Simon Pfeiffer

Gemeinsam von unten

In unserer Kirchgemeinde haben wir mit vier beteiligten ansässigen christlichen Gemeinschaften einen „Dorfgottesdienst" zum Jugendfest gefeiert. Es war weder ökumenisch noch eine Allianz – es war mehr. Aus dem Bedürfnis, gemeinsam mit Familien und Kindern Gottesdienst zu feiern zu diesem Anlass, der das ganze Dorf auf die Beine bringt, ist etwas gewachsen, was nicht in die gängigen Kriterien zwischenkirchlicher Zusammenarbeit passt. Alle Christen gemeinsam in der Kirche. Die Medien haben wir dazu nicht eingeladen. Die Medien waren sowieso in Dübendorf. Dort kam es nicht so richtig zum gemeinsamen Feiern. Das gemeinsame Zelebrieren des Abendmahls blieb aus. Die Kirchenoberen von katholischer, orthodoxer und verwirrenderweise auch reformierter Seite haben ihr Machtwort dagegen gesprochen. Wenn schon die Schäfchen nicht getrennt bleiben wollen, so sollen das doch wenigstens ihre „Hirten", die Pfarrer, Pastoren, Priester und Popen.

Damit hat das Raumschiff Kirche leider vollends abgehoben. Die orthodoxen, katholischen und reformierten – leider nicht vereinigten – Sternenschiffe zischen mit Warp 2.0 zu den Sternen ihrer althergebrachten Überlieferungen. Unten bleibt das Kirchenvolk der verschiedenen Konfessionen und versteht vermutlich die Weltkirchen nicht mehr. Mir als Pfarrer geht es jedenfalls so. Dabei hat vor zweitausend Jahren ein Wanderrabbi aus Nazareth Weg- und Tischgemeinschaften der unerhörtesten Art vorgelebt: Mit Zöllnern, mit Prostituierten, mit fanatischen Freiheitskämpfern, mit Römern, mit Ungläubigen aus Samaria, mit zaudernden und zur Verleugnung oder zum Verrat bereiten Jüngern.

Als reformierter Pfarrer kenne ich die Idee vom Priestertum aller Gläubigen: Von irgendeiner Kirchenbehörde eingesetzte sogenannte „Hirten" werden eigentlich überflüssig, sobald das Kirchenvolk mündig wird. Alle Gläubigen werden zu bevollmächtigten Kirchenvertretern und Kirchenvertreterinnen und können am Guten in der Welt mitwirken. In diesem Moment wird das Teilen in einer echten Tischgemeinschaft, spannend. Glaubensgespräche verlaufen nicht mehr „one way". Alle haben etwas beizutragen. Auch Sünder, Fremde und Abgesprungene sind willkommen – ohne vorheriges Lippenbekenntnis. Das gemeinsame Mahl als gemeinsam geteilte Lebens-Mittel, als Teilen von allem, was Menschen zum Leben brauchen, Brot, Wort und manchmal Wein, kommt zustande, wenn einander Vertrauende wider alle Kontrollmächte den Mut aufbringen, sich zusammen an den Tisch zu setzen. Zelebriert werden kann das nicht. Das ist echt. Dafür braucht es Menschen, die gemeinsam hinstehen und machen. Egal, ob Priester, Pope, Pfarrerin oder Laie.

Hilflose Allmacht
Die Hütte. Alles Hiob oder was?

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