Thomas Philipp

Von Hölle & Fegfeuer. Eine Reimpredigt zu 1 Kor 3 von Jean Rohleder und Thomas Philipp

I
A: Der Vater hatte einen Benz.
Weinrot er in der Sonne glänzt!
Ererbt ist er von seiner Tante,
er ihn seit Kindertagen kannte.
Den gibt er seinem Sohnemann,
der grad mal Autofahren kann:
„Bewahr ihn, denk an Tant‘ Odilie,
es ist der Stolz unsrer Familie!“

Der Sohn vor Freude überschäumt
Davon hat er schon lang geträumt!
Der Spross den alten Wagen liebt
Und sich die grösste Mühe gibt.
Er hegt und pflegt den alten Schlitten,
Damit lässt sich sein Ego kitten.
Er fährt im Wagen nun zum Job
Wer Velo fährt, gehört zum Mob!

Doch wenn die Eltern friedlich pennen,
fährt des Tantchens Schlitten Rennen,
dass Reifen in der Kurve flennen.
Der Sohn am Tage freudig lacht
Im Mondschein hat er Cash gemacht!
Ein Weilchen geht das alles gut:
Geld er gewinnt, und noch mehr Mut.

II
B: Dann kam der 12. Januar
Als alles hart gefroren war.
Es ist so kalt! Wie tut da wohl
ein Fläschlein starker Alkohol.
Da, es wird glatt, man sieht es kaum!
Der rote Benz küsst einen Baum.
Nicht schüchtern, wie beim ersten Mal!
Mit voller Wucht trifft Holz auf Stahl.
Die alte Dame, rot und flott,
ein Augenblick - macht sie zu Schrott.

Der Sohn, mit nur geringen Schrammen,
und etwas angesengt von Flammen,
so liegt er elend, im Spital
und fragt sich ängstlich, Mal um Mal:
Wie soll ich nur dem Alten sagen,
was ich gemacht mit unserm Wagen?
Er liebt das Auto wie ein Weib,
wird er zerschlagen mir den Leib?
Wird er mich aus dem Hause jagen,
weil ich entweiht‘ Odiliens Wagen?
Ihr Regenschirm war ja berüchtigt
Hat Paps und mich als Kind gezüchtigt ...
Wenn ich den Benz nur sanft berührte,
den Schirm auf meinem Arsch ich spürte.
Oh nein! Das kostbare Objekt
als Müll im Strassengraben steckt!

III
A: Der junge Mann nun heimwärts schreitet,
Die Angst vorm Vater ihn begleitet
Wird der Vater mir vergeben
Dass ich kann zuhause leben?
Oder wird er mich verprügeln
Dass ich lern‘, den Trieb zu zügeln?
Wird er mir die Knochen brechen,
dass ich aufhör‘ mit dem Zechen?
Wird er mich jetzt einfach hassen,
und mich gänzlich fallen lassen?
Dass im Finstern ich muss heulen,
(zögernd) wie des nachts die armen Eulen?
Werd‘ ich in der Gosse leiden
und die Velos nun beneiden
die in warme Häuser streben –
wie ich, in meinem früh’ren Leben?

IV
B: Was meint ihr? Wie wohl geht es aus?
Wenn der Sünder kommt nach Haus?
Wie ihn der Alte wohl behandelt,
dessen Namen er verschandelt?
Und wie wird’s mit dem Vater sein
Wenn ich ins Jenseits kehre ein?
Wie wird der Herr wohl zu mir sprechen?
Wir er meine Sünden rächen?
Nein! Angst ist nicht der rechte Ton,
er nimmt mich an wie seinen Sohn.
Er schenkt mir Sünder gern das Leben,
ihr habt’s gehört, bei Paulus eben!
Selbst ein Hitler, auch ein Lenin,
wenn wir mit Paulus‘ Augen sehn ihn:
Erlösung findet dieser auch,
doch wie durch Feuer, wie durch Rauch.
Wo er leidet, nichts mehr sieht,
Und nicht versteht, wie ihm geschieht!

