Simon Pfeiffer

Kirchgemeinde zu Gast in Moschee

Mit vierzehn Mitgliedern aus meiner Kirchgemeinde war ich kürzlich zu Gast in einem islamischen Zentrum der Bosnier in Oberentfelden. Im Rahmen einer dreiteiligen Serie zum Thema Islam war der Besuch in einer Moschee der krönende Abschluss. Wir durften am Nachtgebet teilnehmen und anschliessend bosnische Gastfreundschaft geniessen. Ganz geheuer war die Sache wohl nicht allen, vor allem da es auf meiner Einladung hiess: „Frauen bitte Kopftuch mitbringen".

Wir wurden vom Imam persönlich begrüsst und erhielten von ihm und seiner Frau eine kurze Einführung in den Moscheebau und das muslimische Gebet. Das Gebet in arabischer Sprache beobachteten wir von der Seite als Zuschauer, die Frauen unter dem Schutz des Kopftuchs, was übrigens auch von den frühen Christen so praktiziert wurde. Die Frau des Imams hatte uns vorher noch angeregt, parallel zum muslimischen Gebet doch still unsere eigenen Gebete zu verrichten, das störe gar nicht. Eindruck machten vor allem die für uns fremden Gebräuche des Kniens und sich Niederwerfens, die Trennung zwischen Männern und Frauen, oder dass während dem Gebet aus einem Nebenraum Geräusche eines Fussballspiels im Fernsehen zu hören waren.

Im Gemeinschaftsraum war ein ganzer Tisch für die Gäste reserviert. Getränke, bosnische Spezialitäten, Kaffee wurden aufgetragen. Einer offiziellen Begrüssung durch den Präsidenten des bosnischen muslimischen Vereins musste eine Erwiderung durch mich als Anführer der Gastgruppe folgen. Danach wurde das Gespräch informell, wobei sich die Bosnier trotz beachtlichen Deutschkenntnissen zum Teil als ebenso schüchtern erwiesen wie durchschnittliche Reformierte. Das Klima wurde aber schnell wärmer und ungezwungener.

Der Besuch wurde mit einer Führung durch die Räumlichkeiten des Zentrums in einem ehemaligen Gasthof abgeschlossen. Als guter Gast richtete ich eine Gegeneinladung zu einer Besichtigung unserer Kirche, einem reformierten Barockbau, an die Gastgeber. Die Muslime, die viele aus den Medien bloss als Fundamentalisten und Terroristen kennen, waren zu Nachbarn und möglicherweise sogar Freunden geworden.

Dies ist wenigstens für die Gruppe der vierzehn so. Andere Mitglieder unserer Kirchgemeinde fühlten sich durch das Thema Islam und das Vorhaben, Muslime zu besuchen dermassen herausgefordert und bedroht, dass mein Pfarrkollege und einige Mitglieder der Kirchenpflege Reklamationen und Klagen erhielten, bis hin zu zwei anonymen Briefen. Kirchenaustritte drohen. Das Christentum ist „in Gefahr". Es gibt noch viel zu tun.

Pfingsten - Heiliger Geist: Feuer und Begeisterung

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