Buchauszug: Für ein besseres Miteinander I

Gekürzter Auszug aus: Fouzi, Esther. Für ein besseres Miteinander. Eine Muslimin lädt zum Gespräch. Frankfurt: R.G. Fischer Verlag, 2014
ISBN: 978-3-8301-9789-8

Vorwort

Es gibt schon viele Bücher über den Islam. Islamwissenschaftler, Orientalisten, muslimische Gelehrte und andere Experten schreiben unermüdlich über den Islam. Ex-Muslime tun es auch. Je nach Einstellung des Autors sind diese Bücher Informationsquellen, Wissensvermittlung oder Abrechnungen.
Aber es gibt praktisch keine Bücher, die aus der Sicht eines „gewöhnlichen" Muslims geschrieben werden. Bücher mit einer Terminologie, die auch von Menschen ohne Hochschulabschluss verstanden wird. Bücher, die nicht nur vom abstrakten Theoriegebäude der Religion handeln, sondern auch vom gelebten Alltag. Ein Insiderbericht, lebendig und einfach zu verstehen.

Ich möchte ein solches Buch schreiben. Ein Buch, das den Lesern Antworten auf Fragen gibt, die sie ihren muslimischen Nachbarn, Bekannten oder Freunden stellen möchten – was sie jedoch mangels Zeit, Sprachkenntnissen oder Vertrautheit dann doch nicht tun. Dabei kann und will ich nicht für alle Muslime sprechen. Wir sind keine homogene Masse. Das Buch gibt vielmehr meine eigenen Gedanken und Erfahrungen wieder.

Trotzdem richtet sich mein Buch an Nichtmuslime und Muslime gleichermassen. Den Nichtmuslimen soll es einen Einblick in eine nahe und doch als fremd empfundene Welt vermitteln. Muslime können sich darin wiederfinden, und wo nicht, soll es zu Diskussionen und zum Nachdenken anregen, damit die Religion mit vertieftem Bewusstsein freudvoll gelebt werden kann.


Wenn mit diesem Buch Fragen geklärt und Ängste abgebaut werden ...
Wenn sich Nichtmuslime und Muslime mit mehr Verständnis begegnen können ...
Wenn unter uns mehr Frieden herrschen kann ...

– dann habe ich mein Ziel erreicht.

Ich bitte Gott um Seine Hilfe und ich danke Ihm dafür.

Einleitung

Fast täglich erreichen uns Schreckensmeldungen über Gräueltaten von Menschen, die sich Muslime nennen. Im Namen von Allah werden Kriege geführt, Frauen unterdrückt, Menschen entführt und Terroranschläge auf der ganzen Welt verübt.

Die Religion solcher Leute – der Islam – erscheint als eine einzige Bedrohung. Die Muslime in der Folge ebenso. Auch diejenigen, die hier in der Schweiz ganz unauffällig arbeiten und wohnen, erscheinen unberechenbar. Was, wenn sie sich plötzlich verändern? Sich dem Terror ihrer Glaubensgenossen anschliessen? Wer weiss denn schon, was sie glauben? Was sie denken?

Angesichts dieser Ausgangslage ist es verständlich, dass sich bei vielen Nichtmuslimen Unbehagen und Verunsicherung breitmachen. Es ist verständlich, dass sich dies oft in Misstrauen, Abwehr und Hass gegenüber den Muslimen ausdrückt, und es ist verständlich, dass man alles Mögliche versucht, um sich wieder sicher zu fühlen. Kontrollen, Restriktionen und Verbote scheinen die Mittel der Wahl zu sein. Es ist verständlich, ja. Ich verstehe das.

Doch ist es auch richtig? Führt es zum erwünschten Ziel? Zu mehr Sicherheit? Zu mehr Lebensqualität? Führt es zu einem besseren Zusammenleben? Oder ist es nicht vielmehr so, dass uns mehr Wissen übereinander und eine bessere Verständigung untereinander mehr Sicherheit verleihen?
Manchmal hilft ein Perspektivenwechsel.

Ich möchte Sie einladen, die Geschehnisse aus meiner Sicht zu betrachten. Aus dem Blickwinkel einer muslimischen Frau, die wie die grosse Mehrheit der Muslime hier in Europa einfach nur friedlich in dieser Gesellschaft leben will, angesichts der politischen Ereignisse in islamischen Ländern aber oft pauschal mitverantwortlich gemacht wird und sich plötzlich für ihren Glauben rechtfertigen muss oder sogar in die Kategorie der „Täter" eingereiht wird.

Wir sind keine „Täter", wollen aber auch keine Opfer sein.
Wir sind einfach nur Menschen. Mitmenschen.
Vielleicht kann Ihnen der Einblick in meine Perspektive helfen, die unbekannte „andere Seite" besser kennenzulernen.

Anmerkungen an die geschätzten Leser

Der Einfachheit halber benutze ich immer die männliche Form bei der Anrede. Die Frauen sind für mich dabei aber eingeschlossen.

Da dieses Buch auch für Nichtmuslime geschrieben ist, verzichte ich darauf, nach der Nennung des Propheten Muhammad und der anderen Propheten die Segenswünsche zu schreiben und bitte die muslimischen Leser, dies für sich im Stillen hinzuzufügen.

Da nichtmuslimischen Lesern der Begriff Allah fremd erscheint und oft die Assoziation Allah = der Gott der Muslime hervorruft, habe ich immer den Begriff Gott benutzt.
Im muslimischen Verständnis sind Gott und Allah Ein und Derselbe.

Die Auszüge für religion.ch wurden gekürzt. Zudem sind in der Originalausgabe des Buches etliche Fussnoten enthalten, die hier der Übersicht zuliebe weggelassen wurden.

Buchauszug: Für ein besseres Miteinander II
Bloss das freundliche Gesicht?

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