Simon Pfeiffer

Am Vorabend der Apokalypse

Letzthin schaute ich mit meinen Konfirmanden die Liebeskomödie „Jesus liebt mich". Darin kommt Jesus auf die Welt, um sich nochmals ein aktuelles Bild von der Menschheit zu machen, bevor am nächsten Dienstag die Apokalypse eintrifft.

Die Apokalypse, die nächsten Dienstag eintrifft, ist seither ein paar Schritte näher an die Realität gerückt. Zwei Köpfe von Weltmächten haben sich getroffen, um Möglichkeiten für einen Weg zum Frieden aus der verworrenen Lage in Syrien zu erörtern. Zwei Tage danach greift die Luftwaffe des einen davon Ziele in Syrien an, aber nicht im sogenannten „Islamischen Staat", sondern auf Territorium, das von Assad-Gegnern kontrolliert wird. Die Apokalypse ist nahe. Vielleicht nicht ganz so, wie es fundamentalistische Sekten aus den USA schon lange herbeisehnen. Aber die Erschütterungen in Syrien könnten die aktuell gültige Weltordnung im Handumdrehen in ein Chaos verwandeln.

Für die Menschen in Syrien selbst und seinen Nachbarländern ist die Apokalypse bereits da. Diejenigen, die dazu nicht „Ja" und „Amen" sagen wollen und Möglichkeiten zur Flucht haben, nehmen gewaltige Risiken auf sich, um irgendwo sicheren Boden und den Ansatz einer lebenswerten Zukunft zu erreichen. Ebenso sind viele Menschen aus dem Iraq, aus Afghanistan, aus Eritrea und anderen afrikanischen Staaten unterwegs in den Norden. Ihr Leben ist da, wo sie herkommen nichts wert. Also setzen sie es aufs Spiel, um vielleicht in Europa, bei uns, ein lebenswerteres Leben zu erreichen.


Die Apokalypse ist für viele Menschen auf unserem Planeten bereits Realität. Und zu uns kommt sie vielleicht nächsten Dienstag. – Und danach? Was kommt, wenn für uns die Welt untergegangen ist und sich die Menschheit selber auslöscht? Ich glaube nicht daran, dass ausgewählte Menschen durch göttliche Intervention den Untergang der Menschheit überleben würden. Die Erde wird sich auch ohne Menschen noch ein paar Jahrtausende weiterdrehen. Vielleicht kommt nach der Zeit der Menschen die Zeit der Ameisen oder anderer Schwarmintelligenzen.


Aber wie der Jesus im Film habe ich die Menschheit noch nicht ganz abgeschrieben. Wir werden uns fragen müssen: Geld oder (Über-) Leben? Vielleicht kommt die Apokalypse nächsten Dienstag mit erneuten Hiobsbotschaften. Vielleicht kommen bald nicht nur flüchtende Menschen, sondern auch der Krieg zu uns. Egal, als Anhänger des Lehrers und Propheten aus Nazareth sollten wir uns zueinander wie Menschen verhalten.

Bloss das freundliche Gesicht?
Worum geht es beim Opfer?

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