Krishna Premarupa das

Blaue Moschee trifft auf orangen Tempel

"Allahu Akbar, Allahu Akbar ..!" Allah ist großartig! Ungefähr fünfundzwanzig Männer stehen in einer Reihe auf einem blauen Teppich in Richtung Mekka, verneigen sich immer wieder und bringen Gebete dar. Es ist Freitag Abend, 21:33 Uhr. Ich bin mit einer Gruppe von Krishna-Geweihten zu Gast am Abendgebet in der Blauen Moschee hier in Zürich. Am Tag zuvor hatten einige Mitglieder dieser muslimischen Gemeinschaft unseren Tempel besucht und nahmen an unserer Abendzeremonie teil. Unsere beiden Gemeinden wurden im Rahmen eines Jubiläumsprojekts durch das Zürcher Forum der Religionen zusammengeführt und zu einer Partnerschaft geformt.


Ich persönlich fand diese Begegnung zwischen Moschee und Tempel Gemeinschaft sehr interessant. Solche Veranstaltungen helfen Vorurteile abzubauen. Murat, der Präsident der Moschee, gab zu, dass er sich nicht sicher war, wie er über die Hare Krishnas denken sollte. Er erinnerte sich daran, wie er in seiner Jugend den Krishna Geweihten begegnet war; diese in orange Gewänder gekleideten Leute, die man ständig auf den Strassen singen und tanzen sah. Aber auch von unserer Seite gab es sicher gewisse Berührungsängste: "Sind Frauen dort willkommen? Müssen wir einen Burka tragen?" fragten mich einige Tempelbewohnerinnen im Vorfeld. Nicht nur hinduistisch-muslimische Konflikte aus der Vergangenheit, wie die Zerstörung hunderter Hindu-Tempel in Indien durch muslimische Herrscher wie Aurangzeb tragen zu zusätzlichen Misstrauen bei, auch die gegenwärtige Propaganda gegen den Islam in den Medien ist nicht zu unterschätzen.


Die Schönheit solcher Ereignisse besteht darin, dass, sobald man sich mit Menschen trifft, von ihnen hört und sie kennenlernt, merkt, wie man trotz aller Unterschiede auch viel Gemeinsames hat wie z.B. in Bezug auf Kultur und Lebensstil. Die relevanteste Ähnlichkeit ist aber das Element von Bhakti. Wir haben viel gemeinsam, weil wir unser Leben der gleichen Höchsten Persönlichkeit Gottes gewidmet haben. Srila Prabhupada, der Gründer der Hare Krishna Bewegung im Westen sagt dazu: "Sie akzeptieren Gott. Sie sind auch unsere Brüder, weil sie Gott akzeptieren. Sie wollen Gott gefallen. Sie gehen zur Kirche, gehen in die Moschee, beten Gebete an. Das Gebet ist auch Bhakti, ein hingebungsvoller Dienst." 1


Srila Prabhupada betonte oft, dass er nicht gekommen sei, um jeden in einen Hindu oder Hare Krishna zu bekehren. Wenn jemand bereits einen Glauben ausübte, ermutigte Srila Prabhupada diese Menschen, ihren Glauben zu vertiefen. Seine Botschaft war, dass im gegenwärtigen Zeitalter der Prozess des Singens der Namen Gottes der effektivste Weg ist, sich wieder mit Gott zu verbinden und dass die reine Liebe Gottes das letztlich Ziel des Lebens ist:


"Der Test jeder Schrift ist, wie man die Liebe zu Gott entwickelt. (...) Wenn du feststellst, dass du durch das Praktizieren deiner religiösen Prinzipien Liebe zu Gott entwickelst, dann ist das perfekt. Es spielt keine Rolle, ob es Bibel oder Koran oder Bhagavad-gétä ist. Wir müssen sehen, was die Frucht ist. Wenn die Frucht ist, dass Menschen Liebe zu Gott entwickeln, dann ist es perfekt …" 2


Unsere muslimischen Brüder und Schwestern waren positiv überrascht, als sie von unserem Fokus auf die Entwicklung der Liebe zu Gott erfuhren. Hier haben wir definitiv eine grosse Gemeinsamkeit - Hingabe zu Gott! Als ich an diesem Freitagabend die „Blaue Moschee"3 verließ und zu unserem orangefarbenen Tempel zurückkehrte, fühlte ich mich dankbar, einen spirituellen Prozess zu praktizieren, der Liebe zu Gott wieder erwecken kann und freute mich über die Möglichkeit, Menschen zu begegnen, welche dies ebenfalls als ihr Lebensziel sehen.

Jeden zu ermutigen, seine Liebe zu Gott wieder zu entwickeln, ist die Pflicht jedes Heiligen, jedes Stellvertreters Gottes. Wie dies auch mit dem Propheten Muhammad gilt, zeigt folgendes Gebet: "Oh Herr, gewähre mir die Liebe zu Dir; gewähre mir, dass ich diejenigen liebe, die dich lieben; gewähre mir, dass ich die Taten tue, die deine Liebe gewinnen; mache deine Liebe wertvoller für mich als meine Seele, Familie und Reichtum." 4



1 Srila Prabhupada im Gespräch - Theran, 14.03.75
2 Srila Prabhupada Vortrag 18.10.68 - Seattle
3 Ihre Moschee wird blaue Moschee genannt (ohne Verbindung zur blauen Moschee in Istanbul), dementsprechend sind die Wände des Gebäudes blau, da unser Tempel eine orange Fassade hat, nenne ich unseren Tempel in diesen Blog "Orangen Tempel"
4 Übersetzt aus `The Sayings of Muhammad` von Abdhullah Al-Muamun Al-Suhrawardy, London, 1905, Seite 128

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