Simon Pfeiffer

In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Die letzten Jedi

Die letzten Jedi

Der neueste Film der dreifachen Star Wars Trilogie birgt einen Schatz an Motiven für Predigten oder nächtelange Diskussionen über Gott, die Welt und die Rolle von Menschen, die im Namen einer Religion auftreten.


Als ordinierter und gewählter Vertreter meiner religiösen Tradition, als "Diener am Wort Gottes", komme ich mir manchmal vor wie einer der letzten Vertreter einer aussterbenden Weltsicht, und mein segnendes "Die Kraft sei mit euch" vor immer kleinerer Gemeinde könnte auch eine wirkungslose Formel ohne grössere Hoffnung dahinter sein – ohne Auswirkung auf den Alltag. Die Hoffnung schwindet auch in der fernen Galaxie von Star Wars' Episode 8, bis auf den Hilferuf der letzten organisierten Rebellen niemand in der ganzen Galaxie antwortet. Von aussen kommt keine Hilfe. Die autoritäre Neue Ordnung ist daran, die Letzten zu vernichten, die sich noch widersetzen.


Symbolfiguren, die die Welt wieder ins Lot bringen, haben versagt. Der Jedi-Meister hat seinen Kräften entsagt und versteckt sich, bis er die heiligen Bücher der Jedi-Tradition verbrennen will. Nutzlos für die Probleme von heute und zu gefährlich, von jungen Schwärmgeistern missbraucht zu werden. Die "Macht" als Verbindung zwischen allem Lebenden gehöre niemandem, deshalb sollen die Zugänge zu ihr verschlossen werden. Dasselbe könnte man über aus dem Zusammenhang gerissene Sätze aus Heiligen Büchern sagen, wie sie im Kampf von Fundamentalisten jeglicher Herkunft gerne wirkungsvoll verwendet werden.


Spannend, dass im Film der Kampf der guten und schlechten Seite der Macht ins Innere der Protagonisten verlegt wird. Eindeutige Zuordnungen werden schwierig, wenn ein Jedi-Meister seinen Schüler bedroht und von Angst zerfressen wird, ein junger Jedi-Schüler von allen Meistern enttäuscht nur noch sich selbst als Meister sieht und ein junges Naturtalent die "dunkle Seite der Macht" verstehen will und ihr die Hand reicht.

Die Jungen müssten die Alten überflügeln, so Jedi-Altmeister Yoda. Und das alte Wissen aus staubtrockenen Büchern sei nicht so wichtig wie die Aktualisierung im Herzen der Jungen. Rebellenanführerin Leia prägt das Bild von den schwindenden Rebellen als Funken, die den Aufstand gegen die Herrschaft der "Neuen Ordnung" entfachen.


Alte, starre Formen werden als nicht mehr tragend und zukunftsfähig erlebt. Das stimmt auch für unsere Welt auf dem einen blauen Planeten, den wir kennen. Im Umgang mit alten Traditionen müssen wir vielleicht nicht gerade Feuer einsetzen und alles in Schutt und Asche legen, aber wir müssen uns von Korsetts befreien, damit der Funke auf kommende Generationen springen kann und der Wunsch "Die Kraft sei mit dir" wieder etwas zu tun hat mit dem Leben all der Menschen, die zunehmend unter Druck eines immer unmenschlicheren Systems stehen, egal ob mit autoritärem oder demokratischem Gesicht.


Aus dem Aufstand gegen allzu Starres und Unhinterfragtes könnte neuer Schwung kommen für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft mit mehr Freiheit für alle. Unkonventionelles Vorgehen wäre auch das Zusammengehen von freiheitlichen Geistern aller Seiten bis hin zur Versöhnung scheinbar unversöhnlicher Gegensätze, der dunklen und der hellen Seite im Star Wars Universum.


Ob es in Star Wars 9 zu einer grossen Versöhnung kommen wird, können Kinogänger in zwei Jahren sehen. Dass heldenhafte Symbolfiguren und Vorzeigemenschen weniger wichtig sein könnten, zeigt die letzte Einstellung von Episode 8: Ein namenloser Stalljunge in den Stallungen eines Kasino-Planeten schwingt seinen Besen wie ein Lichtschwert.


Der letzte Jedi ist nicht mehr relevant. Jedi kann jeder werden. Symbolfiguren sind bloss Funken, die Menschenherzen entflammen lassen. Irgendwo in der Galaxie.


Quelle des Coverbildes: Alpha Coders

Buchauszug: Für ein besseres Miteinander V
Buchauszug: Für ein besseres Miteinander VI

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