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Buchauszug: Für ein besseres Miteinander VI

Buchauszug: Für ein besseres Miteinander VI

Meine Konversion Teil III

​Ich hing immer noch sehr an der Bibel, und so erfolgte mein erster Zugang zum Islam – so seltsam es tönt – über die Bibel. Meine Mauer gegen den Islam begann aufzuweichen, nachdem ich gelesen hatte, dass es in der Bibel Prophezeiungen gab, die von den Christen zwar anders interpretiert werden, aber durchaus auch auf den Propheten Muhammad zutreffen könnten, z.B. im 5. Moses 18/18, oder Johannes 16/13 und Matthäus 21/43.


In der Folge ging ich offener an die Lektüre des Koran und las die Bibel aufmerksamer – und auch kritischer. Was mich am meisten interessierte, waren die grossen Unterschiede:


Jesus ist laut Bibel der Sohn Gottes, aber laut Koran nicht Gottes Sohn, sondern Sein Prophet. Ich war überrascht, zu erfahren, dass das Wort Gottessohn nichts Exklusives war, das nur für Jesus angewendet wurde, sondern dass bereits im 1. Moses 6/1–2 die Rede von Gottessöhnen war, die sich mit Menschentöchtern vermischten. Auch in Hiob 38/4–7 wurde von Gottessöhnen gesprochen. Darüber hatte ich früher ohne nachzudenken hinweggelesen. Vielleicht war ja die Gottessohnschaft gar nichts so Exklusives, wie ich immer geglaubt hatte? Vielleicht hat Jesus das ja anders gemeint, und die Menschen haben später etwas Falsches hineininterpretiert? Vielleicht ist der Koran tatsächlich gekommen, um das richtigzustellen? All das fragte ich mich.


Meine damaligen Überlegungen bezüglich der Gottessohnschaft Jesu und einer möglichen Verfälschung der ursprünglichen Lehre wurden später von anderer Seite her bestätigt. Etwa zwanzig Jahre nach meiner Konversion hörte ich vom Fund von Nag Hammadi Mitte des 20. Jahrhunderts, bei dem viele christlich-gnostische und rein gnostische Texte aus den ersten drei Jahrhunderten zum Vorschein kamen, die ein anderes Verständnis der Funktion von Jesus hatten.


Für die christlichen Gnostiker war nicht der Glaube das ausschlaggebende Instrument, sondern das Wissen. Zu diesem Wissen gehörte in erster Linie die Erkenntnis, was der Mensch in sich und an sich sei. Gefordert war Selbsterkenntnis. Die Aufgabe Christi in seinem irdischen Wirken bestand darin, diese Erkenntnis zu vermitteln und den Menschen zu ihr zu führen. Die Vorstellung der Rechtfertigung und Heilserlangung des Menschen durch den Glauben an Tod und Auferstehung Jesu teilte die Gnosis also nicht.

(Quelle: Katharina Ceming, Jürgen Werlitz Die verbotenen Evangelien, S. 9–10.)


Mein Glaube geriet immer mehr ins Wanken. Zumal mir auch das Gottesbild im Islam besser gefiel. Die Dreieinigkeit war schon immer mein wunder Punkt gewesen. Ich hatte mein Unbehagen früher nicht formuliert, weil ich ja nichts anderes kannte und mich so gut es ging, arrangiert, indem ich wie gesagt zu allen dreien betete. Doch nun hatte ich mit dem Islam plötzlich eine Alternative, dort waren die Verhältnisse klar: Es gibt Gott, und Er ist Einer. Jesus ist sein Prophet und den Heiligen Geist im Sinne eines Teils einer Dreieinigkeit gibt es nicht. Wenn vom „Geist" die Rede ist, dann ist entweder der Engel Gabriel gemeint oder die Lebenskraft, mit der Gott seine Schöpfung zum Leben erweckt.


Ich spürte, dass ich mich Gott näher fühlte, wenn ich so dachte. Es war, als wäre der Himmel plötzlich wieder frei zwischen Gott und mir.



Gekürzter Auszug aus: Fouzi, Esther. Für ein besseres Miteinander. Eine Muslimin lädt zum Gespräch. Frankfurt: R.G. Fischer Verlag, 2014
ISBN: 978-3-8301-9789-8, www.besseresmiteinander.com


Natürlich, du hast absolut recht.
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