Simon Pfeiffer

Singen vor Steinen

Seit kurzem verstärke ich den Tenor des Gospelchors unserer Kirchgemeinde. Das Singen von Gospels, eher poppigen Kirchenliedern und afrikanischen Gesängen macht riesig Spass. Auch das Feilen an einer anspruchsvollen Gospelmesse voller Tonartwechsel ist mit Blick auf das Ziel, die Umsetzung zusammen mit einem Bläserensemble, ein fröhliches Arbeiten - gerade wenn man von Probe zu Probe Frotschritte feststellt und die Einzelstimmen zunehmend zu einem Ganzen werden.

Nun hatten wir kürzlich einen Auftritt in unserer Kirche im normalen Sonntagsgottesdienst. Das Publikum war eher grau- und weisshaarig, verstärkt durch einzelne Angehörige von Chormitgliedern. Bisher kannte ich die Rejoice Singers mehr von der anderen Seite. In etlichen Gottesdiensten, die für mich wichtige Schritte im Leben markierten, sind sie aufgetreten und haben die Leute mit einem Feuerwerk von Gesang und Rhythmus fasziniert und angesteckt. Das aus der Sicht von der Kirchenbank aus.

Vom Chor aus sieht das ganz anders aus. Man hat Melodie und Text im Kopf, muss ab und zu Schritte, Bewegungen und Klatschen dazu koordinieren, auf die Chorleiterin achten und selbstverständlich mit Überzeugung ins Publikum lachen und strahlen. Und dieses Publikum! Ein durchschnittliches Schweizer Kirchenpublikum, das ist schon ein harter Acker, felsiger Grund, um Worte aus der Predigt des Pfarrerkollegen aufzunehmen. Kein Anflug eines Lächelns, keine Entspannung der Gesichter, bloss versteinerte, starre Gesichter, die Augen vor sich ins Leere gerichtet. Und das im Abstand von mindestens zehn Bankreihen. Vorne sitzt ja niemand freiwillig. Verständlich, dass da mir und anderen Chormitgliedern das Lachen etwas anstrengend wurde, auch wenn die Chorleiterin uns anstrahlte wie eine Sonne.

Nach dem Gottesdienst war immerhin von mehreren Gottesdienstbesuchern zu hören, die Lieder seien sehr schön gewesen, sie kämen immer besonders gerne, wenn der Gospelchor singe, und der Chor werde immer besser.

Vermutlich müssen wir Schweizer Christen um uns herum Fels auftürmen, damit wir jeder allein still in sich hineinlachen kann. Das ist aber Kultur und hat eigentlich mit Christentum nur am Rande zu tun.

Zweimal Ostern in Syrien
Meine Bibel

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