Simon Pfeiffer

Die unsichtbare Hand

Zusammenarbeit

​Das war ein „heisser" Sommer: Die Klimaproteste wurden heftiger, die gewaltlosen Aktionen zielgerichteter und nerviger, die Statements in den Kommentarspalten der Medien bissiger bis gehässig. Und wir alle stossen wacker unser tägliches CO2 aus.
Für die einen scheint zu gelten: „Was ich nicht wissen will, macht mich nicht heiss." Sie liessen Dinge verlauten wie: „Ich werde grinsend ins Flugzeug steigen und meinen Langstreckenflug so richtig geniessen." Oder: „Klimaschwankungen gab es schon immer." Und Banken, Politiker und Investoren scheinen den alten Glauben an die unsichtbare Hand festzuhalten, gemäss dem der Profit weniger Einzelpersonen auf alle heruntertröpfle. Regeln und Einschränkungen gelten als des Teufels, da sich alles von selber ergeben werde. Abwarten bis sich die Stürme, Überschwemmungen und Feuersbrünste gelegt haben und Festhalten am alten Erfolgsmodell, ist offenbar die Devise.


Auf der anderen Seite der Protestbewegung bereiten sich Menschen auf die Apokalypse vor. Leben ohne fossile Energie, Selbstversorgung, Vorbereitung auf den Kampf aller gegen alle. Sämtliche Hoffnung auf das Eingreifen einer unsichtbaren Hand scheint da verloren.

Keine unsichtbare Hand wird das in den letzten beiden Jahrhunderten freigesetzte CO2 wieder unter den Boden bringen. Auch keine göttliche Macht oder der technologische Fortschritt, der göttliche Funktionen übernommen hat. Aber die Menschheit kann es schaffen, wenn sie beginnt zusammenzuarbeiten, wenn das Gesamtwohl über den Profit einzelner gestellt wird und sich die Gesellschaften nicht von Hassattacken spalten lassen. Die heutige Welt ist zu komplex, als dass jemand sie als Einzelkämpfer bewältigen könnte. Ebensowenig werden autoritäre Systeme und ihre Gefolgschaften langfristig tragfähige Lösungen hervor bringen. Vernetztes Denken und Handeln wird der Weg in die Zukunft und vielleicht zu einem neuen Zivilisationssprung sein. Misstrauen und Einzelinteressen sind Hindernisse, die es zu überwinden gilt.


Gott hat den Menschen nicht als ein Einzelwesen geschaffen, sondern als eine Vielfalt von Individuen, die sich in Freiheit ihren Anlagen gemäss entwickeln können. Dazu eine bunte Vielzahl von Tieren und Pflanzen, die dem Menschen erst das Überleben ermöglichen.
Gerade als Wesen, die auf eine bunte Vielfalt hin angelegt sind, sollten wir zu einem Vertrauen ineinander finden. Sozusagen ein Vertrauen in die unsichtbaren Hände anderer. Wir brauchen das Vertrauen in die Hände von Menschen, die wir nicht kennen, die aber weltweit am selben Projekt arbeiten: Am Überleben und der Zukunft der Menschheit und der meisten Lebewesen, die heute noch den Planeten bevölkern.


 Coverbildquelle: https://pixabay.com/de/photos/teamgeist-zusammenhalt-gemeinsam-2447163/ (Nutzer: Anemone123, letzter Zugriff: 19.09.2019)

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