Er schaut auf seinen Weg zurück
Und sieht sich mit der Opfer Blick.
Jene, die er nicht geschätzt:
Mit ihnen fühlen lernt er jetzt.
Nun fühlt er, endlich, tiefe Scham,
so vieles ist ihm bitter gram.
Ach! Nun tut‘s ihm bitter leid!
So öffnet sich die Ewigkeit ...
A: (heftig, ausser sich) Nein! Nein! Mein Freund! Halt ein, halt ein
Moment mal,! Stop! Das kann nicht sein!
Wer Gottes Weisung hat verraten,
der soll im ew‘gen Feuer braten!
Wer pfeift aufs Wort von Gott und Kirche –
Der heule, mit den Zähnen knirsche!
(eifrig) Das soll er, dieser faule Knecht,
sonst wär‘ es nämlich ungerecht!
Das soll er, dieser Gammelbruder,
Sonst läuft die Welt uns aus dem Ruder!

B: Das lehrt Matthäus, ja, das stimmt:
Die Schuld ein schlimmes End hier nimmt.
Er schliesst den armen Sünder aus
ich hör’s, mich überläuft ein Graus.
Schon führt die Angst ihr Regiment:
(stotternd) „So soll‘s nicht sein mit mir, am End‘!
Will Gutes tun bis ganz zum Schluss,
Dass ich nicht in die Hölle muss!“ -
Schon dreh ich wieder nur um mich:
Die wahre Liebe ist das nich‘,
Wenn Du vor Deinem Herrgott bangst! -
Liebe – reimt sich nicht auf Angst.

V
A: Du sagst: Matthäus! Ich sag: Bibel!
Sie zu zerschneiden scheint mir übel!
Was hier geschrieben steht, das zählt;
hier wird nicht einfach ausgewählt!
Was Jesus sagt uns vom Gericht,
soft weggelassen wird das nicht!
So schnipp – schnapp, einfach, auf die Schnelle
Entledigt man sich nicht der Hölle!

B: So darf man denken, lieber Christ!
Doch es auch anders möglich ist.
Paulus, ihr habt es grad vernommen,
Ist zu ‘nem andren Ton gekommen.
Ein Christ glaubt so, der zweite anders,
der Geist der Vielfalt in uns kann das.
Bei uns gibt‘s keine Einheitslehre,
die Wort für Wort verbindlich wäre.
Denn unser Neues Testament
mehr als nur eine Antwort kennt.
Mit Hölle droht Matthäus gern
Versöhnung aller? Liegt ihm fern!
Dem Paulus ist das nicht geheuer
Für ihn gibt’s nur das Fegefeuer,
in dem, was böse war, wird rein
Der Sünder darf Kind Gottes sein.

A: Gerettet werden? Wie durch Feuer?
(nachdenklich) Wo steht das? Ist mir nicht geheuer!
Das habe ich noch nie gehört
Das Wort mein Glaubenswissen stört …

B: Ja! Katholiken kennen nicht
Was Korinther 3,15 spricht.
Man schützt Euch vor dem Widerspruch!
Ihr kennt gar nicht das ganze Buch.
Die Leseordnung, die aus Rom,
Folgt lieber nur dem einen Strom.
Drum was Matthäus widerspricht:
Bei Katholiken liest man nicht.
So wird die Vielfalt unterdrückt,
die in der Schrift beschlossen liegt.
Der Text, kopiert, liegt in den Bänken,
auf ihn sollt ihr den Blick nur lenken!
Was rauswarf ein zu frommer Besen
Sollt ihr mit eig‘nen Augen lesen!

Die Schrift sagt Ja! zum Widerspruch,
Christ, keine Einheitsmeinung such!
Du hör auf Dein’s Gewissens Wort,
zu finden Deines Glaubens Ort.
Paul und Matthäus sind zwei Brüder.
Wir spiegeln ihren Streit nur wider.
Beide waren gute Christen,
auch wenn die Eintracht sie vermissten!
In Vielfalt soll die Kirche leben:
(Pause, breitet die Hände aus) es hat sich einfach so ergeben …
A: In viele Farben bricht das Licht:
Drum sehen wir! Schlecht ist das nicht.
If we agree to disagree,
ist das noch keine Häresie.
B: Ja! Keiner schliess den andren aus!
Wir sind daheim im gleichen Haus.
A & B: So ist‘s, ihr Herren! Und ihr Damen!
So schliessen wir. Sagt Ja und Amen!

Reisebericht: Sahara Memories
Ausgeglichen? Ich arbeite daran!

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