Krishna Premarupa das

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Star Wars - eine neue Religion?

Star Wars - eine neue Religion?

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...".. wieder einmal zieht das Heldenepos Star Wars tausende in seinen Bann. In nur 12 Tagen spielt Episode 7 des Kultfilmes ein Milliarde US Dollar ein! Star Wars ist aber weit mehr als eine erfolgreiche Kinofilmreihe, seit einigen Jahren hat der Einfluss vom Sternen Krieg noch ganz andere Dimensionen angenommen.

Im Jahr 2001 hatten sich in England bei einer Regierungsumfrage zur Religionszugehörigkeit über 390'000 Bürger zur "Jedi-Religion" bekannt. In Australien waren es weitere 70'000 sowie 53'000 in Neuseeland. Natürlich befanden sich darunter viele, die dies nur aus Spass oder als als Protest gegen die Umfrage taten. Und trotzdem hatte diese Internet-Aktion ihre Wirkung und heute gibt es mehrere Jedi-Kirchen auf dem Netz mit einer Mitgliedschaft von rund 200'000 Menschen. Darunter sind viele die sich tatsächlich als Jedi-Gläubige betrachten und eine öffentliche Anerkennung ihrer "Religion" suchen.

Was hat diese Science Fiction Saga aber mit Religion zu tun? Diese Frage haben sich vermehrt auch Theologen gestellt. So sind in den letzten Jahren verschiede Studien gemacht worden mit Titeln wie "Christliche Weisheit der Jedi Meister", "Der Buddhistische Dharma von Star Wars" oder aus hinduistischer Sicht: "Der Jedi im Lotos"! Doch durch welche Quellen liess sich Geroge Lucas nun inspirieren? Vieles weisst darauf hin, dass es unter anderem die indische Mythologie war, wie das indische Heldenepos Ramayan (Lebensgeschichte des Vishnu Avatar Rama), welche in den Schöpfungsprozess von Lucas eingeflossen sind. An dieser Stelle sei nur eins von vielen Beispielen genannt: Im Star Wars heisst Leia mit Nachnamen Organa, das Wort organa kommt von organisch und bedeutet von der Erde, die Prinzessin im Ramyana heisst Sita, was wortwörtlich die aus der Erde geborene bedeutet..

Wenn man die Lehrreden des Jedi Meisters Yoda hört, erkennt man weitere hinduistische Züge, da seine Worte zum Teil sehr deutliche Parallelen mit den Lehren der Bhagavad Gita, den Unterweisungen Krishnas, aufzeigen. Der Name des Meisters selber klingt schon sehr ähnlich wie Yoga. Die erste Unterweisung von Yoda an Luke ist, dass er ihn nicht auf Grundlage seiner Grösse oder seines äusseren Erscheinungsbild beurteilen soll, und weiter sagt er, dass wir in Wirklichkeit alle "leuchtende Wesen" seien, nicht einfach nur tote Materie welche wir durch unsere stumpfen Sinne wahrnehmen. In andern Worten sagt er Luke, dass wir nicht unsere Körper seien, sondern die spirituelle Seele im Körper. Dies ist eine der zentralen Lehren der Gita: „Wisse, das, was den gesamten Körper durchdringt, ist unzerstörbar. Niemand ist imstande, die unvergängliche Seele zu zerstören" (Bg 2.17) und „So wie die Sonne allein das ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet das eine Lebewesen im Körper den gesamten Körper mit Bewusstsein" (Bg 13.34). Die Bhagavad Gita beschreibt also das Lebewesen im Körper als "Leuchtendes Wesen", genau so wie es Yoda tut.

Yoda lehrt Luke auch Selbstbeherrschung und die Wichtigkeit vom Zurückziehen der Sinne. "Jeder Jedi", sagt er, "muss Verlangen und Hass überwinden". Auch hier könnte die Gita Yodas Lehrbuch gewesen sein: „Ein gläubiger Mensch, der sich transzendentalen Wissen gewidmet hat, und der seine Sinne unter Kontrolle hat, ist befähigt, solches Wissen zu erlangen" (Bg 4.39).Und im fünften Kapitel: „Wenn jemand, bevor er den Körper aufgibt, lernt, dem Drang der materiellen Sinne zu widerstehen und die Macht von Lust und Zorn bezwingen, befindet sich in einer sicheren Stellung und lebt glücklich in dieser Welt" (Bg.5.23). Yoga bedeutet, die Sinne zu beherrschen - yoga indriya samyama. In diesem Sinn lehrt Yoda tatsächlich Yoga.

Anhaftung und Zorn führen zur dunklen Macht. "Zorn. Furcht. Aggressivität. Die Dunklen Seiten der Macht sind sie. Besitz ergreifen sie leicht von dir." und "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid." lehrt der weise Jedi. Wie überwindet man nun aber diese dunkeln Mächte? Wie wird man ein Jedi, welcher fähig ist seine Sinne zu beherrschen und übernatürliche Kräfte (Siddhis) entwickelt? Yoda macht deutlich, dass eine Jedi all seine Kraft durch die Verbindung mit der Macht erlangt.

"The Force" oder "die Macht" wird im ersten Streifen von Obi Wan Kenobi als ein alles durchdringendes Energiefeld beschrieben, welches das gesamte Universum zusammenhält. Die zwei Seiten der Macht, die helle und die dunkle, stehen stellvertretend für den Kampf von Gut und Böse. Zudem beschreibt er die dunkle Macht als schneller und verlockender als die helle, welche schlussendlich jedoch stärker ist.

Ein Jedi ist also jemand, der Harmonie mit der Macht sucht, welche die Essenz allen Seins ist. Um die Kraft dieser Macht zu nutzen, muss ein Jedi mit ihr kommunizieren, sich mit ihr verbinden - er muss seine Einheit, seine Verbundenheit zur Natur und zum Willen Gottes spüren. In einer Art und Weise zu handeln welche gegen den Willen der Macht geht, bedeutet die Verbindung zu verlieren und Gefahr zu laufen der dunklen Macht zu verfallen.

In diesem Sinn sind wir alle so was wie Jedis oder spirituelle Krieger, die tagtäglich im eigenen Herzen einen Kampf ausführen, und so verstanden übermittelt dieser Hollywood Streifen tatsächlich eine gewisse spirituelle Botschaften an seine Zuschauer. Ob daraus gleich eine neue Religion geschaffen werden muss, sei dahingestellt, aber als ein Mittel für Denkanstösse kann die Star Wars Saga sicher einen Beitrag leisten. George Lukas selber sagte, dass er "alte Mythen auf eine neue Weise" erzähle und mit dem Element von "The Force" oder "der Macht" eine Art Spiritualität in den jungen Leuten zu erwecken versuchte. Etwas was ihm offensichtlich gelungen ist. „Möge die Macht mit dir sein!"

(Ein ausführlichere Version dieses Blogs, mit mehr Zusammenhänge zum Thema Star Wars versus Hinduismus ist auf www.krishnapremarupa.com zu finden)

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Bildquelle: www.johnperlock.com

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