Simon Pfeiffer

Pfingsten - Heiliger Geist: Feuer und Begeisterung

In einem Pfarrhaus aufgewachsen war Pfingsten für mich und meine Brüder immer etwas langweilig. Vater arbeitete, weshalb keine grossen Ausflüge oder Einladungen von Gästen drin lagen. Die meisten Spiel-„Gschpänli" im Quartier hatten ihr eigenes Familienprogramm oder waren sogar weg, und Schule war zwei Tage lang keine. Kurz, ein ödes, langes Wochenende – vor allem bei trübem Wetter.

Das änderte in meiner Zeit in der Cevi-Jungschar: Schon als kleiner „Pfupf" hatte ich die Pfadfindergruppen bewundert, welche mit Sack und Pack auf dem Velo vorbeiradelten. Abenteuer in Wald und Wiese! Keine Eltern und keine kindischen kleinen Brüder! Das musste fantastisch sein!

Ja, das war es tatsächlich. Das erste Pfingstlager meiner Jungschargruppe, fiel auf ein Regenwochenende. Die Hinfahrt mit dem Velo war dank den Regengüssen zwar einigermassen erträglich, aber trotzdem ein Krampf für einen angehenden Intellektuellen, der seine Freizeit eher mit Büchern als mit Bällen und Sportgeräten verbrachte. Der Regen hörte nicht auf. Die meisten Zelte standen bereits, doch vieles musste noch nach Art der Pioniere eingerichtet werden. Der Hilfsleiter, welcher das Loch fürs Plumpsklo grub, vollbrachte eine wahre Heldentat. Seine Kleider standen am anderen Tag – vor eingetrocknetem Dreck. Holz sammeln und Feuer machen war eine der Hauptbeschäftigungen. Permanent war die Feuerstelle in Betrieb. Und ringsum trocknete das aufgestapelte Nassholz. Klar, dass wir bereits nach einer Stunde rochen wie die Rauchwürste. Sonst fiel das meiste Programm ins Wasser. In einer kurzen Regenpause gab es einmal etwas Sport, aber nicht so richtig.

Trotzdem war es ein tolles Lager. Die meiste Zeit verbrachten wir im Militärzelt, erzählten uns Witze, spielten „Ich packe in den Rucksack …" oder machten Kommentare zu den langsam interessant werdenden Mädchen in unseren Klassen. Vermutlich versuchten wir uns auch im Rauchen. Doch das Material, die „Niele", die wir im Wald schnitten, war so nass und roch so bissig, dass die Versuche kein Genuss waren. Bereits am Sonntagnachmittag wurde das Lager wegen anhaltendem Regen abgebrochen. Alle Kleidergarnituren waren feucht oder sogar nass. Die Rückfahrt bergab war ganz angenehm, und das warme Bad zuhause war auch nicht zu verachten. Den langweiligen Montag nahm man danach gerne in Kauf. Im Erlebten konnte man noch ein Weilchen schwelgen.

Später wurde ich Leiter in derselben Organisation und leitete eine ganze Reihe Pfingstlager selbst: Solche bei herrlichem Wetter, solche mit durchzogenem Wetter, aber keines kam in Bezug auf Begeisterung an den einfachsten Dingen und Intensität des Feuergeruchs an das erste Pfingstlager heran.

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