Simon Pfeiffer

Spiritualität bei Jugendlichen nicht "in"

Es war ein schönes Konflager. Vierzehn Jugendliche und fünf Erwachsene(re) eine Woche lang in einem wunderschönen Haus am Rande des Naturschutzgebietes im Val de Travers. Das Wetter machte mit, das Essen war fein, man begeisterte sich für den Sport und machte Naturbeobachtungen: Steinböcke, Glühwürmchen, Krötenrufe, eine Gämse. Die Tageswanderung am Creux-du-Van und der Abend am Lagerfeuer bieten Stoff für schöne Erinnerungen.

Das Lagerthema drehte sich um „das ganze Leben". Die Jugendlichen durchliefen im Zeitraffer eine Lebensspanne von der Geburt bis zum Tod. Die Geburt war etwas mühselig, die ersten Schritte etwas wackelig, das Getratsche auf dem Pausenplatz nicht nur angenehm, der erste Flirt kribbelte, die berufliche Karriere begann mit einem steilen Aufstieg, die Pläne für Familie und Karriere waren ehrgeizig, die ersten Gebresten lästig, der Eintritt ins Altersheim unvermeidlich und schliesslich kam das Ende überraschend. Und dann?

Die Frage blieb offen. Die christliche Tradition begleitete uns in Form von biblischen Tageseinstiegen durch die Woche. Vor dem Essen wurde ein Danklied gesungen und am letzten Tag des Lagers gab es eine Abendmahlfeier. All das wurde von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen als gegeben hingenommen. Für den Alltag der Jugendlichen spielt aber Religiöses, Fragen nach dem Grund des Lebens, nach dessen Sinn, als: „Was will ich alles? Wie mache ich das? Wie komme ich da durch?" kaum eine Rolle.

Markant war das Resultat einer Aufgabe zu den Jahren um die Midlife-Crisis. Die Jugendlichen hatten für jedes Jahr bis zum vierzigsten Lebensjahr einen Erfahrungspunkt, den sie individuell für ihre Ziele einsetzen konnten. Rubriken waren: Karriere, Familie, Freunde, Hobbys, Körper/Gesundheit, Wohnen, Luxus, Spiritualität. Natürlich reichten die Punkte nicht aus, um überall das Maximum zu erreichen. Was denken Sie, was die Jugendlichen von heute mit vierzig erreicht haben wollen?

Die Einzelportraits zeigten Traumvillen mit Pool, harmonische Familien, erfolgreiche Design-Labels, Karriere, Autos, etwas Sport und Wellness. Kaum jemand hatte Punkte auf den Bereich Spiritualität „verschwendet". Einzelne möchten jährlich den Weihnachtsgottesdienst besuchen, jemand macht etwas Meditation.

Spirituelles hat keinen Platz in einem hektischen, vollgepackten Leben. Beten, Innehalten bietet keine Action, ist nicht geil, nimmt einen nicht rein. Bieten die Kirchen etwas, wonach die Leute gar kein Bedürfnis haben?

Pfarrer lesen den Quran - Imam nimmt an Abendmahl ...
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