Krishna Premarupa das

Frieden beginnt im eigenen Herzen

„Hinduistisches Friedensgebet: Om Sarvesham Svasti Bhavatu, Sarvesham Shantir Bhavatu, Sarvesham Purnam Bhavatu, Sarvesham Mangalam Bhavatu, Om Shanti, Shanti, Shanti. Übersetzung: Möge Frieden für alle da sein. Möge Fülle für alle da sein. Möge Wohlstand für alle da sein. Mögen alle Wesen glücklich sein. Mögen alle Wesen frei von Sorgen sein. Mögen alle Wesen das Gute in den anderen sehen. Möge niemand leiden. Friede in uns. Friede in allem. Friede überall."

Ich sitze in der ‚Ladenkirche Schwamendingen', einem im Quartier lokalisierten christlichen Treffpunkt, gemeinsam mit Andersgläubigen an unserem interreligiösen Friedensgebet. Ein buddhistisches, jüdisches, christliches, muslimisches Gebet sowie eine agnostische Affirmation folgen meinem Sanskrit Segensspruch. Schon verrückt, jede Religion drückt den Wunsch nach Frieden aus und doch befinden wir uns in einer Zeit voller Krieg und Terrorismus. Wäre es nicht gerade die Aufgabe der Religionen, einen Weg zum Frieden aufzuzeigen? Anlässe wie das interreligiöse Friedensgebet wollen einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Unsere Gebete werden durch eine kleinen Input angereichert, heute aus der hinduistischen Tradition: In der Bhagavad Gita, dem Gesang Gottes, welche so was wie die `Hindu-Bibel` darstellt, gibt Sri Krishna eine Friedensformel: ‚santim ricchat' Frieden erlangen kann jemand, der folgendes verwirklicht hat: Gott ist der höchste Besitzer, der einzige Geniesser und unser wahrer Freund! Wir müssen wieder lernen, Gott ins Zentrum zu stellen! Solang sich jeder selber im Zentrum des Universum sehen will, wie soll es da Frieden geben? Die Rolle von Gott ist bereits vergeben! Er ist Genießer, Herrscher, wir sind dazu gedacht, ihm zu dienen. Ohne dieses Verständnis kann es niemals Frieden geben! Daher beginnt wahrer Frieden in unseren eigenen Herzen.

Ich kann mich erinnern, wie ich damals, am Sonntagnachmittag nach dem Ereignis vom 11.September 2001 in New York, an einer Vorlesung im Krishna Tempel sass, und der Sprecher die ‚Angst vor dem Terrorismus' zum Thema seiner Predigt machte. Seine eindringlichen Worte sind mir bis heute in Erinnerung geblieben: Die wahren Terroristen weilen in unseren Herzen, die 6 Feinde der Seele: Neid, Lust, Zorn, Gier, Illusion, Verrücktheit. In Illusion halte ich mich für diese sterbliche Hülle, hab vergessen, dass ich ein ewiges Teil Gottes bin, suche, von lustvollen Wünschen getrieben, in dieser vergänglichen Welt nach Erfüllung. Werde zornig, wenn meine Wünsche unerfüllt bleiben, empfinde tiefsten Neid, wenn jemand anders das erreicht, was ich eigentlich haben wollte, und fülle mein Herz mit mehr und mehr Gier, wenn ich zu dem komme, was ich mir so hart erkämpft habe... Wie kann ich in solch einem Bewusstsein voller Gier und Neid Frieden und Gelassenheit finden? Daher heisst es in der Bhagavad Gita:

„Nur wer durch die unaufhörliche Flut von Wünschen nicht gestört ist, kann Frieden erlangen, und nicht derjenige, der danach trachtet, solche Wünsche zu befriedigen. Wer frei von Wünschen ist, der allen Anspruch auf Besitz aufgegeben hat und frei vom falschen Ego ist – er alleine kann wirklich Frieden erlangen." (Bhagavad Gita 2.70-71)

Es wird niemals Frieden herrschen, solange die Erde von Menschen bewohnt wird, die voller Gier, Lust und Neid sind. Deshalb beginnt Frieden in der Wandlung des Bewusstseins eines jeden. Die Aufgabe der Religionen wäre es daher, den Menschen eine Lebensweise zu lehren, welche in diese Selbstlosigkeit und Reinheit des Herzens führt, so dass kein Nährboden für Streit, Neid und Gier mehr bestehen würde und eine Wandlung des Bewusstseins stattfinden kann.

Die interreligiösen Friedensgebete finden jeweils am letzten Montag im Monat statt. Weitere Infos unter: www.ladenkirche.ch.

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