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Simon Pfeiffer

Befreiung ist das Ziel

Freedom

Als Christen haben wir zwei grossartige und idealerweise wirkmächtige Befreiungsgeschichten im Traditionsschatz: Die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und die Befreiung mit der Anführerfigur Mose und die Befreiung von persönlicher Schuld und vom Zwang zum Opfer durch den Tod Jesu am Kreuz. Persönlich finde ich es eine grossartige Sache, dass Fremdarbeiter in die Freiheit gelangen und persönliche Schuld nicht auf ewig in Stein gemeisselt weiter getragen werden muss. Freiheit von äusserer Unterdrückung und Freiheit von innerer Verurteilung sind grossartige Errungenschaften, die nicht nur in Geschichten ihren Platz haben, sondern auch in unserem Leben erkämpft und bewahrt sein wollen.

Wir bezeichneten den Teil der Welt, in dem wir leben, gerne als "freier Westen". Sklaverei und Unterdrückung schienen passé, innere Freiheiten sind Privatsache. Der "freie Westen" ist Geschichte. Menschen, die sich selber als "frei" erleben und auch bezeichnen, muss man bald suchen. Vielleicht findet man sie noch am ehesten bei Geflüchteten aus autoritären Regimes in Nahost, Afrika oder Fernost.


Erschreckend wenig zu sehen von Freiheit ist bei unseren eigenen Kindern. So wird der Nachwuchs des ehemals "freien Westens" mit Frühförderungskursen, Freizeittotalverplanung und Therapiemassnahmen vor dem ersten selbstgeschriebenen Satz davon abgehalten, frei zu spielen, sich mit ihresgleichen in der Nachbarschaft auszutoben, auf Bäume zu klettern, sich die Knie aufzuschürfen, Dreck zu essen, kreativ eigene Auswege aus der Langeweile zu finden und spielend ganz viel Lebenserfahrung zu sammeln. Verplante Kinder werden dann in der Schule ab erstem Schultag noch engmaschiger getaktet: Themen und Aufgaben wechseln im Stundentakt, kaum etwas kann abgeschlossen werden, bevor die Glocke klingelt und das nächste Thema möglichst still sitzend in die Köpfe gefüllt werden muss. Aufträge müssen zwar im Wochenplan, aber spätestens bis nach dem Wochenende abgeschlossen werden. Noten geben den Tarif durch, und nur mit elterlicher und fachlicher Unterstützung ist das Glanzresultat zu schaffen, das als Zugang zur gelobten Welt der Berufswahlfreiheit gilt.


Nebenerscheinungen wie Ängste, Stress bereits ab Mittelstufe, Bewegungsmangel und Aggressionen, Mobbing, Verhaltensauffälligkeiten werden stillschweigend in Kauf genommen. Ebensowenig reichen Studien, die Zusammenhänge von Druck und Ablöschern, Nutzlosigkeit von Hausaufgaben oder Sinnhaftikgeit von freiem Spielen und Lernen belegen als Begründung, den Kindern eine tolle Schulzeit voller Entdeckerfreude und Spass am spielenden Lernen zu ermöglichen. Die Kinder werden geformt, wie sich Erwachsene und die Erwerbswelt sie wünschen. Freiheit hat da nichts verloren, allerhöchstens in kosmetischer Dosis.


Die biblischen Autoren haben schon gewusst, Freiheit beginnt unten: bei den Zwangsarbeitern, bei den Ausgegrenzten, Kranken, Prostituierten, Zöllnern, Bettlern etc. – und auch bei den Kindern.


Unsere "freiheitliche Welt" wird eine grossartige Geschichte bleiben, wenn wir uns selber im Kopf unterdrücken und unsere Kinder nicht frei lassen. Juden haben den Exodus, Christen den Kreuzestod, Muslime die Hidschra als Ursprungsgeschichten mit Freiheit als Ziel. Angekommen sind wir alle definitiv noch nicht.


Befreiung bleibt das Ziel.

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