Simon Pfeiffer

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Nachhall zum Lutherjahr

Nachhall zum Lutherjahr
Niemand kann durch den Ablass Vergebung mit Sicherheit erhalten. Das war ein wichtiger Punkt in den Thesen, die Doktor Martin Luther am 31. Oktober 1517 am Portal der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, jedenfalls gemäss gängiger Erzählart. Vergebung kann nicht käuflich erworben werden, auch nicht bei Händlern mit päpstlichem Siegel. Jeder Handel mit Heilsgewissheiten ist deshalb Unfug. Dies sollten wir uns wieder einmal hinter die Ohren schreiben.

Kein System kann uns die Gewissheit geben, dass unser Leben gelingt, dass wir von Gott und von anderen Menschen angenommen werden, wie wir sind. Vor allem können wir das nicht, wenn wir uns selber nicht genügen, wenn wir uns selber Massstäbe setzen, denen wir nicht genügen, wenn wir uns selber Druck auferlegen und nicht zufrieden werden. Leistungsdruck, Spardruck etc. herrschen nicht nur in der Erwachsenenwelt, sondern bereits in der Kindheit spätestens ab Schuleintritt, wie man immer öfter auch liest.

Wer sich selber nicht gnädig ist, bestraft sich selber. Dafür braucht es heutzutage keinen Teufel und keine Hölle mehr. Freikaufen daraus können wir uns nicht – auch nicht mit übermenschlichen Leistungen. Wer nicht an Druck leidet und wer sich nicht verurteilt, darf sich als reich beschenkt glücklich schätzen. „Heil", d.h. gesund werden, das Gleichgewicht finden, Freiheit oder Liebe ohne Bedingungen, kann nur als Geschenk bei uns ankommen. Martin Luther nennt dieses Geschenk Gnade. Gott gibt uns ohne Vorbedingung, einfach weil wir da sind.

Gnade, göttliche Liebe einfach so, geschenkte Zuwendung, Annahme mit allen Schwächen und Fehlern zu erleben, ist heute selten.

Nur Menschen die so etwas erfahren haben, können es auch weiter geben. Göttliche Liebe, wie sie Menschen in der Reformation entdeckt und beschrieben haben, kann sich nur unter den Menschen verbreiten, wenn sie ohne Zwang und Verurteilung gratis weitergegeben wird. So übermittelt kann die Botschaft der Reformation heute noch heilsame Befreiung bewirken.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

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