Joe M.

Ku Klux Klan & Co.

Der Ku Klux Klan bezeichnete die Aufklärer und Menschenrechtler, die dem Lynchen von Schwarzen und dem Brandschatzen in den Südstaaten ein Ende setzten wollten, als Atheisten und Kommunisten. Die Weissen, die sich der Abschaffung der Sklaverei selbst Mitte der Sechzigerjahre noch widersetzten, rechtfertigten ihre Übergriffe unter anderem mit Genesis 9, Vers 27: „Raum schaffte Gott für Jafet. In Sems Zelten wohne er, Kanaan aber sei sein Knecht". Wegen solch abstruser Bibelzitate brannte Mississippi.

45 Jahre später wählt Amerika den ersten schwarzen Präsidenten. Die mühevolle Arbeit der Bürgerrechtsaktivisten schien endlich Früchte zu tragen. Es war ein langer und steiniger Weg, gepflastert mit Rückschlägen - obwohl die politischen Grundlagen der Gleichberechtigung ja schon längst geschaffen waren. Die menschenverachtenden Geschichten des Alten Testaments lassen sich aber noch immer für Verbrechen an Minderheiten zitieren und Rassentrennung als gottgewollt auslegen! Wäre dies nicht ein Grund dafür, die alten, absonderlichen Bücher ins Museum zu verbannen?

Im Westen steht Islamismus für fundamentalistischen Glauben - religiös motivierte Terrornetzwerke wie Al Kaida haben zu diesem Umstand einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet. Abendländische Glaubensformen, die sich auch hartnäckig Reformen widersetzen konnten und deren Anhänger nicht minder verblendet sind als die muslimischen Gotteskrieger, scheinen vom kulturellen Heimvorteil zu profitieren. Verirrt sich der aufgeklärte Bürger auf Webseiten wie Katholik.ch, wähnt er sich ins Mittelalter zurückversetzt. Da wird dem Exorzismus und der Allgegenwart Satans gefrönt. Pater Gabriele Amorth plaudert aus seiner langjährigen Praxis als Teufelsaustreiber in der Diözese Rom - das ist der Stoff, aus dem in der Vergangenheit die Scheiterhaufen gebaut wurden! Es gibt ellenlange Auflistungen von angeblichen Wundern und Heiligenerscheinungen und ein paar Mausklicks weiter werden genüsslich die Länder aufgezählt, wo Homosexualität mit jahrelanger Haft oder sogar mit dem Tod bestraft wird.

Besonders menschenverachtend: Haiti wird als „von Voodoo-Priestern dem Teufel geweihte Insel" bezeichnet, die nun vom Erdbeben heimgesucht wurde; aber auch die Zerstörungen in Chile sind selbstverschuldet und wurden bereits im Oktober letzten Jahres vorausgesagt, erfährt der geneigte Leser. Nicht weniger niederträchtig: Ein Link führt zu einem YouTube Filmchen, worin Barack Obama mittels Rückwärtsabspielen einer seiner Reden als Satansdiener verunglimpft wird! Da tönt es plötzlich so ähnlich wie „Serve Satan" aus den Lautsprechern. Das wird dann im Film solange wiederholt und in Buchstaben eingeblendet, bis die Illusion perfekt ist. Damit soll wohl bewiesen werden, dass Satan real existiert und auch heute noch wirkt.

Tatsächlich aber wird mit diesem Schund auf perfide Art und Weise Rassismus geschürt und den Irrlehren des Ku Klux Klans Vorschub geleistet. Einen grossen Menschen wie Obama, der mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, unter dem irrigen Logo „Ewige Wahrheit" als Satansdiener zu bezeichnen, zeigt auf erschreckende Weise, wohin religiöser Fanatismus führen kann. Beängstigend auch die Tatsache, dass religiös-rassistisch motivierte White Pride Vereinigungen seit der Wahl des schwarzen Präsidenten in den USA neuen Zulauf bekommen haben und dass in Amerika ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung an Verschwörungstheorien wie „Obama als Antichrist" glaubt.

Warum spielt eigentlich niemand die Reden des Papstes rückwärts ab und sucht nach Botschaften des Bösen? Ich bin überzeugt, es würden sich auch teuflische Bekenntnisse finden lassen – nicht weil der Papst tatsächlich Satan dient, sondern weil beim Klang tausender rückwärts abgespielter Wörter es statistisch nicht ungewöhnlich ist, einige Treffer zu sinnvollen Lauten zu finden. Das menschliche Hirn vergleicht dauernd die ankommenden Signale der Sinnesorgane mit bereits gespeicherter Information und bevorzugt somit bekannte Bilder und Wörter. Das erklärt, warum etwas „ins Auge springt" oder ein bestimmtes Geräusch plötzlich als Wortfolge wahrgenommen wird und sich hartnäckig hält. Diese evolutionsbedingten und einst dem Überleben der Spezies Mensch dienenden neuronalen Filter werden nun gezielt für Hetzkampagnen missbraucht.

Religionen haben schon immer virtuos mit Sinnestäuschungen gespielt und verblüffende Effekte als Manipulationshilfen verwendet. Konnte früher der ungebildete Mob leicht mit derart Blendwerk beeindruckt werden, so sollte man meinen, es werde dank höherem Bildungsstand der Bevölkerung und der kritischen Berichterstattung der Medien zunehmend schwieriger, die tumben Ansichten der Extremisten glaubhaft herüberzubringen. Offensichtlich ist aber der Mensch auch heute noch anfällig für Verführungen aller Art. Bleibt zu hoffen, dass es Randgruppen bleiben, die sich mit extremem Gedankengut identifizieren können, denn wir brauchen definitiv keine Rambo-Christen, keine Steinzeit-Taliban und keine White Pride Neonazis, weil diese fanatisch-faschistoiden Gruppierungen unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Menschenrechte mit Füssen treten!

Papa Bimbam
Konfirmationswunder und Depression danach

Ähnliche Beiträge

Kontakt

Andrea Zimmermann
Projektleitung
info(at)religion.ch

Rebekka Khaliefi
Redaktionsleitung
redaktion(at)religion.ch

Marco Messina
Verantwortlicher Blogs
blog(at)religion.ch

Karin Mykytjuk
Koordinatorin
WissensWert Religionen
3000 Bern

Vermerk «religion.ch»
CH69 0900 0000 6069 3663 4