Krishna Premarupa das

Vaishnava-Kleidung - Auffallen wollen oder müssen?

Kürzlich brachte ein Freund einen Zeitungsartikel mit in den Tempel. Es handelte sich dabei um einen Mode-Tipp zum Thema orange Kleider: `Vom Bauarbeiter bis Hare Krishna - Menschen die auffallen müssen (oder wollen, je nachdem) , sind in Orange blendend gekleidet. Übersehen wird man in dieser Farbe ganz sicher nicht..`

Weshalb tragen die Geweihten Krishnas eigentlich orange Gewänder und wieso solch eine Frisur? Eine Frisur und ein religiöses Gewand ist im Prinzip ja nur etwas Äusseres. Meine Hingabe zu Gott kann ich auch in Jeans und Hemd zum Ausdruck bringen. Auch muss sich niemand den Kopf kahl rasieren um Mantren zu singen. Doch als Mönch dient das Gewand als ein Erkennungszeichen. Wie ein Verkehrspolizist oder ein Sanitäter eine entsprechende Berufskleidung trägt und gegen aussen erkennbar ist, so zeigt mein Gewand, dass ich mein Leben dem spirituellen Pfad, der Suche nach Gott gewidmet habe. Die einzelnen Merkmale eines Vaishnavas (Geweihten Vishnus/Krishnas) haben alle ganz spezifische und sehr tiefe Bedeutungen. Im folgenden möchte ich einige davon anführen; dies ist vielleicht nicht nur für Modedesigner oder Religionswissenschaftler von Interesse, sondern auch für alle andren die sich schon mal über das etwas exotische Erscheinen eines Krishna-Geweihten gewundert haben:

Das Gewand: Männer tragen den traditionellen Dhoti, ein leichtes Tuch, welches elegant um die Hüften gewickelt und durch Umschlagen und Falten zusammen gehalten wird. Die Farbe Orange, die Farbe der Mönche, steht für selbstlosen Dienst und Entsagung. In Benares wo Verstorbene am Ufer derGanges kremiert werden, sieht man oft wie die toten Körper in orange Gewänder gewickelt werden; im übertragenen Sinn `stirbt die weltliche Existenz`eines Mönches vor seinem Tod. Weisse Dhotis werden entweder von Novizen getragen oder aber von verheirateten Männer. Das traditionelle Kleid für die Frau ist der Sari, ein langes weites, oft sehr buntes Tuch, das auch den Oberkörper bedeckt.

Haartracht: Vaishnava-Mönche und viele Hindu-Priester ganz allgemein, scheren sich die Haare, wobei nur ein Haarbüschel am Hinterkopf (Sikha) übrig bleibt. Diese Stelle am Hinterkopf in der nähe des Kronenchakra (siebtes Energiezentrum) symbolisiert die feinstoffliche Öffnung, durch welche die selbstverwirklichte Seele im Moment des Todes den Körper verlässt um den Kreislauf von Geburt und Tod zu überwinden. Stirnmale: Verheiratete Frauen tragen einen Bindi, einen roten Punkt auf der Stirn. Heutzutage tragen aber auch viele unverheiratete Mädchen verschiedenfarbige Bindis, die aber keine religiöse oder soziale Bedeutung haben. Was Frauen sowie Männer tragen ist das sogenannte Tilak-Zeichen. Tilak wird in Form von heiliger Tonerde oder Sandelholzpaste auf der Stirn aufgetragen. An den verschieden Stilarten kann man die religiöse Zugehörigkeit erkennen. 

So kennzeichnen sich Shiva-Verehrer zum Beispiel mit drei waagrechten Streifen während die Vaishnavas zwei vertikale Streifen tragen, die in einem blattförmigen Mal auslaufen. Die U-Form stellt Krishnas Lotosfüsse dar und das Zeichen darunter ein Tulasi-Blatt, wie man es immer auf Krishnas Füssen sehen kann. Doch nicht nur auf der Stirn sonder an zwölf weiteren Stellen wird der Oberkörper mit Tilakzeichen bemalt. Während dem Auftragen des Zeichens werden verschieden Namen Gottes rezitiert. Diese Meditation soll dass Bewusstsein fördern, dass Gott überall gegenwärtig ist, vor allem auch im Herzen aller Lebewesen. Somit wird der Körper als ein Tempel Visnus betrachtet, welcher dementsprechend in Gottes Dienst gestellt und eben auch geschmückt wird. Vaishnavas tragen ausserdem Halsketten aus Holzperlen der heiligen Pflanze Tulasi, welche als besonders glücksverheissend gelten.

Und ja es stimmt schon, im Unterschied zum Bauarbeiter müssen wir nicht auffallen (aus Sicherheitsgründen) sondern wir wollen die Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Aber nicht so sehr von den Leuten auf der Strasse sondern viel mehr vom Herrn im Herzen, welcher sich der Symbolik der Hingabe erfreut!

Die Rechtfertigung Gottes
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