Krishna Premarupa das

Unerwartete Segnung im Einkaufstempel

Während in vergangenen Zeitepochen grosse Kirchen, Tempel und Moscheen gebaut wurden, schiessen heute riesige Wolkenkratzer und Einkaufszentren wie Pilze aus dem Boden. Manchmal werden diese architektonischen Wunder auch Einkaufs- oder Konsumtempel genannt. Wikipedia definiert diesen Begriff in folgender Weise: „Konsumtempel" ist eine ironische Bezeichnung für größere Geschäftshäuser oder Einkaufszentren. Mit der Verwendung des Wortes „Tempel" – also der Bezeichnung für kultische/religiöse Gebäude – wird darauf angespielt, dass hier der Konsum nicht mehr zur profanen Deckung von Bedürfnissen erfolgt, sondern der Konsum selbst verehrt wird. Der Seelenfrieden wird durch materielle Opfergaben erkauft. Interessant nicht wahr? Beide Orte haben eine magische Anziehung auf Menschen; an beiden Orten findet eine Form der Anbetung statt und beim Besuch beider Orte erhofft man sich eine gewisse Zufriedenheit zu erlangen.

Nur mit dem Unterschied, dass die Zufriedenheit durch den Konsum eine sehr illusorische, sehr zeitweilige ist, während man in einer Beziehung zu Gott wirklichen Frieden finden kann. Manchmal kommt es aber auch vor, dass in einem Tempel der Konsum mehr im Vordergrund zu stehen scheint, als die Verehrung der Gottheit. Als ich vor zwei Jahren eines unserer Zentren in Südindien besuchte, fiel mir auf, dass man denn Tempel nicht verlassen konnte, ohne an unzähligen Verkaufsständen vorbei zu gehen. Selbst im Lonley Planet Reiseführer hiess es dann zum entsprechenden Tempel: „Der Radha Krishna Mandir verbindet Souvenirverkauf mit einem überwältigenden Schrein".

Dass auf der anderen Seite aber selbst ein Einkaufszentrum zu einem „echten" Tempel werden kann, wurde mir in diesem Sommer offenbart...

Ein Modegeschäft, eines der grössten Einkaufszentren hierzulande, hat sich diesen Sommer das Thema „Indien" als Verkaufsmotto ausgesucht und sein Sortiment entsprechend angepasst. Man fühlte sich tatsächlich etwas wie auf einem indischen Bazar. Teelichthalter, Hängelaternen, Elefanten aus Porzellan und Holz in allen Grössen, Thali Essensteller und Schalen sowie Tücher und eine ganze indisch angehauchte Sommermode präsentierte sich auf mehreren Etagen. Die bunte Dekoration sollte dem Einkaufs-Erlebnis die entsprechende Atmosphäre verleihen und so fand man dann überall indische Lampions, Fotos und Bilder aus dem geheimnisvollen Land.

Ja und dann, plötzlich mitten drin, zwischen Schuhgestell und Kleiderregal, an der Wand und auf dem Schoss einer Schaufensterpuppe lächelte mich das Gesicht des Herrn an! Jagannatha eine Form Krishnas (Gottes) wie sie im Nordosten Indiens verehrt wird, wurde hier als Dekorations-Figure im ganzen Laden aufgestellt und so wurde, wenigstens für mich, die Einkaufsfläche zum Altarraum! 

In den Augen der Verkäufer und Kunden mögen diese Figuren einfach amüsante Dekorationsobjekte gewesen sein. Für mich aber, der diese Form Gottes tagtäglich als Priester verehrt, war das eine spezielle Begegnung!

Mit gefalteten Händen stand ich dann vor dem Kleiderständer und brachte Krishna, welcher mich vom Regal aus anlächelte, meine Gebete dar, machte mit meinem Handy ein paar Schnappschüsse und erinnerte mich auf dem Heimweg an die Aussagen der heiligen Schriften: „te yanti bhavanam visnum" Jeder, der Jagannatha (Krishna) in seiner Form der Bildgestalt sieht, gelangt in das Reich Gottes!

Somit kann also auch der Besuch im ansonsten eher konsumorientierten Einkaufstempel unerwartet segensreich sein!

Jagannatha-Krishna im Einkauafszentrum
Jagannatha-Krishna im Tempel
Die Hütte. Alles Hiob oder was?
Wie peinlich, Herr Bischof

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