Krishna Premarupa das

Geistig nähren - statt bekehren

Ich bin ja eigentlich eine eher introvertierte Person. In der Vor-Weihnachtszeit des vergangenen Jahres fand ich mich dann aber mehrmals in einer für mich ganz ungewohnten Rolle wieder. Nämlich auf den Strassen der Schweizer Grossstädte, mit einem Stapel Bücher auf den Armen die Passanten ansprechend: „Grüäzi, sind sie auch von hier, ich bin Mönch aus einem hinduistischen Kloster, dem Krishna Tempel in Zürich. Das hier sind Bücher von uns Mönchen, die stellen wir heute vor..." Ein paar Minuten später hatte ich zwei Bücher verkauft. Die Studentin praktiziert Power Yoga und zeigte vor allem am Buch mit den Sanskrit-Versen Interesse.

„Die modernen Mönche von heute haben auch eine E-Mail- Adresse. Wenn beim Lesen Fragen aufkommen, können sie sich also einfach bei mir melden", erklärte ich lächelnd, während ich meine Visitenkarte aushändigte.

Zugegeben, nicht alle sind so aufgeschlossen wie die junge Dame. Viele Passanten eilen gestresst an mir vorbei. „Keine Zeit", höre ich an diesem Nachmittag wohl einige hundert Mal. Und überhaupt mag man sich fragen, was den meine Beweggründe für diese Tätigkeit sind? Schliesslich ist der Hinduismus in seinen Grundzügen eigentlich nicht missionarisch.

Nun, einerseits tut es einfach gut die Tempelmauern mal hinter sich zu lassen und auf der Strasse verschiedenen Menschen zu begegnen. Zudem stelle ich bei genauer Betrachtung fest, dass in unserer Tradition das Teilen von spirituellem Gedankengut schon immer einen wichtigen Platz eingenommen hat.
Denn Wohltätigkeit bedeutet Menschen wissen zu geben. Weshalb? In unsere Schriften wird zu diesem Punkt folgende Analogie angeführt: Welchen Sinn hat es, die Kleider eines Ertrinkenden zu bemitleiden? Jemand ruft um Hilfe, da er nicht schwimmen kann, doch wir ziehen nur seine Kleider ans Land während die Person selbst ertrinkt; was für einen Nutzten hat solch eine Rettungsaktion? Selbstverständlich ist sehr wertvoll, Menschen zu helfen denen es an den grundlegendsten körperlichen Bedürfnissen fehlt. Tatsache ist aber, dass nicht nur unser Körper (der wie ein Gewand ist) sondern auch wir als Person im Körper, als Seele, Bedürfnisse haben. Die Ursache für das Leid eines Lebewesens liegt im Vergessen seiner Beziehung zu Gott. Und die Ursache für sein Glück liegt im Wissen, das Gott der aufrichtigste Freund aller Lebewesen ist.

Aus diesem Grund gibt es Spiritualisten aus allen Traditionen, welche den Menschen ein tieferes Verständnis für den Sinn des Lebens zu vermitteln versuchen, selbst auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden...
Ein junger Novize beobachtet, wie sein spiritueller Meister mit viel Geduld versucht, einen ertrinkenden Skorpion aus dem Wasser zu ziehen. Dabei wird er vom Skorpion immer wieder gestochen. „Wieso überlässt du ihn nicht einfach seinem Schicksal?" fragt der Schüler verwundert. „Andere Lebewesen zu stechen ist seine Natur, ihnen zu helfen die meine!" antwortet der Meister. Dies nennt man `para-duhka-dukhi`: Obwohl er aufgrund seiner Beziehung zu Gott selber so gut wie frei von Leid ist, empfindet er Leid beim betrachten des Leids Anderer.

Trotzt dieser edlen Haltung ist es natürlich ganz wichtig, den freien Willen eines jeden zu respektieren. Und zum Glück hat die neue Generation unserer Prediger auch verstanden, dass es beim Verteilen spiritueller Literatur nicht darum geht, irgend jemanden zu bekehren, sondern lediglich darum, dem interessierten Menschen etwas `geistige Nahrung` mit auf den Weg zu geben. Denn wie heisst es so schön: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. In diesem Sinn, viel Inspiration beim Lesen unserer Bücher!

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