Simon Pfeiffer

Papa Bimbam

Unsere Tochter begann im vergangenen Winter zu reden und macht immer gewagtere Aussagen. Unspektakulär ist: „Ea (tr)inke", wenn sie Durst hat oder: „Ea (s)pile", wenn sie spielen will. Oder auch: „Papa pile" oder „Papa mit", wenn ich mitspielen soll.

Seit sie kapiert hat, wohin ich meistens gehe, wenn ich unsere Wohnung verlasse, sagt sie: „Papa bimbam". Papa geht zur Kirche. Etwas später kam die Erkenntnis, dass ich arbeiten gehe, was auch immer das sein soll. Das heisst: „Papa (sch)affe". Da Mama das auch tut, heisst es auch hie und da: „Mama affe". Seit kurzem darf ich wieder einmal die Woche einen Abend in die Beiz. Das tönt dann zuhause: „Papa bie(r) inke" – von mir hat sie diese Erklärung nicht.

Mit der neu entdeckten Vergangenheitsform kann es tagelang heissen: „Ea bimbam gsi.", oder: „Ea bimbam gange". Oder als neue Kombination: „Papa bimbam affe gange". Täglich kommen neue Kombinationen hinzu und auch kompliziertere Wörter kann sie manchmal spontan nachschwatzen. Als Eltern müssen wir deshalb sehr aufpassen, wie wir uns über intimere Dinge unterhalten. Wir möchten ja nicht, dass die Öffentlichkeit über unsere mitteilungsfreudige Tochter Einblick in alles erhält, was wir bisher erfolgreich vor Facebook und Twitter geheim gehalten haben.

Wenn sie mal in einem Gottesdienst dabei ist, kann unsere Tochter ungeniert der ganzen Gemeinde erklären, dass der da vorne ihr Papa sei und der kleine Strahlemann bei Mama auf dem Arm ihr Bruder „Oa" – dies auch während andächtigen Gebeten. Deshalb bin ich jeweils erleichtert, wenn wir die Kinder im Vorschulalter nach dem zweiten Lied ins separate Kinderprogramm entlassen und nichts Wesentliches über unser Familienleben ausgeplaudert wurde. Das Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst ist weniger gefährlich, auch wenn unsere Tochter sich die Grossmutter des Tages selber auswählt und dort durchaus auch Highlights der vergangenen Woche erzählt. Zum Glück bietet aber bis anhin das Kinderprogramm im Kirchgemeindehaus genügend Stoff zum Plaudern.

Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis unsere Tochter die wildesten Gerüchte über unsere Familie in Umlauf setzt. Die Wahrheit ist für sie häufig, was gut klingt und für sie mit ihrem Wortschatz aussagbar ist. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, was alles aus ihrem Mund gehört und, mit Unschuldsblick und Kopfnicken bestätigt, als „wahr" gehört werden könnte. „Papa bimbam bie inke" wäre da noch vergleichsweise harmlos.
Zöllibat ist doch etwas Unnatürliches...!
Ku Klux Klan & Co.

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