Krishna Premarupa das

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Insekten essen als neuer Trend?

Insekten essen als neuer Trend?

Insekten essen? In Ländern wie Thailand, China und Afrika gelten Insekten wie zum Beispiel Käfer, Raupen, Ameisen und Wespen als Nahrungsmittel. Rund 1400 essbare Insektensorten soll es geben.


Was sehr exotisch klingt ist auch in der Schweiz bald erhältlich. In ein paar Wochen ist es soweit, dann tritt das neue Lebensmittelgesetz in Kraft! Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen dürfen dann auch bei uns auf den Speiseplan. `Was darf es denn heute sein? Mehlwurmbratling, Nüsslisalat mit gebratenen Heuschrecken oder lieber ein mit knusprigen Grillen gefülltes Fladenbrot?` Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Insektenkochbücher stehen kurz vor dem Druck, im neuen Sortiment des Grossverteilers Coop werden uns bald Mehlwurmburger schmackhaft gemacht und beim nächsten Firmenessen müssen wir vielleicht schon Stellung dazu nehmen, was uns daran hindert die feinen Heuschrecken-Kräcker zu verspeisen.


`Wäre das nicht eine Alternative für Vegetarier, so als Proteinersatz?`, wurde ich kürzlich gefragt. `Naja, nicht wirklich! Als Vegetarier respektieren wir jede Lebensform, auch die der Insekten`antwortete ich.`Aber mit der anwachsende Menschheit werden wir in Zukunft nicht ohne den Verzehr von Insekten auskommen, das behauptet auch die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in ihrem Bericht aus dem Jahr 2013 und bezeichnet dort Insekten als die Proteinquelle der Zukunft`, erwiderte mein Gesprächspartner.


Was mich dabei erstaunt, ist, dass niemandem in den Sinn kommt, das Fleischessen grundsätzlich in Frage zu stellen! Proteine sind in ausreichender Menge in Erbsen, Linsen, Vollkornweizen usw. enthalten. Und es ist auch nicht wahr, dass wir zu wenig Nahrungsmittel besitzen. Die Ursache von Hunger in dieser Welt ist nicht ein Mangel an Nahrung, sondern deren Verschwendung. Anstatt dass, das Getreide die Menschen direkt ernährt, wird es an Schlachttiere verfüttert, um Fleisch zu produzieren. Daher ist die Frage, was der Mensch essen soll, was für die menschliche Ernährung bestimmt ist, so aktuell wie noch nie.


Jede religiöse Tradition kennt bestimmte Essenvorschriften, in manchen Religionen mehr, in anderen weniger ausgeprägt. Für Juden zum Beispiel sind nur eine gewisse Art von Tieren erlaubt, bei den Säugetieren nur Paarhufer und Wiederkäuer, bei den Vögeln keine Aas-und Raubvögel, bei den Fischen nur jene mit Schuppen und Flossen. Muslime verzichten auf Schweinefleisch und Hindus, wenn sie nicht schon ganz vegetarisch leben, wenigstens auf Rind und Kalbfleisch.


In der Bhagavad Gita finden wir Beschreibungen von verschiedenen Arten von Lebensmitteln entsprechend den drei Gunas. Die Gunas sind drei grundsätzliche Energien, die das ganze Universum durchdringen, sattva - Tugend, raja - Leidenschaft und tama - Unwissenheit. Je nach dem von welchen Bewusstsein ein Mensch dominiert wird, entwickelt er einen gewissen Geschmack an unterschiedlichen Speisen.


`Speisen, die von Menschen in der Erscheinungsweise der Tugend geschätzt werden, sind saftig, bekömmlich und verlängern die Lebensdauer, reinigen das Dasein, geben Kraft, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Speisen, die zu bitter, zu sauer, zu salzig und zu scharf sind, werden von Menschen in der Erscheinungsweise von Leidenschaft geschätzt, solche Nahrung verursacht Leid und Krankheit. Nahrung die mehr als drei Stunden vor dem Essen gekocht wurde, die ohne Geschmack, faul und gegoren ist, und Nahrung, die aus Speiseresten und unberührbaren Dingen besteht, wird von denjenigen geschätzt, die sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit befinden.`- Bhagavad Gita 17.8-10


Mit tugendhafter Nahrung sind Lebensmittel wie Getreide, Gemüse und Früchte gemeint. Das Sanskrit Wort amedhyam was für `unberührbar` steht, bezieht sich auf Substanzen wie Alkohol, Fleisch, Fisch, Eier und könnte sicherlich auch auf Insekten bezogen werden!


Aber weshalb schränken religiöse Gebote die Essgewohnheiten der Menschen ein? Die Idee dabei ist, dass der Mensch lernt, dass das Geniessen der Sinne nicht das einzige Ziel im Leben ist, sondern dass es noch andere Werte gibt, die es zu beachten gibt. In der hinduistischen Yoga-Tradition wird gesagt, dass es die Zunge ist, welche beherrscht werden muss, bevor man irgendeinen der Sinne zu kontrollieren vermag. Auch Bhaktivinoda Thakur, ein grosser Heiliger der Bhakti-Tradition, schrieb in einem Lied, das von allen unseren Sinnen, die Zunge am gefrässigsten und unkontrollierbarsten sei. Ja, es sei äusserst schwierig die Zunge zu beherrschen. Daher wird geraten seine Essgewohnheiten zu regulieren und nur Speisen zu sich zu nehmen, die zuvor Gott aus Dankbarkeit dargebracht worden sind.


Naja, aber in einer säkularen Gesellschaft wie der unseren kommen den meisten Menschen solche Essensvorschriften altmodisch vor; wenn Heuschrecke und Co einen knusprigen und nussigen Geschmack haben, wieso nicht essen? und mein Freund ist immer noch überzeugt, dass es die Insekten sind, welche die Menschheit vor der Nahrungsknappheit retten werden! Ob sich die neuen Delikatessen etablieren, wird sich zeigen. Laut Umfragen würde etwa ein Drittel der Schweizer Insekten probieren, ein Drittel würde Insekten nur im Notfall essen und ein Drittel würde sich auf keinen Fall dazu überreden lassen sie zu essen.

Ich gehöre zum zweiten oder dritten Teil der Schweizer und werde daher nicht viel geistige Kraft benötigen meine Zunge zu beherrschen. Allen andern, welche sich auf den neuen Trend freuen, wünsche ich einen guten Appetit!


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