Krishna Premarupa das

Was ist das Erstaunlichste in dieser Welt? (Vom Umgang mit dem Tod)

Ich sitze an meinem Schreibtisch und lese den Artikel von Carsten Ramsel vom 24. November zum Thema Tod. Mit ihm hatte ich im Rahmen eines Blogger-Treffens erst kürzlich einen tollen Abend verbracht.

Ich respektiere und wertschätze die Ansichten meiner atheistischen Mitmenschen, vor allem wenn sie von so viel Offenheit und Ehrlichkeit zeugen wie die meines Blogger Kollegen. Gerne möchte ich mit diesem Beitrag dennoch einige ergänzende Gedanken aus hinduistischer und persönlicher Sicht zum Umgang mit dem Tod hinzufügen.

Während ich die Worte "der Tod geht uns nichts an" vor mir am Bildschirm sehe, habe ich jemanden am Telefon, der sich den Tod wünscht, weil er keinen Sinn mehr in seinem Leben erkennt. Zudem steht neben mir ein guter Freund, der gegen seinen Tod ankämpft, da ihm vor ein paar Tagen mitgeteilt wurde, dass er Krebs hat!

Wie kann man in diesen Situationen behaupten, der Tod gehe uns nichts an? Epikurs Aussage, dass der Tod für uns keine Bedeutung hat, solange wir leben, kann ich schwer nachvollziehen. Doch die Aussage ist typisch für unsere heutige Zeit, in welcher Alter und Tod tabuisiert werden. Niemand möchte sich mit der schmerzlichen Tatsache auseinandersetzen, dass das Leben einmal ein Ende hat.

Im indischen Epos Mahabharat finden wir ein spannendes Gespräch zwischen Yama, dem Herrn des Todes und Yuddhistira dem König der Gerechtigkeit. Auf die Frage was das Erstaunlichste in dieser Welt sei, antwortet Yuddhistira: „Tag für Tag gehen zahllose Geschöpfe ein in das Reich des Todes. Die anderen aber, die zurückbleiben, denken trotzdem, sie lebten für immer. Kann irgendetwas in dieser Welt erstaunlicher sein?"

Wie Alter und Tod verdrängt werden, kann man auch anhand der Bemühungen der Schönheitschirurgie sehen. Vor einigen Tagen stand ich an einer Bushaltestelle, wo ich auf einen Bildschirm im Schaufenster aufmerksam wurde. Altwerden sei natürlich, aber dennoch eifern Menschen der ewigen Jungend hinterher. Sport und gesunde Ernährung können den Alterungsprozess ein wenig verlangsamen, heisst es weiter. Komplett aufhalten lässt er sich allerdings nicht, müssen auch die Schönheitschirurgen zugeben. Dennoch bieten sie alles an, was den alternden Menschen wenigstens das Gefühl gibt jung zu bleiben. Von Laserbehandlung um Altersflecken zu entfernen, über Fettabsaugen bis zum Facelifting. Alles um nicht daran erinnert zu werden, dass eine Lebenszeit irgendwann auch einmal abläuft.

In diesem Wunsch nach ewiger Jugend, kann das tief verwurzelte Bedürfnis unserer Seele erkannt werden, der Wunsch nach ewigem Leben. Zu glauben, das Leben sei mit dem Tod zu Ende, widerspricht diesem natürlichen Instinkt. Die Bemühung das Altern zu verhindern und den Tod zu verdrängen, ist das Ergebnis eines materialistisch geprägten Weltbildes.

Viel natürlicher wäre eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen(en) Leben und Tod. Die Aussage meines atheistischen Freundes "Dass es wichtiger sei, wie ich vor meinem Tod handle, als zu wissen, was nach dem Tod kommt", ist grundsätzlich richtig. Aber das Wissen über eine weitere Existenz hilft mir besser mit dem Sterben und dem Tod umzugehen. Zudem kann ein Verständnis über eine tiefere Dimension von Leben und Tod auch mein jetziges Handeln sehr positiv prägen. Und auch die Frage "Was nach dem Tod kommt" bleibt. Diese Frage hat die Menschheit schon immer beschäftigt. Leben wir nur um zu sterben? Oder hat das Leben einen höheren Sinn?

Unterschiedliche Erklärungsversuche stehen uns zur Auswahl:Der Tod als Ende von allem. Dies würde bedeuten, dass der menschliche Körper mit all seinen Gedanken und Gefühlen nichts weiter als eine Kombination von biochemischen materiellen Bestandteilen ist, der sich einfach wieder auflöst. Die kirchliche Lehre spricht zwar von einer unsterblichen Seele im Menschen, räumt dieser aber keine Präexistenz vor der Geburt ein. Nach dem Tod wird die Seele entsprechend ihren Handlungen entweder in den ewigen Himmel oder in die ewige Verdammnis geschickt. Dies wird nach einem einzigen menschlichen Leben entschieden. Im Verständnis der Reinkarnationslehre hingegen wird unser jetziges Leben nicht als ein einmaliges Erlebnis betrachtet, sondern als ein Glied in einer Kette vieler aufeinanderfolgender Leben.

Mit diesem Verständnis durchläuft die Seele einen Entwicklungsweg über viele Leben hinweg. Dadurch verliert der Tod auch seinen Schauer, wie bei Epikur, aber nicht weil ich ihn verdränge, sondern weil ich ihn durchschaue! Der Tod ist nicht mehr das Ende von allem und auch nicht der Moment, in welchem unsere Ewigkeit festgelegt wird.

Der Tod wird zu etwas Natürlichem, oder wie es in der Bhagavad Gita ausgedrückt wird: "Jemandem, der geboren wurde, ist der Tod gewiss, und jemandem, der gestorben ist, ist die Geburt gewiss." - Sri Krishna, Vers 2.27

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