Krishna Premarupa das

Singen statt Schwimmen!

Und endlich ist der Sommer da! Die Zeit von Urlaub, Glace, Sonnenschein, baden, faulenzen, Frisbee spielen und... Hare Krishna singen! Hare Krishna singen?! Wenigstens an der Zürcher Seepromenade ist dies, durch eine über dreissig-jährige Präsenz, zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes geworden. Von weitem hört man schon den Klang der Zimbeln und Trommeln. Irgendwo da hinten unter einem Baum sitzen sie wieder, die Hare Krishna Leute mit ihren orangen Gewändern und orientalischen Instrumenten!

Dieser jahrtausendealte Mantra-Gesang aus Indien wurde hier im Westen durch den Gründer der Hare Krishna Bewegung A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada bekannt. Nach der Verbreitung unter der Hippie-Generation in Amerika gewann das Mantra an Popularität, als George Harrison in London ein Album mit den Sanskrit Gebeten produzierte, welches in vielen europäschen Metropolen zum Hitparaden-Stürmer wurde. In den 80er Jahren, als unsere Bewegung noch eine sehr missionarische Ausrichtung hatte, waren die Zürcher Krishna Geweihten jeden Tag am See zu sehen. Heute beschränkt sich unser öffentliches Auftreten auf einmal pro Woche.

Erfahre die Kraft der Mantra-Meditation heisst es auf der Einladungskarte zum wöchentlichen Sonntagsfest: Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. Die alte vedische Hochkultur überliefert Namen Gottes in Form von heiligen Mantras (Gebete, Lobpreisungen). Mantras sind spirituelle Klangschwingungen und haben die Kraft, das Bewusstsein der Menschen von materialistischen Neigungen und Einflüssen zu läutern. Krishna bedeutet 'der Allanziehende', Rama 'die Quelle aller Freude' und Hare 'die von Illusion befreiende, mit Gott verbindende Kraft'.

Das Lobpreisen der Namen Gottes ist ein universelle spirituelle Praxis, welche auch in anderen Religionen empfohlen wird. So heißt es in der Bibel 'Geheiligt werde dein Name', orthodoxe Christen kennen das 'Herz Jesu Christi Gebet', Buddhisten singen Mantras wie 'om mani padme om' und Muslime rezitieren die 99 Namen Allahs. Das Singen der Namen Gottes bedeutet in unserer Tradition im übertragenen Sinn: Bitte akzeptiere mich wieder in deinem Dienst! Es geht also nicht nur um eine Konzentrationsübung, sondern ist im tieferen Sinne ein Gebet mit der Bitte wieder in der Gemeinschaft Gottes leben zu dürfen. Wir kennen verschiedene Gebetsformen: Japa, das persönliche Gebet auf der Perlenkette, ähnlich dem Rosenkranzbeten und Kirtan, das gemeinsame Singen, begleitet von Instrumenten. Sri Caitanya Mahaprabhu (1486-1534) ein grosser Heiliger der Bhakti Tradition, auch als verdeckte Inkarnation Krishnas bekannt, führte das gemeinsame Mantra-Singen in der Öffentlichkeit ein. Gebete, die zuvor nur den Priestern vorbehalten waren, sang er laut auf den Strassen und lud Menschen aller Gesellschaftsschichten dazu ein, gemeinsam die Namen Gottes zu lobpreisen.

Dieser Tradition folgend singen auch wir ab und zu in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel am Zürisee, um eine glücksverheissende Atmosphäre zu kreieren und jene einzuladen, die an unserer Lebensweise Interesse zeigen.

Aber zugegeben, ich verbring den Sommer nicht nur mit Mantra-Singen! Ab und zu geniesse auch ich ein Glace, oder als alternative ein kühles Mango-Lassi und springe in den erfrischenden Zürisee!

Buchrezension: Julian Nida-Rümelin, Philosophie ei...
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