Krishna Premarupa das

Reisebericht: Holi - Das indische Farbenfest

Holi ist ein sehr altes traditionelles Frühlingsfest, bei welchem sich die Menschen gegenseitig mit Farben bewerfen. Die Faszination für dieses Fest hat in den letzten Jahren auch den Westen erfasst. Zeitschriften berichten über das farbenfrohe Treiben und auch das Eventmanagement hat eine neue Einnahmequelle entdeckt: Das grosse Farbenfest Indiens gibt es jetzt auch in allen grossen Städten Deutschlands! Jedoch ohne jeden religiösen Hintergrund, wie auf der entsprechenden Webpage betont wird. Aber weshalb bewirft man sich gegenseitig mit Farben? Was ist die dahinterstehende Bedeutung dieses Brauches? Während meines letzten Indienaufenthalts ging ich diesen Fragen nach...

Holi erlebe man in Vrindavana vor allem im Bhanki Bihari Tempel, wurde uns gesagt. Bereits in den engen Gassen, die zum Tempel führen, war richtig was los. Hunderte von Menschen drängten aneinander vorbei. Viele der kleinen Läden boten Farbpulver an, das in unterschiedlichsten Farbtönen wie z.B. pink, gelb, rot, blau und grün erhältlich war. Je näher wir zum Tempeleingang kamen, desto bunter wurden die Menschen um uns herum! Es war deutlich erkennbar, wer schon im Tempel gewesen war und wer nicht! Grüne Haare, gelbe Hemden, rosa Gesichter; Holi hai - es ist Holi! Selbst die Polizisten vor dem Tempel sahen lustig aus mit den Farbstreifen auf ihren lachenden Wangen. 

Als wir dann schliesslich den Tempel betraten, traute ich meinen Augen nicht. Ich konnte kaum glauben was ich da sah: hier ging es echt wild her! Da kam niemand raus, ohne eingefärbt zu werden! Und das mitten im Tempelraum! Die Menschenmenge drängte sich wie an einem Rockkonzert noch vorne zur Bühne, bzw. zum Altar wo die wunderschöne Form Krishnas als Bhanki Bhihari verehrt wird. Krishna ist wohl der Einzige, der bei diesem Fest 'verschont bleibt', dachte ich schmunzelnd, denn die Bildgestalt Gottes stand unter einer grossen Plastikhaube! Als ich vor dem Altar stand, um Krishna eine Blumengirlande zu überreichen, bekam ich als Dank eine gute Ladung Farbwasser ins Gesicht gespritzt. Die Priester, mit riesigen Wasserpistolen ausgestattet, hatten sichtlich Spass an ihrer Aufgabe! Doch das war noch nicht alles - richtig los ging es, als sie ihre Wasserpistolen auf die Seite legten und Milchkannen ergriffen, um Farbwasser über die Menge zu schütten um im Anschluss gleich kiloweise Reissäcke voller Farbe in die Menge zu werfen. Für eine Weile sah man nichts anderes mehr als ein riesiges Wolkenmeer von Farben! Eine gute Stunde später verliessen wir den Tempel wieder, von Kopf bis Fuss voller Farbe. Die Einheimischen in den Gassen freuten sich über unser Aussehen. 'Happy Holi' riefen sie uns mit lachenden Gesichtern zu.

„Mein Gott! Wie seht ihr denn aus!" rief ein im Hotel zurückgebliebenes Mitglied unserer Reisegruppe bei unserer Rückkehr. Entsetzt schüttelte er den Kopf „Aber nein! Was hat denn das bitte schön mit Spiritualität oder Religion zu tun?!" Das erzähle ich dir morgen beim Frühstück, sagte ich ihm lachend und begab mich auf mein Zimmer. Ich brauchte erst mal eine gute Seife und warmes Wasser! Am nächsten Tag erklärte ich meinem Freund wie Holi verstanden werden soll:

Das Holi-Fest beginnt in der Regel elf Tage vor dem Vollmond (Ekadasi) des Monats Phalgun, was unserem Februar/März entspricht, und endet am nächsten Vollmondtag (Purnima). Während mit Farbpulver um sich geworfen wird erinnern sich die Menschen an die transzendentalen Spiele des göttlichen Paares Radha und Krishna. In den heiligen Schriften wird beschrieben, wie dieses Fest seinen Ursprung in der ewigen spirituellen Welt hat, wo sich Krishna und seine Kuhhirtenmädchen gegenseitig mit Farbe bespritzen.

Rote und gelbe Farbwolken können auch an das Feuer erinnern, welches die Hexe Holika verbrannte. Holikas Bruder Hiranyakasipu versuchte mehrfach seinen eigene Sohn zu töten, der als Schande der Familie galt, weil er ein Geweihter seines Erzfeindes Vishnus war. Alle Mordversuche blieben erfolglos. Deshalb bat Hiranyakasipu seine Schwester Holika, welche den Segen erhalten hatte, von keinem Feuer verletzt zu werden, einzugreifen. So nahm Holika den kleinen Praladha auf ihren Schoss und setzte sich auf einen brennenden Scheiterhaufen. Doch durch göttliche Fügung blieb der Junge unversehrt und die Hexe fand ihren Tod. 'rakhe krishna mare ke, mare Krishna rakhe ke' Wenn Krishna jemanden beschützt, wer kann ihn töten? Wenn Krishna jemanden töten möchte, wer kann ihn beschützen? Diese Geschichte wird während Holi oft als Theaterstück aufgeführt und grosse Feuer werden entzündet, um sich daran zu erinnern, dass die gottesbewussten Mensch stets unter dem Schutz des Herrn stehen.

Somit steht Holi also nicht nur für ein fröhliches Frühlingsfest, sondern auch für den Sieg des Guten über das Böse. Holi bedeutet auch "Opfer", was soviel bedeutet, das wir durch das Feuer der Hingabe alle Unreinheiten des Geistes wie Egoismus, Eitelkeit, Gier verbrennen sollen. Der soziale Aspekt von Holi ist das Zusammenbringen von groß und klein, reichen und armen Leuten. An diesem Tag werden keine Unterschiede gemacht; auch der Beamte kriegt etwas Farbe ab und jeder umarmt jeden herzlich mit den Worten 'Happy Holi' ganz egal aus welchem sozialen Hintergrund jemand kommen mag.

Die Erinnerungen an das bunte Fest bleiben noch lange sichtbar, besonders hartnäckig scheint das Pulver in den Ohren zu stecken und meine Fußsohlen und Zehennägel waren zwei Wochen später immer noch pink! 'Holi hai - es ist Holi'

Musste nicht all dies geschehen?
Laudatio anlässlich der Verleihung des Herbert-Haa...

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