Thomas Philipp

Wie soll ich leben?

Ein Phänomen: da verkauft einer über 300 Bücher, Auflage mal eben 15 Millionen, zum christlichen Umgang mit sich selbst, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, weiss wikipedia. Derzeit einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache und weltweit einer der erfolgreichsten spirituellen Schriftsteller. Und eine ganze theologische Wissenschaft reagiert einfach nicht darauf. Behandelt ihn wie Luft. Die Lehrbücher der christlichen Ethik erwähnen ihn gar nicht, sogar dann nicht, wenn sie viele hundert Seiten Platz haben. Muss man vom Fach sein um zu sehen, dass hier etwas nicht stimmt?

Das könnte ein Buch wert sein… Nicht zuerst wegen Anselm Grün, sondern damit der Stau der Kommunikation sich löst. Dass es fliessen kann zwischen den Fragen, die den Leserinnen und Leser von Pater Anselm unter den Nägeln brennen, und der Kompetenz unserer Ethiker. Dass die Ethik den Ton trifft, der die Menschen bewegt. Wahrscheinlich werden fünf oder zehn Seiten nicht genügen, um ein Gespräch in Gang zu bringen.

Nun bin ich also drin… Umgang mit sich selbst? Umgang mit der Welt? Oder Christliche Ethik im 21. Jahrhundert? Ich versinke, bin nicht sicher, ob ich eigentlich noch alltagsfähig bin, lebe in den Gedanken, gehe mit ihnen zu Bett und erwache (manchmal) auch mit ihnen…  ein Gefühl hält mir das irgendwie zusammen, es sei doch eine wesentliche Frage, wie man Sorge um die innere und Sorge um die äussere Welt irgendwie zusammenbekommt. Esoterisch reicht nicht, und nur funktionieren, maximaler Glücksnutzen, die grässliche Erbsenzählerei der Utilitaristen schon gar nicht. Es muss mehr geben… 

Wo ansetzen? Das führt zur Frage, was eigentlich unsere Erfahrung zusammenhält. Wo finden wir die Kontinuität unserer Welt? Wie entgehen wir der Zerrissenheit und Spaltung, wie machen wir das, dass sich unser Leben doch wenigstens manchmal als etwas Ganzes anfühlt? Bei unseren Ethikprofessoren ist es eine Welt der Argumente, des Vernünftigen, des Objektiven, an der man Anteil erhält, indem man Gründe berücksichtigt, abwägt, rational entscheidet. Dann gibt es einen bedeutenden amerikanischen Philosophen, Harry Frankfurt, begeisternd. Er findet, alles beginne beim Verhältnis, das ich zu mir, zu meinen diversen Wünschen einnehme. Das eigentliche Problem sei die Vielfalt und Widersprüchlichkeit unserer Wünsche, der Innenwelt. Es seien auch unsere Wünsche und besonders die Liebe, die uns mit der Aussenwelt verbänden. Dann ist alles subjektiv, und nur im Subjekt könne es eine Einheit seiner Welt geben. Hat was, vor allem weil Frankfurt eine differenzierte, aber nicht fachtherapeutische Sprache für die Innenwelt entwickelt. Und dann gibt es einen französischen Bischof, Albert Rouet, für den ist alles Beziehung. Dann kommt es vor allem darauf an, gut zu kommunizieren, dass man nicht allein bleibt, bis zum anderen findet. Menschen verändern sich vor allem dann, wenn ihr Beziehungsumfeld sich verändert, das ist viel wirksamer als das individuelle Bemühen um wünschbare Verhaltensweisen. So dass es vor allem darauf ankommt, ein "milieu humanisant" zu finden, zu schaffen... Räume, in denen ich Mensch werden kann…

Guido, Mitte 20, Philosophiestudent, recht am Suchen für sich, Nachdenken hat was, liest die drei. Wie liest er sie? Eben, das soll er uns erzählen, mir und Euch. Fühlt er sich verstanden? Was begeistert ihn, was findet er schlimm? Und in all den Zweifeln, die seine Identität, sein Zustände umgeben: was würde es konkret ändern, sich als Christ zu verstehen?

Religion und Moderne?
Schweizer Hindu-Priester

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