Krishna Premarupa das

Schauen Mönche Fussball?

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FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Russland 2018 - Fußball fasziniert die Welt. Wohin man auch schaute, Fußball schien alle zu beeinflussen. In vielen Ländern rund um den Globus wurden die Fußballspiele zu Hause, auf Smartphones während der Arbeit oder abends in Restaurants und Bars auf großen Bildschirmen mitverfolgt. Auch Leute, die normalerweise kein Interesse am Sport zeigen, waren plötzlich die größten Fans ihrer Fußballnationalmannschaft. Jeder schien vom Fußballfieber befallen zu sein.

Jeder? Was ist mit Mönchen? "Folgst du auch der WM?" Fragte mich ein Schüler, welcher den Tempel mit seiner Schulklasse besuchte. Während ich über die Frage nachdachte, erinnerte ich mich an einen humorvollen Comic, den ich vor kurzem sah. Ein junger buddhistischer Mönch fragt seinen Zen-Meister, ob er Fußball schauen darf oder nicht. Der Meister antwortet: "Ja, du darfst zuschauen, aber du darfst keine Emotionen beim Zuschauen zeigen." Interessante Antwort, dachte ich. Ein Mönch soll weltlichem Verlust oder Gewinn gegenüber gleichgültig sein und immer ein inneres Gleichgewicht beibehalten. Außerdem möchte er seine Zeit und Energie auf das Göttliche richten und nicht auf etwas Weltliches wie Fußball. Aber ist das nicht ein bisschen extrem? Was ist falsch daran, ein Fußballspiel zu sehen? Lasst uns die Sichtwiese eines Mönchs etwas besser verstehen. 


Wenn ein Mönch oder ein Praktizierender des spirituellen Lebens generell versteht, dass er in den Kreislauf von Geburt und Tod eingebunden ist, versucht er, sich wieder mit dem Höchsten Herrn zu verbinden. Deshalb ist die menschliche Form des Lebens so wertvoll. Unsere Lebenszeit ist sehr kostbar, und sollte sorgfälltig im Dienst des Herrn eingesetzt werden. Als mitfühlender Vaishnava war Srila Prabhupada, der Gründer der Hare Krishna Bewegung, ein para duhka sukhi, unglücklich, andere leiden zu sehen. Einmal fragte er auf einem Morgenspaziergang in der Nähe eines Golfplatzes in Dallas,USA: "Was machen diese Männer?" Als Prabhupada erklärt wurde, dass sie Golf spielen, bemerkte er mit Tränen in den Augen: „Seht ihr, wie sie ihre Zeit verschwenden, da stehen sie und schlagen diesen kleinen Ball ins Loch... " Mit anderen Worten, das Leben ist für die Selbstverwirklichung gedacht, besonders wenn man an der Schwelle des Todes steht.


Viele Menschen in dieser Welt werden so leicht von Dingen fasziniert, die nicht direkt mit Gott verbunden sind, und werden auf diese Weise von dem abgelenkt, was wirklich der Kontemplation wert ist. Manche mögen argumentieren, dass es auch etwas 'Göttliches' sein kann, die großen Fußballstars zu sehen und 'Magie des Fußballs' zu erleben. Da ist etwas Wahres dran. Krishna erzählt Arjuna "Wisse, dass alle Opulenzen, alle schönen und glorreichen Schöpfungen in dieser Welt nur ein Funken meines Glanzes sind" und "Ich bin die Fähigkeit im Menschen" (Bhagavad Gita 10.41 / 7.8). Wenn also Sportler übermenschliche Kräfte zeigen, sind solche Kräfte sicherlich ein Geschenk Gottes. Aber anstatt sich an die Größe Gottes zu erinnern, verehren die Menschen im Allgemeinen die Spieler als wären sie Götter. Die Götter des Fußballs!


Zurück zu der Frage des Schülers: "Schauen Mönche Fußball?" Ich erkläre dem Jungen, dass wir viele andere Pflichten haben wie das Beten und das Lesen heilige Schriften und deshalb keine Zeit zum Fußball gucken fänden. Natürlich bietet aktiver Sport Bewegung und Erholung und ist eine gute Sache. Ich persönlich schwimme gerne, was meinem Körper und Geist hilft. Aber anderen bei Sport zuzusehen ist nicht wirklich Teil eines Mönchslebens. 


Gleichzeitig musste ich zugeben, dass es immer auch Mönchsbrüder gibt, die das nicht ganz so eng sehen. Ich erinnere mich wie ich vor ein paar Jahren Schreie vom Balkon unterhalb meines Zimmers hörte. Später fanden wir heraus, dass einige der Mönche heimlich einen Fernseher installiert hatten und Fußball schauten. Sie waren aus Brasilien und ihre Mannschaft hatte gerade ein Tor geschossen. Offensichtlich folgten sie nicht dem Zen-buddhistischen Rat, ohne Emotionen zuzuschauen! 

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