Joe M.

Sakramententzug

Am Samstag 24. Oktober 2015 war er fertig, der knapp 50ig-seitge Abschlusstext der Bischofsynode. 270 Bischöfe haben im Vatikan über das künftige Familienbild der katholischen Kirche beraten. Dabei ging es unter anderem auch um den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. Der Sakramententzug für wiederverheiratete Geschiedene kommt im Abschlussbericht aber nicht direkt vor. Die 94 Paragraphen des Textes sind eigentlich überhaupt nicht das, was die meisten Gläubigen erwartet haben. Darum kritisieren sie das Dokument als vage formulierter Kompromiss. Bischof Markus Büchel sieht es positiver: „Da war eben eine gewisse Verengung in Bezug auf die Erwartungen. Man wollte ein klares Ja oder ein klares Nein. Genau diese Verengung hat die Synode jetzt aufgebrochen. Sie sagt, diese Fragen seien so delikat, dass sie personen- und situationsbezogen zu betrachten, zu entscheiden und zu lösen sind. Dies gleichzeitig, ohne den Grundsatz der Unauflöslichkeit der Ehe aufzugeben". Ich frage mich allerdings, warum denn die mit dem Namen von Kardinal Walter Kasper verbundene Idee einer „via poenitentialis" zurück zu den Sakramenten, die im Vorfeld so heftig debattiert wurde, nicht im Abschlussdokument auftaucht.

Wenn ich die Altmännerriege der Bischofssynode mit ihren traditionellen Trachten in ihren trutzigen Palästen tagen sehe, erstaunt mich das Ergebnis des Konzils nicht. Wie soll dieses Gremium das künftige Familienbild gestalten können wenn doch 50% der Menschheit – nämlich die Frauen - ausgeschlossen sind? Wie wollen diese alten Männer Neues gebären wenn sie die alten Lehren und lieb gewonnenen Machtstrukturen wichtiger nehmen als das Leben draußen vor den Vatikan-Toren? Wie können Dogmatiker Grundsätze aufgeben wenn sie gefangen sind in ihren Ritualen und Lehren mit Unfehlbarkeitsanspruch? Wie darf die katholische Kirche Änderungen zulassen, die nicht nur die Institution, sondern auch den allmächtigen, männlichen Gott fehlbar erscheinen lassen könnten? Was bleibt Markus Büchel als Präsident der Schweizer Bischofssynode also anderes übrig, als den Abschlusstext schönzureden?

Ich kann nicht nachvollziehen, warum aufgeschlossenen Menschen, denen die Kirche nach einer Wiederheirat die Sakramente verwehrt und ihnen einredet, dass sie in Sünde leben, diese Sakramente noch wichtig und erstrebenswert sind. Bei den Betroffenen handelt es sich doch um aufrichtige Menschen, die genau wissen, dass sie nichts Böses getan haben und nur durch viel Leidensdruck in diese widrigen Lebenssituationen geraten sind. Sie haben bereut und es tut ihnen leid, dass sie für sich und die gemeinsamen Kinder keine andere Lösung finden konnten. Woher also kommt dieser Gehorsam, diese Obrigkeitshörigkeit, dass mündige Menschen sich einreden lassen, einen Makel zu haben oder unvollständig zu sein? Warum lassen sich rechtschaffene Menschen von alten Männern blenden, die behaupten, das Geheimnis des Lebens zu kennen und von Wahrheit schwatzen obwohl sie doch bloss ihren verstaubten Glauben meinen?

Ich lebe mein Leben in Eigenverantwortung nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lass mir nicht einreden, ich sei schlecht. Gott ist kein Hirte und ich bin kein Schaf. Ich brauche die Sakramente der katholischen Kirche (durch Zaubersprüche verwandelte Mehloblaten) nicht, um glücklich zu sein. Ich lass mich nicht kontrollieren von meines Erachtens alten Irrlehren, die fanatische Frömmler vor Jahrhunderten als „absolute Wahrheit" festlegten. Ich habe mich befreit von einer Kirche, die nicht mehr in unsere Welt passt.

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