Krishna Premarupa das

Vegetarische Politik

Was ist deine Lieblingsspeise? Früher hätte ich mit: „Zürcher Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti" geantwortet. Die Rösti hab ich auch heute noch gern, das Geschnetzelte lass ich aber gerne sein. Mit dieser Entscheidung bin ich heute nicht mehr alleine. Vegetarisch und erst recht vegan zu leben ist Trend. In Deutschland sollen durchschnittlich jede Woche 4000 Menschen Vegetarier werden. Tendenz steigend, auch in der Schweiz.

So wirbt Coop seit letztem Jahr für „Vegetarische Weltreisen" mit den neuen vegetarischen Karma- Fertiggerichten, um dem Bedürfnis nach vegetarischen Gerichten gerecht zu werden. Nach Ernährungsstudien des Detailhändlers seien 40 % der Schweizer „Flexetarier", also nicht immer aber „ab und zu-Vegetarier". Ein passender Name für eine vegetarische Linie. „Karma" bedeutet wörtlich „Tat, Wirken, Handlung". Es ist das Gesetz von Aktion und Reaktion. Was immer wir tun, bringt eine entsprechende Reaktion mit sich. Eine Ernährungsweise, welche bewusst auf tierische Produkte verzichtet, ist ohne Zweifel eine karmisch bessere Art und Weise zu leben.

Neben dem individuellen Karma spricht man auch von dem sogenannten kollektiven Karma. Das sind Handlungen, die eine Gruppe von Menschen gemeinsam ausführen, der kollektive Fleischkonsum zum Beispiel. Schon Pythagoras meinte: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück." Und Leo Tolstoi drückte es noch deutlicher aus: „Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben!"

Gründe, weshalb Menschen zum Vegetarier werden, sind heutzutage aber sehr vielfältig.: „Menschen, die pflanzliche Lebensmittel konsumieren, können ihr Sexualleben besser geniessen." So lautet das Ergebnisse einer Studie an der UC Berkeley`s, USA. Die Anzahl Spermien von Vegis soll grösser sein, Tofu enthalte Hormone, die für mehr Leistungsfähigkeit sorgen, während tierische Fette die Durchblutung und somit auch die Erektion behindern. Nun ja, als im Zölibat lebender Mönch kann ich da nicht wirklich mitreden. Interessant finde ich aber, wie selbst die Politiker nicht um das Thema fleischlose Ernährung herum kommen. So hören wir, wie der Zürcher Gemeinderat dem Stadtrat den Auftrag erteilt, das vegetarische Angebot in städtischen Kantinen und Restaurants sei zu fördern. Nicht nur in Zürich, auch in Basel, Luzern, Genf und Zug gibt es ähnliche Bemühungen seitens der Grünen, zum Teil bereits mit Erfolg. Politiker bürgerlicher Parteien sind entsetzt: Die Gestaltung von Menüplänen sei nicht die Aufgabe der Politik!

Wer genauer hinschaut, wird jedoch feststellen, dass dieses Thema, wie mit Tolstois Zitat bereits angedeutet, durchaus Aufmerksamkeit verdient! Hier ein paar Facts zum Thema übermässiger Fleischkonsum: Ein Schweizerbürger isst in seinem Leben im Durchschnitt rund 1`188,5 Tiere. Nahrungsmittelverschwendung - Fleisch ernährt wenige auf Kosten vieler. Für die Produktion von Fleisch wird wertvolles Getreide, das den Menschen direkt ernähren könnte, an Tiere verfüttert. Den Schlachttieren Amerikas wird jährlich mehr Getreide verfüttert, als die Bevölkerung Indiens und Chinas zusammengenommen zur Ernährung braucht. 1 Kilo Rindfleisch entspricht 16 Kilo Getreide, die restlichen 15 Kilo, also 94 %, sind für den Menschen verloren. Nicht die angebliche Überbevölkerung ist die Ursache der Nahrungsmittelknappheit, sondern der Missbrauch von Nahrungsmitteln, verursacht durch die moderne Fleischindustrie. Oder mit Mahatma Gandhis Worten: „Die Erde hat genug für die Bedürfnisse eines jeden Menschen, aber nicht für seine Gier."

Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlage - Der tropische Regenwald, Hauptquelle der Sauerstoffproduktion für den gesamten Planeten, ist in den letzten Jahrzehnten um 70% geschrumpft! Täglich verschwindet eine Fläche von 35 Fußballfeldern pro Minute! Verantwortlich dafür sind die Papier und Holzkonzerne, aber auch die Fleischindustrie. Für einen Hamburger müssen vier bis fünf Quadratmeter Regenwald in Weide oder Ackerland für Futtermittelplantagen umgewandelt werden! Weitere Probleme sind Überdüngung (In den USA produzieren gezüchtete Tiere 130mal mehr Fäkalien als die ganze Weltbevölkerung, 39`000 Tonnen pro Sekunde!), Wasserverschwendung, (Durchschnittlicher Wasserverbrauch pro Kilogramm Nahrung: 425 Liter für Gemüse und Früchte, ein Kilo Fleisch hingegen benötigt 8576 Liter Wasser!) und Treibhausgase (Massentierhaltung der Fleischproduktion gehört mit einem Anteil von 18% zu den grössten Erzeugern von Methan und anderen „Treibhausgasen", mehr als alle Autos und Flugzeuge zusammengenommen!). - Quelle: Vegetarisch leben -Risi/Zürrer, Govinda Verlag 

Hat all dies nichts mit den Aufgaben der Staatsführer zu tun?! Wann beginnen unsere Politiker ihren Horizont etwas zu erweitern?

Mir ist klar, dass es immer Fleischesser gab und auch geben wird. Jeder hat einen freien Willen. Aber können wir unter den genannten Umständen einen derart übermässigen Fleischkonsum gerechtfertigt? Wäre es nicht angebracht, den Fleischkonsum wenigstens etwas zu reduzieren? Und neben all den ökologischen, gesundheitlichen oder gar politischen Gründen: Betrachte doch einfach ein Tier und frage dich: „Würde ich es übers Herz bringen dieses Geschöpf zu töten?". Für mich persönlich waren die Worte von Georg Bernhard Shaw wegweisend: „Tiere sind meine Freunde, und meine Freunde esse ich nicht!". Ist dies nicht guter Grund genug?

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