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In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Laudatio anlässlich der Verleihung des Herbert-Haag-Preises an Erzbischof Albert Rouet: Das grosse Ja verkörpern

Welche Freude, Père Rouet, heute die Laudatio auf Sie zu halten! Im Herbst 2009 stiess ich auf Ihr Buch J’aimerais vous dire, und las es. Las es nochmals. Es begegnete mir eine Sprache der Beziehung, mir, meinem Befinden, meiner Arbeit näher als meine eigene theologische Sprache. Erst war ich verblüfft. Dann begeistert. Ich machte mich an die Übersetzung.
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Reden? Mit den Christen?

Man kann den Eindruck haben, die Christen seien unrettbar an vereinnahmende Kommunikation gebunden. Glauben sie nicht, die Wahrheit zu kennen, so dass sie aus dem Besserwissen gar nicht herausfinden können?
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Streben nach Erfolg - Gift für eine christliche Identität

Derzeit übersetze ich das Buch des Bischofs von Poitiers, Albert Rouet. J'aimerais vous dire, ich möchte gern mit Ihnen reden, Montrouge 2009, in Frankreich einige Zehntausendmal verkauft. In all der Erstarrung der katholischen Kirche ist es immer wieder erstaunlich, dass die wachen Geister zwar selten werden, aber offenbar doch nicht ganz aussterben wollen. Rouet ist so ein Wacher - auf der Höhe der Zeit, soziologisch, psychologisch, kommunikativ gebildet, ein Kenner der Heiligen Schrift und der Kirchenväter. Und mit Humor. Kostprobe gefällig? Vor einigen Jahren treffe ich eine Zweitklässlerin, 12 Jahre alt, was auf die Zahl der wiederholten Schuljahre schliessen lässt. Was sie denn beschäftige? Sie erzählt von der Schule. Aber noch bevor ich ein aufmunterndes Wort loswerden kann: „So oder so, die Schule ist für mich gelaufen." „Aber es liegen doch noch vier Jahre Schulpflicht vor Dir!" „Schon, aber das alles interessiert mich nicht!" Das Gespräch zeigt etwas Wichtiges. Man wollte ihr etwas weitergeben, etwas beibringen, innerhalb des gegebenen Rahmens. Aber schlussendlich machen wir das nur, um uns selbst zu bestätigen. Wonach sehnte sich das Mädchen? In welcher familiären Situation befand sie sich? Konnte sie zu Hause überhaupt lernen? Lauter Fragen, die niemand stellte, oder niemand zu stellen fertigbrachte. Dann bewegt man sich völlig im abstrakten Raum. Man gibt Wissen weiter, man spricht wahre Dinge aus - und fühlt sich durch diese Arbeit irgendwie bestätigt. Man hat ja seine Pflicht getan. Man wird ja schliesslich dafür bezahlt! Aber wo die andere wirklich steht, nimmt man gar nicht wahr - während Jesus das ständig tut, gegenüber der Samaritanerin zum Beispiel (Joh 4). Er lässt sie über ihre Lage sprechen. Er spricht mit ihr und stützt sich auf die Aussagen, die sie beiträgt. Die Geschichte des Mädchens und die Kommunikation Jesu mit der Samaritanerin zeigen, dass die Arbeit noch nicht gemacht ist, wenn bloss die Ware verteilt ist, und sei sie noch so wertvoll. Ein Grundsatz des Christentums lautet, dass Gott, der uns ohne uns geschaffen hat, uns nicht ohne uns retten wird. Aber wie wirken die Leute, die wir heute ansprechen, an dieser Rettung mit? Das Erziehungssystem hat wahrscheinlich der Lehrerin nicht erlaubt, nach der Sehnsucht des Mädchens zu suchen. Irgendeine Sehnsucht trug sie bestimmt in sich. Gerecht wäre ihr geworden, wer ihr den Unterricht als mögliche Antwort auf ihr Sehnen vorgestellt hätte. Matthäus lässt das Wirken Jesu mit den Seligpreisungen beginnen, und Christus, so Bossuet, ist gekommen, um uns zu lehren, wie wir glücklich sein können. Wenn man nicht bei dieser Sehnsucht nach Glück ansetzt, bei diesem Sehnen nach Begegnung und Anerkennung, wie will man dann den anderen erreichen? Dann berührt man die Frage nach Identität gar nicht, dann geht es nur um Ertrag, Ergebnisse, Statistik. Wenn man dagegen seine Zeit und Sorgfalt einsetzt, um das Sehnen des anderen kennenzulernen und anzunehmen, auch sein eigenes Sehnen durchscheinen zu lassen, mag es auch lange dauern und langsam vorangehen, dann bewegt man sich innerhalb der christlichen Identität. Sie schliesst Anerkennung und Respekt ein und verlangt eben nicht vom anderen, er möge endlich aufhören, anders zu sein. Christliche Identität ist eine Identität der Beziehung. Ich finde diesen herausfordernden Satz im Galaterbrief (4,12): „Werdet wie ich, denn auch ich bin geworden wir ihr." Das ist christliche Identität: eine Antwort kann man nur erwarten, wenn man sich verletzbar gemacht hat, wenn man selbst der Einsatz ist, und nicht wenn man einfach sagt, was man zu sagen hat. Es kommt auf die Ähnlichkeit der Lebensform und der Sorgen und Nöte an. Mit anderen Worten: in dem Masse wir uns nicht von Rentabilität und Erfolg lösen, verlieren wir Christen unsere Identität. Die Worte Erfolg und Scheitern kommen ja in den Evangelien gar nicht vor! Und auf welcher Grundlage wollten wir eigentlich unsere sogenannten Erfolge bilanzieren? Auf der Grundlage von Zahlen, wie jeder beliebige Betrieb dieser Welt? Wenn man aber Erfolg verzichtet und einfach versucht, Beziehungen zu mischen, Salz in der Suppe zu sein; wenn man seine Identität verliert - das ist wahrscheinlich unser Kreuz - genau dann aufersteht diese Identität, als Identität der Begegnung mit dem lebendigen Anderen. Soweit Rouet ... Mir scheint eben, dass die eigentliche Alternative heute ist, ob wir uns in der Logik des Etwas, der Leistung, des Funktionierens, des Objektiven verstehen ... oder in der Logik des Jemand, der Beziehung, des Qualitativen. Ich finde, Rouet schärft das am konkreten Beispiel gut an. Wir Christen glauben ja, dass der Mensch Beziehungswesen, Person ist, und damit ist klar, auf welche Seite wir gehören!
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In gefrierender Zeit

«Jésus ne nous a pas demandé d’être nombreux mais d’avoir du goût.» Die Christen passen sich blind einer gefrierenden Gesellschaft an: die französische Kirche bewegt ein Buch des angesehenen Erzbischofs von Poitiers, Albert Rouet (J’aimerais vous dire, Montrouge 2009, Eur 18,99). Mit der Globalisierung, so Rouet, geht eine Ideologie des Gleichen einher. Als wäre die kulturelle Vielfalt nur Schein, die Dinge sind ja überall gleich, denselben wirtschaftlichen Gesetzen untertan. So wie die Hotels der grossen Ketten weltweit einander gleichen und die Unterschiede nur Folklore sind am Rand: Eine Boutique im Foyer verkauft lokale Produkte … Die Einförmigkeit wird sichtbar in den Stars. Nur sie sind von Bedeutung, nur ihnen gilt Aufmerksamkeit, nur sie haben etwas zu sagen. Unter dem Eiseshauch der Einheitlichkeit erstarren Engagement, Zivilcourage und Politik.
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