Simon Pfeiffer

Gastfreundliche Kirche oder Mission? - Oder vielleicht beides?

Ich bezeichne mich nicht als missionierenden Christen. Eigentlich habe ich Mühe damit, dass Angehörige einer Religion ihre – aus meiner Sicht mangelhafte – Glaubensüberzeugung Anderen überstülpen müssen. Wenn es wirklich einen Gott gibt, dann führt der Glaube an Gott auf verschiedensten Wegen ins Zentrum. Als überzeugter Christ muss ich anerkennen, dass Gott auch auf ganz andere Art mit Menschen in Kontakt treten kann.

Gut. Trotzdem habe ich natürlich Freude, wenn sich bei meinen „Schäfchen" neue dazugesellen. Und das geschieht tatsächlich, ohne dass ich Bekehrungspredigten halte oder zu Kircheneintritt und Glaubenszeugnis auffordere.

Ein neues Projekt in der deutschschweizer Kirchenlandschaft heisst „Familien-Kirche" (www.familien-kirche.ch). Die Kirche soll bewusst so gestaltet werden, dass sich Familien darin wohlfühlen, und sei es bloss, um im Kirchgemeindehaus zusammen Kaffee zu trinken und die Kinder spielen zu lassen: Die Kirche wird Gastgeberin. Bekehrung von Andersglläubigen oder das Einschwören von Menschen auf eine Glaubenslehre sind fremd.

In meiner Kirchgemeinde gibt es bereits ein Projekt mit ähnlicher Stossrichtung. Es heisst „Kirchen Familie" und soll einzelnen Menschen und Familien von jung bis alt die Türen öffnen, um sich in einer umfassenden Familie zuhause zu fühlen. Diese grosse Kirchenfamilie kennt keine verbindlichen Glaubenssätze. Miteinander feiern und zusammen plaudern stehen im Vordergrund. Kinder, die vom Stillsitzen und Zuhören nichts haben, dürfen nebenan basteln und spielen. Theologische Inhalte kommen kurz und alltagsbezogen daher. Musik soll Ohrwurmcharakter haben. Beim Kirchenkaffee sitzen mehrere Generationen beisammen.

Im Vorbereitungsteam sind Leute, denen eine offene Kirche ein Anliegen ist. Organisationsaufgaben werden aufgeteilt, Themen diskutiert. Auch neue Leute werden für die aktive Gruppe begeistert. Und hier kommt das Missionarische – ohne dass wir das eigentlich wollten, ehrlich!

Im aktuellen Team sind gut reformierte Familien vertreten, oft mit Cevi-Hintergrund. Dann hat es aber auch eine konvertierte Muslimin mit Wurzeln in der Türkei, die mit ihrer türkischen Verwandtschaft kaum noch Kontakt hat. Sie ist aus freikirchlich-charismatischem Umfeld zu uns gestossen und fühlt sich von unserer Offenheit angesprochen. Weiter fühlt sich eine Frau aus römisch-katholischer Familie bei uns sehr wohl. Sie übernimmt gerne auch Lesungen im Gottesdienst. Ein erster Mann hat sich unserem Team begeistert angeschlossen.

Das ist Mission, wie Jesus sie gefordert hat. Zwar taufen wir niemanden und fordern kein verbales Glaubensbekenntnis. Wir sind in Diskussionen oft höchst unterschiedlicher Meinungen wie bereits die Apostel. Sich aufeinander einlassen und sich miteinander auf den Weg machen sind Bewegung genug. Und da haben auch überzeugte Muslime, Trendbuddhisten oder suchende Esoteriker Platz. Alle!

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Syrische Höflichkeit

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