Thomas Philipp

Sünde gegen den Heiligen Geist

Hans Maier ist einer der angesehensten Katholiken Deutschlands: lange Jahre bayerischer Kultusminister und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, später Professor für Christliche Weltanschauung in München, als Nachfolger Guardinis und Rahners. Er wollte seine Autobiografie vorstellen, in einem Saal des Bistums Regensburg. Das Ordinariat liess ihm drei Tage vor dem Anlass mitteilen, Bischof Müller verbiete das. Denn Maier engagiere sich für den Verein Donum Vitae, der die ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung weiterführt, aus der die deutschen Bischöfe vor zwölf Jahren auf unnachgiebigen römischen Zwang aussteigen mussten. Rom war die Reinheit der Ideologie wichtiger als das Dasein in der Not; das eindeutige Prinzip wichtiger als die Partnerschaft mit der suchenden Frau und der Respekt vor ihrem Gewissen.

Achtete der Bischof Maiers und vieler andrer Katholiken Gewissensentscheidung, Donum Vitae mitzutragen, könnte er sich nicht so verhalten. Sein Vorgehen drückt offen seine Verachtung für ihre Gewissensentscheidung aus. Ein hochpolitischer Vorgang! Denn Müller achtet nicht, was die Kirche zusammenhält. Nämlich, so lehrt das Glaubensbekenntnis, der Heilige Geist! Der Geist zeigt sich vielfarbig und spannungsvoll, in der Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Betroffenheiten. Es ist die vielstimmige Erfahrung des Geistes in den Einzelnen, die motiviert, Christ zu sein. Die zueinander führt. Die Gaben aufblühen lässt. Die Einheit der Kirche ist Gabe des Geistes, nicht Frucht einer einheitlichen Sprache und Ideologie, schon gar nicht von Kadavergehorsam! Wir Christen glauben, dass ein jeder eine unmittelbare Erfahrung des Göttlichen in sich trägt: in seinem Gewissen, seiner Lebendigkeit, seinem Vertrauen und seiner Sehnsucht, in der wunderbaren Kraft zu hoffen und zu lieben. Was sie aufrichtet, was sie niederdrückt, kann ein jeder mit etwas Achtsamkeit wahrnehmen. Diese Erfahrung des Geistes in den Herzen der Gläubigen ist für Thomas von Aquin die Mitte, die Identität des Christentums. Alles andere, Erziehung, Moral, Liturgie, die Bibel und auch der Dienst des Bischofs sind nur dazu da, zu dieser Erfahrung hinzuführen und sie auszudrücken (Summa Theologiae I-II 106,1f).

Der Bischof achtet den Geist in den Herzen der Gläubigen nicht. Das Kirchenrecht gibt uns Katholiken so gut wie keine Möglichkeit, uns für die Würde der Geisterfahrung in unseren Herzen, für unser Gewissen zu wehren. Es ist nicht recht, dass wir solche Kränkungen wie Schafe erdulden müssen. Menschlich – und kirchenrechtlich: das Vorgehen Müllers missachtet eine Gegebenheit göttlichen Rechtes.

Ein Kessel ohne Ventil. Gut gehen kann das nicht. Vielleicht wird eine ergrünende Republik ein Steuersystem nicht mehr mittragen, das keine echte Mitwirkung der Gläubigen kennt. Konkordate können gekündigt werden. Dann würde auch viel Wertvolles untergehen. Oder Einsicht in Rom? Wir Deutschen wissen, dass man da lange warten kann. Aber wie wäre es, wenn einige unserer Bischöfe sich zum Glaubensbekenntnis bekehrten, zusammentäten, und anfingen, dem Geist in den Herzen aller zu vertrauen? Ihn tätig zu verehren?

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
daß Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Laß gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Paradies auf Erden
Ratha Yatra - Das indische Wagenfest

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