Simon Pfeiffer

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Gegen den Strom

Die Welt geht scheinbar bachab – oder zumindest die Menschheit. Oder die westlich-globalisierte Kultur, wenn man Medienberichten und fiktionalen Untergangsszenarien auf der Kinoleinwand glaubt: Die Polkappen schmelzen, Rohstoffknappheit droht, in Nahost herrscht Krieg, Flüchtlingsströme kommen bis mitten nach Europa, die Menschen ernähren sich ungesund und werden dick, die Jugend will kaum noch handwerkliche Lehren machen, Schweizer fühlen sich fremd im eigenen Land.

Perspektiven über den immer negativer besetzten Tellerrand hinaus fehlen. Ziele und Ideen, was man heute noch erreichen könnte oder möchte, fehlen. Offenbar haben wir alles erreicht, was wir wollen. Und das wird uns jetzt allmählich wieder genommen.

Wirklich? War das schon alles? Das neueste Smartphone, ein geleastes Auto und ein Eigenheim auf Kredit? Und wer sich das alles jetzt schon nicht leisten kann?

Jesus hat etwas anderes vorgelebt. Er hat gegen die vorherrschende Stimmung seiner Zeit eine Gemeinschaft der Randfiguren aufgebaut. Verarmte, Angefeindete, Kranke, Menschen mit Behinderung, Prostituierte, Widerstandskämpfer, Sklaven gehörten dazu. Und alle gehörten zur neuen Welt, wie sie von Gott demnächst eingerichtet wird, dem „Reich Gottes".

Dieses „Reich Gottes" ist seit bald zweitausend Jahren nicht angebrochen. Sogar in vielen Kirchen rechnen nur noch Spinner damit, dass Gott vielleicht schon morgen rettend ins Leben vieler Menschen eingreifen wird. Die Angst ums angeblich „christliche Abendland" verdrängt jede Hoffnung. Die Kirchen leeren sich, und da draussen gibt es immer mehr Menschen, die Zuwendung ohne Gewinnrechnung im Hinterkopf nötig hätten. Aber wer, wenn nicht die Kirchen und ihre Mitglieder sollen heute einen Gegentrend setzen zur drohenden Untergangsstimmung?

Egal, wie viele Kirchenaustritte noch folgen, Freiwillige in Kirchgemeinden können jetzt schon Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen. Sie könnten noch mehr, vor allem, wenn das Gewicht auf noch mehr freiwilligen Schultern verteilt wird. Bedürftige, Kranke, Betagte, Alleinerziehende, Fremde sollten nicht nur notdürftig mit dem Lebensnotwendigsten versorgt werden, seien es Lebensmittel oder etwas Zuwendung. Sie in eine wachsende Gemeinschaft einzubeziehen, müsste das Ziel sein.

Leider reichen die bestehenden Gefässe vielerorts nicht. Ein Gottesdienst, in dem vor allem eine Person spricht, ist nicht geeignet, um anderen Menschen zu begegnen. Doch gerade in laufenden Projekten von Freiwilligen für Flüchtlinge sind Formen entstanden, die Menschen verbinden. Gemeinsam wird Neues ermöglicht. Oft ohne grosse finanzielle Mittel, aber mit viel Herzblut und freiwillig eingesetzter Zeit.

Die Menschheit, unser Gemeinwesen, wir schaffen es auch bergauf, wir müssen nur beginnen, gegen den Strom zu schwimmen und die Menschen ohne Anschluss ins Boot zu holen

Wer Zeitmaschinen im Dschungel baut, ist vielleich...
Kampf gegen die Burka

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