachtet. Durch Sitzstellungen (asanas) und Atemübungen (pranayama) erlangt der Yogi körperliche Gesundheit und mentales Wohlbefinden, wodurch der „Tempel der Seele" (der Körper) gestärkt wird. Im Westen ist Yoga ist so etwas wie eine Gymnastik zum Wohlfühlen geworden. Im traditionellen Yoga-System war dies jedoch nur der erste Schritt auf dem Pfad der Gotteserkenntnis. Die vielen Asanas entstanden erst im Laufe der Zeit. Ihr vorrangiges Ziel ist, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz verweilen kann.

Asthanga Yoga (besser bekannt als Hatha Yoga) ist ein Pfad mit acht Stufen. Die ersten zwei Stufen nennt man Yama und Niyama (Befolgen von Regeln und Kultivieren von Tugenden) ohne die man, streng genommen, eigentlich nicht die nötigen Voraussetzungen besitzt um sich auf eine Yoga-Matte zu setzen.
Die fünf Yama-Regeln sind: Ahimsa - Gewaltlosigkeit : Keinem Lebewesen Gewalt antun, was eine vegetarische Ernährung bedingt. Satya - Wahrhaftigkeit: Weder in Gedanken, Worten noch in Taten unaufrichtig zu sein. Asteya - nicht zu stehlen, auch nichts zu begehren, was nicht mir gehört (gedankliche Form des Stehlens). Brahmacarya und Apavigraha - Enthaltsamkeit und Mässigung.
Die fünf Niyamas-Tugenden sind: Saucha - äussere und innere Reinheit. Santosha - Friedfertigkeit: Zufrieden sein mit dem, was man hat. Tapasya - Opferbereitschaft: Das freiwillige Aufgeben von etwas, das einem eigentlich lieb ist, für das Erreichen von etwas Grösserem. Svadhayaya - Studium : Studium des Selbst und das Studiums der heiligen Schriften. Isvara Pranidhana - `Jeden Atemzug Gott zu geben': Gott wieder ins Zentrum seines Lebens stellen.

Diese inneren Disziplinen sollen unser Verhalten regeln und uns für die weiteren Stufen der Sitzstellungen und Atemübungen qualifizieren. Wenn dann die Sinne kontrolliert werden, folgen Konzentration, Meditation und schliesslich die Trance in welcher die Verbindung zu Gott realisiert werden kann. Ursprünglich war also jede Form von Yoga, ob Karma-Yoga (Weg des selbstlosen Handelns), Jana-Yoga (Weg des Wissens), Astanga-Yoga (Weg der acht Stufen) oder Bhakti-Yoga (Weg der liebevollen Hingabe zu Gott), ein rein spiritueller Vorgang, der vor allem die Suche nach Gotteserkenntnis durch Meditation zum Ziel hatte.

Natürlich ist nichts einzuwenden wenn jemandem Yoga einfach gut tut, weil er sich selber und seinem Körper näher kommt. Yoga hat auch nachweislich viele positive Wirkungen - sowohl auf die physische als auch auf die psychische Gesundheit. Und trotzdem, so denke ich, ist es wichtig, dass wir nicht vergessen, was uns Yoga (als Vorgang der Wiederverbindung mit Gott) eigentlich ermöglichen könnte.

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