Krishna Premarupa das

Schicksal oder freier Wille?

Mit Beginn des neuen Jahres werden viele Prophezeiungen für die nahe Zukunft gemacht. Überall finden wir Zeitschriften mit Titelthemen wie "Was bringt das Jahr 2010?". Wie stehen meine Sterne in Bezug zu Beruf, Geld und Liebe? Viele Menschen stecken grosse Erwartungen in solche Vorhersagen. Andere machen sich nicht viel daraus. Aber wie ist das denn genau? Ist durch göttliche Fügung in unserem Leben schon alles vorherbestimmt? Oder schaffen wir, durch die Kraft der Gedanken, ständig unsere eigene Realität? Prädestination oder freier Wille? - das ist hier die Frage. Das Gesetzt des Karmas, wie es in den vedischen Schriften beschrieben wird, liefert uns eine Antwort.

Karma bedeutet wörtlich „Tat, Wirken, Handlung". Es ist das Gesetz von Aktion und Reaktion. Unser Volksmund kennt Redewendungen, die darauf hinweisen, dass es sich hierbei nicht so sehr um östliche Glaubensinhalte handelt, sondern vielmehr um ein universelles Naturgesetz: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es wieder heraus" oder „Jeder ist seines Glücks eigener Schmied". Auch in der Bibel finden wir ähnliche Aussagen: „Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was der Mensch sät, wird er ernten." (Gal 6,7). Im Talmud wird dieser Gedanke wie folgt ausgedrückt: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal". Diese Aussage beantwortet auch bereits unsere Frage bezüglich Schicksal und freiem Willen. Hinter jedem Schicksal, das wir erfahren (ob Glück oder Leid), steht ursprünglich eine Handlung, die wir selber ausgeführt haben. Wer fromm handelt, erntet süsse Früchte (Glück). Wer sündhaft handelt, erntet saure Früchte (Leid). Gott im Herzen ist der höchste Beobachter und behält Übersicht von allen Aktionen und Reaktionen. Wir haben also einen freien Willen, dessen Handlungsspielraum jedoch nicht uneingeschränkt ist. Freier Wille und Vorherbestimmung verlaufen also parallel zueinander.

Der englische Theosoph Christmas Humphreys schreibt in seinem Buch „Karma und Wiedergeburt: „ Ein Mensch wird zu dem, was er tut. Kann diese Lehre widerlegt werden? Wenn sie wahr ist, so ist sie die wichtigste und am meisten vernachlässigte Wahrheit der Welt!" Ein Grund, weshalb dieses so einfach verständliche Naturgesetz in unserem täglichen Leben nicht deutlich wahrgenommen wird, liegt darin, dass unser Erinnerungsvermögen sehr begrenzt ist. Wir säen eine Ursache, doch wenn wir nach einigen Jahren (oder Leben!) eine entsprechende Wirkung ernten, haben wir die ursprüngliche Handlung oft längst wieder vergessen.

Führt diese Lehre aber nicht zu einer sozialen Gleichgültigkeit? Man sagt: „Er ist selber Schuld für sein Leid, das ist sein Karma!" Dies ist ein oft ausgedrückter Zweifel in diesem Zusammenhang. Nun, wer das Gesetz des Karma tatsächlich versteht und entsprechend danach lebt, ist sich bewusst, dass zum Beispiel ein Nichthelfen, obwohl er helfen könnte, auch seine Reaktionen bringen wird.
Es geht auch nicht darum, sein Schicksal passiv zu erdulden, sondern sein zukünftiges Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen.

Der mystische Theologe Friedrich Christoph Oetinger betet folgendermassen:
Gott, schenk uns Gelassenheit, das hinzunehmen, was wir nicht ändern können.
Gott schenke uns Mut, das zu ändern, was wir ändern können.
Gott schenke uns die Wahrheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Wir sollten also versuchen zu verstehen, dass das, was auch immer das neue Jahr so mit sich bringt, wir selber durch unsere Handlungen in der Vergangenheit verursacht haben.

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