Krishna Premarupa das

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Ein Gott, verschiedene Gewänder - oder die Weisheit des Hundes

Was machen ein reformierter Pfarrer, ein katholischer Mönch, eine buddhistische Nonne, ein Sufi Lehrer, ein Hindupriester und eine Religionswissenschaftlerin mehrere Tage in einem Benediktiner Kloster? Sich gegenseitig kennen lernen, Freundschaften schliessen und gemeinsam erkennen, wie sich der selbe Gott in „unterschiedlichen Gewändern" zeigt!

Interreligiöser Dialog sollte im Idealfall nicht nur beim Dialog stehen bleiben, sondern zu tiefen, religionsübergreifenden Freundschaften führen. Dies wiederum ist nur möglich, wenn man sich auch auf einer persönlichen Ebene kennenlernt und Zeit miteinander verbringt.

In St.Gilgen bei Salzburg wurde dies möglich. Organisiert durch das WeltklosterRadolfzell verbrachten wir hier ein gemeinsames Wochenende. Das Europa Kloster Gut Ach diente dabei als Gastgeber. Das im Jahr 1993 neu gegründete Kloster umfasst neben der Kirche und dem Wohnbereiche der Mönche ein Ambulatorium für Physiotherapie, Psychotherapie und Massage, eine Klosterkellerei und eine Kunstwerkstatt. Die Mönche dort leben nach dem Evangelium und der Regel des heiligen Benedikt. Durch ihr Gebet, den beständigen Lobpreis Gottes, ihr geistliches Leben und ihre Arbeit geben sie Zeugnis für ein Leben aus dem Glauben. Gastfreundschaft ist dabei ebenfalls ein wichtiger Aspekt, schliesslich heisst es auch in der Benediktinerregel: "Allen Gästen begegnen die Brüder in tiefer Demut." Tatsächlich durften wir hier eine wunderbare Gastfreundschaft erfahren. Zum Ausdruck kam dies unter anderem in der From der Begrüssung durch die rituelle Handwaschung.

So verbrachten wir dann täglich mehrere Stunden zusammen im Gespräch und in der gemeinsamen Praxis, was auch die Teilnahem am klösterlichen Tagesablauf umfasste: Um 6.30 Uhr Laudes, das Morgengebet, um 11.30 Uhr die 30-minütige Meditation, um 17.30 Uhr Eucharistiefeier und um 21.30 Uhr Komplet, das Nachtgebet der Mönche. Gegessen wurde beim Frühstück und Mittagessen im Schweigen, am Abends jeweils mit angeregten Gesprächen. Einer der Höhepunkte war für mich sicher der gemeinsame Pilger-Spaziergang am Wolfgangersee.

Was mir in diesen Tagen speziell auffiel, war wie unterschiedlich und gleichzeitig verbindend die verschiedenen Religionen doch sind. Bei manchen Diskussionen fühlte ich mich mehr der buddhistischen Tradition verbunden, zum Beispiel wenn es um den Gedanken der Wiedergeburt ging, manchmal aber auch mehr zu meinen christlichen Brüdern, wenn es darum ging, einem persönlichen Gott, einem geneinsamen Vater zu dienen. In Hinduismus, Buddhismus und auch in der Sufi-Tradition spielt der lebende Guru, der geistige Meister, eine ganz zentrale Rolle, während man sich im Christentum mehr an Jesus, dem Sohn Gottes orientiert. Als wir versuchten die Natur der Seele zu erkunden, musste ich mich dann wieder vom Buddhismus theologisch abgrenzen, schließlich wird dort die Existenz einer individuellen Seele verneint.

Doch so unterschiedlich die Traditionen auch scheinen, so ähnlich sind sie dann auch wieder in ihrem Kern. So geht es darum, Unterschiede anzuerkennen, aber gleichzeitig auch eine gegenseitige Wertschätzung und ein Verständnis für einander zu kultivieren.

Während wir kurz vor der Abreise für ein Gruppenfoto in unseren unterschiedlichen Gewänder nebeneinander stehen, erinnere ich mich an die Weisheit des Hundes, welche die Wichtigkeit diese gegenseitigen Wertschätzung auf der Grundlage des gemeinsamen Kerns sehr schön zum Ausdruck bringt:

Ein Hund erkennt seinen Meister unabhängig vom Gewand, welches er gerade tragen mag. Der Meister mag sich in einer einfachen Kutte kleiden, in einem noblen Anzug oder steht sogar nackt da, doch der Hund wird ihn immer erkennen.

Wenn wir unseren geliebten Herrn nicht erkennen können, wenn er in verschiedenen Gewänder anderer Religionen erscheint, dann haben wir vom Hund noch viel zu lernen.

Für und Wider das Burkaverbot
Ladenkirche Schwamendingen

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